Obdachloser erstochen: Verdächtige war gerichtsbekannt

3. November 2011, 16:31
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"Die Presse": Gerichtspsychiaterin hielt Frau für "sehr gefährlich"

Wien - Die Frau, die am Mittwoch einen Bewohner eines Obdachlosenheims in Wien-Landstraße erstochen haben soll, war polizei- und gerichtsbekannt. Das berichtet "Die Presse" in ihrer Freitag-Ausgabe. Gegen die Frau war demnach am Wiener Landesgericht ein Strafverfahren anhängig, in dessen Verlauf ein psychiatrisches Gutachten eingeholt wurde. Darin wurde der Frau laut "Die Presse" eine Schizophrenie bescheinigt und die 45-Jährige als "sehr gefährlich" eingestuft.

Es gab allerdings keine Handhabe, die Frau festzuhalten, weil keine sogenannte Anlass-Tat vorlag, die für eine vorbeugende Anhaltung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher erforderlich wäre. Zudem ließ das Delikt, dessentwegen gegen die Frau bereits die Hauptverhandlung eröffnet worden war, nicht befürchten, dass sie unmittelbar eine Gefahr für ihre Umwelt darstellen könnte: Ihr wurde ein Einbruch in einen Wohnwagen vorgeworfen.

Frau befindet sich auf Baumgartner Höhe

Wie Michaela Schnell, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, erläuterte, kommt bei psychisch auffälligen Straftätern eine Anhaltung grundsätzlich nur infrage, wenn zu befürchten ist, dass sie unter dem Einfluss ihrer Krankheit neuerlich Straftaten mit "schweren Folgen" begehen werden. "Bei Vermögensdelikten sind laut Judikatur solche 'schweren Folgen' erst bei einem Schaden von 50.000 Euro gegeben", sagte Schnell.

Da das Aufbrechen eines Wohnwagens wohl kaum einen derart hohen Schaden nach sich zieht und der Strafverfolgungsbehörde darüber hinaus keine Hinweise auf ein gewalttätiges Verhalten der 45-Jährigen anderen gegenüber vorgelegen haben dürften, wurden keine freiheitsbeschränkenden Maßnahmen angedacht.

Nach der ihr angelasteten Bluttat wurde die Frau vorerst am Psychiatrischen Zentrum Baumgartner Höhe untergebracht. Wie eine Polizeisprecherin am Donnerstagnachmittag erklärte, konnte sie bisher nicht vernommen werden. Die Frage nach einem möglichen Motiv ist weiter unklar. Ebenso wenig ist gesichert, ob und in welcher Beziehung die Frau zum umgekommenen 37-Jährigen stand. (APA)

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