Sotheby's New York

Souveräner Zungenbrecher

3. November 2011, 17:12
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    foto: sotheby's

    60 lange Sekunden ließ Tobias Meyer am Abend des 2. Novembers das Gebot von 23 Millionen im Raum hängen. Dann dirigierte er weiter, bis zum "winning bid" von brutto 40,4 Millionen Dollar.

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    Klimts Landschaftsbild "Litzlberg am Attersee".

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    foto: sotheby's

    "Seeufer mit Birken": 1902 malte Gustav Klimt dieses Bild, das bis zur Entdeckung eines Sotheby's-Experten Anfang dieses Jahres als verschollen galt. Am 8. Februar 2012 gelangt es bei Sotheby's in London zur Auktion (Taxe 6-8 Mio. Pfund / 10-13 Mio. Dollar).

Applaus in New York: Für einen souveränen Auktionator, der die Gebote für Gustav Klimts "Litzlberg" bis zu 40,4 Millionen Dollar dirigierte

Der Sensationspreis der Woche und ein Richtwert für "Seeufer mit Birken".

Wien/New York - Es sind Momente wie diese, die Tobias Meyer vom Rest der Kunstwelt und den Kollegen trennen. Er gilt nicht nur als Starauktionator, er ist es. Mit der Intensität seiner Gesten. Den zeitlich perfekt eingestreuten Sprüchen. Und vor allem Dank seiner Souveränität. Damit spielt er, auf höchstem Niveau. Ach ja, und er tut es im Namen von Sotheby's.

Zuletzt Mittwochabends im dicht gedrängten Auktionssaal in New York, als rund 70 Kunstwerke der Sparte Impressionist & Modern Art auf dem Versteigerungsprogramm standen. Tags davor hatte Konkurrent Christie's eine vergleichsweise miserable Performance geliefert. Für das gegenwärtige Klima an den Weltbörsen waren deren angesetzten Taxen schlicht zu aggressiv. Statt des angepeilten Umsatzes von bis zu 310 Millionen Dollar musste sich Christie's mit knapp 141 Millionen zufrieden geben, 38 Prozent des Angebots blieb unverkauft. Die verbleibenden Stunden zum Start der Auktion verschaffte Sotheby's Luft, auch um übertriebene Erwartungsflausen der Einbringer zu züchtigen.

Für das Starlot des Abends war derlei nicht notwendig. Dass Gustav Klimts vom Museums der Moderne Salzburg jüngst an George Jorisch, den Enkel Amalie Redlichs restituierte Gemälde verkauft würde stand fest, die Frage war lediglich für wie viel. "Litzlberg am Attersee", ein Zungenbrecher-Titel für 99 Prozent aller Anwesenden, hatte schon im Vorfeld weltweites Interesse generiert.

60 entscheidende Sekunden

18 Millionen Dollar nannte Meyer den Einstiegspreis und dirigierte zuerst vier, dann nur mehr zwei Sotheby's-Spezialisten bzw. deren Telefonbieter. Charles Moffett (Vice Chairman Impressionist & Modern Art) hatte 23 Millionen geboten. Dann war Pause. Eine unendlich lange Minute, in der Meyer das Gebot in der Luft hängen ließ. Unbarmherzig, wie es nur jemand von seiner Klasse sein kann. 

In Köln oder Wien hätte man in diesen Sekunden "zum Dritten" geplärrt und den Verkauf besiegelt. Nein, Meyer wusste es besser. Bei 23,5 Millionen schmiss sich ein Saalbieter ins Getümmel, Ebender, der bei 36 Millionen Dollar den Sieg davon trug. David Lachenmann heißt der Schweizer Kunsthändler, dessen Auftragskunde samt Käuferprovision in den nächsten Tagen 40,4 Millionen Dollar (29,3 Mio. Euro) überweisen wird. 

Im Februar 2010 hatte "Kirche in Cassone", das ebenfalls Amalie Redlich gehörte, bei Sotheby's in London umgerechnet 43,2 Millionen Dollar gebracht. "Unglaublich", gesteht George Jorisch im Gespräch mit dem STANDARD ein, "vor allem wenn man bedenkt, dass solche Preise früher unmöglich gewesen wären". Damals, in den Nachkriegsjahren, als zuerst sein Vater die Kunstwerke vergeblich zu finden versuchte. Auch später noch, als er Briefe an die österreichischen Behörden verfasste. Insofern hätte der jahrelange Kampf ja auch irgendwie sein Gutes gehabt. Hauptsächlich gehe es aber um Prinzipien, nicht um das Geld.

Natürlich werden seine vier Kinder und zehn Enkel davon profitieren, wobei "der Zehnte gilt ja nicht, der liegt nach einem Rugby-Unfall im Koma". Es bleibt eben alles irgendwie relativ. Freitags geht's zurück nach Montreal.

Auktionstermin für Klimts "Seeufer mit Birken"

New York bekam - trotz der Schrecksekunde Dienstagabend - dann doch noch den ersehnten Sensationspreis der Woche. Und die Fachwelt einen neuen Richtwert: Für Gustav Klimts verschollen geglaubtes "Seeufer mit Birken" (1902): Jenem Bild, das Philip Hook (Sotheby‘s Senior Spezialist Impressionist & Modern Art) in einer holländischen Privatsammlung entdeckte. Nicht Alfred Weidinger, wiewohl der Vizedirektor des Belvedere die Echtheit Anfang September bestätigte. Helena Newmann (Sotheby's Chairman Impressionist & Modern Art) bescheinigt dem 90 mal 90 cm großen Bild Starpotenzial, gilt im Landschafts-Oeuvre des Künstlers doch als Schlüsselwerk. 1902 hatten Richard und Klara Koenigs-Bunge das Werk kurz nach der Erstpräsentation in der Secession im Rahmen der "Deutsch nationalen Kunst-Ausstellung" in Düsseldorf für einen unbekannten Betrag erworben. Von der Öffentlichkeit der Kunstforschung unbemerkt blieb es seither im Besitz der Familie. 

Dem STANDARD exklusiv vorliegenden Informationen zufolge gelangt es am 8. Februar 2012 bei Sotheby‘s (London) zur Auktion. Und soll wenigstens zehn, wenn nicht 13 Millionen Dollar einspielen. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD - Printausgabe/Langfassung, 4. November 2011)

Kommentar posten
13 Postings
m kitz
00
10.11.2011, 00:08

seeufer galt nicht als verschollen sondern als unbekannt. in keiner literatur ist es erwähnt.

bitte nicht so flapsig schreiben (und recherchieren)

Schwefelmaus
00
16.11.2011, 20:44

nun - wenn dieses bild auf einem foto von 1902/03 zu sehen ist, dann kanns ja wohl kein "unbekanntes" sein - oder?
dann kann es doch zwischenzeitlich hoechstens als verschollen gelten
nur weil weidinger es in seinem buecherl nicht erwaehnt ist es noch lange nicht als unbekannt einzustufen ....

m kitz
00
17.11.2011, 11:24

dieses foto ist nicht publiziert und weder dobai noch novotny erwähnen und kannten dieses bild.
diese beiden haben DAS werkverzeichnis geschrieben, welches immer noch als standard gilt.
weidingers "werkverzeichnis" ist im prinzip nur eine neuauflage, ergänzt mit großen fotos der stocklet frieses.
in beiden werkverzeichnissen gibt es bilder, die erwähnt, aber nicht abgebildet sind und der verbleib unbekannt ist. So ein bild gilt dann als "verschollen"
seeufer ist in der tat eine neuentdeckung.

m kitz
01
9.11.2011, 18:11
immer neue rekordpreise

es ist wohl nicht so, dass sich diejenigen, die sich die bilder zu immer höheren preisen leisten können, sich das wo anders absparen müssen.
offenbar haben diese leute immer mehr zur verfügung, um immer mehr geld für ihre sammelleidenschaft auszugeben.
die preissteigerungen sind ja nicht mit der inflation zu erklären...
irgendwo muss das geld ja landen, dass uns allen fehlt...

WRN
05
4.11.2011, 08:52

99% vs 1% auch hier...
99% müssen sich am Ende des Monats überlegen woher sie das Geld für die Rechnungen nehmen sollen. Und schauen ängstlich nach Griechenland in der Erwartung eines Euro-Crashes.

Und 1% hat genug Geld um Bilder für 40 Millionen zu kaufen.

nukularteilchen
00
4.11.2011, 16:31
99% vs 1%?

Laut Handelsblatt gibt es 38 Millionen US$ Millionäre und der Wohlstand in der Mittenschicht nimmt weltweit zu, bis auf dem Westen der jetzt bei den Chinesen betteln gehen muss.

ich sag's grad raus
22
3.11.2011, 23:57
"Damit spielt er, auf höchstem Niveau."

Die Standard-RedakteurIn, nicht.

Mo Jito
20
4.11.2011, 10:06
ich sag´s auch grad raus

Standard-RedakteurIn spielt nicht. Schreibt !!
Und von Niveau zeugt Ihr posting auch nicht gerade.

Schwefelmaus
30
4.11.2011, 10:04
haeh?

kommt da noch eine rechtfertigung oder erlaeuterung fuer diese einschaetzung oder war's das ...?
falls nicht, finde ich derlei irgendwie entbehrlich - denn welchen nutzen soll so eine Rueckmeldung haben - fuer Leser dieses Artikels.... oder die poster-community

skip intro
02
4.11.2011, 12:12

Ist selbsterklärend. Aber nur für Menschen, die eine Ahnung von korrekter Beistrichsetzung haben.

Leave me to my enemy's dreams
31
4.11.2011, 15:51
Wechselgeldzähler, alle miteinander!

"...Er gilt nicht nur als Starauktionator, er ist es. Mit der Intensität seiner Gesten. Den zeitlich perfekt eingestreuten Sprüchen. Und vor allem Dank seiner Souveränität. Damit spielt er, auf höchstem Niveau. Ach ja, und er tut es im Namen von Sotheby's."

So, liebe Kontextfreunde:
Möglichkeit a)
"Mit den zeitlich perfekt eingestreuten Sprüchen/Mit seiner Souveränität spielt er, auf höchstem Niveau."
Möglichkeit b)
"Mit den zeitlich perfekt eingestreuten Sprüchen/Mit seiner Souveränität spielt er. Auf höchstem Niveau."

Beide Varianten sind völlig in Ordnung.
Beistrichsetzung verstanden?

Kontext, und so.
Kontext. Und so.

Schwefelmaus
30
4.11.2011, 12:53
aha, ein/e lehrer/in .... Punkt

selbsterklaerend? also sonst geht es bei postings eher um I N H A L T E

Niveaulosigkeit zu unterstellen, weil ein Beistrich als (selbsterklaerendes!) Stilmittel verwendet wurde?
Jessas.
Dann moechte ich jetzt nicht wissen, was ein Punkt ausgeloest haette ;-) Bei. Der. Rechtschreibpolizei.

skip intro
00
4.11.2011, 19:06

Sie wollten eine Erklärung, ich gebe sie Ihnen und jetzt beflegeln Sie mich? Seltsam, seltsam. Von Niveau habe ich übrigens nie nichts gesagt.

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