Einladung zur Wiederentdeckung einer der Zentralfiguren der Kinogeschichte
Wien - Mit "Carl Theodor Dreyer. Das Gesamtwerk" ehrt das Wiener Filmmuseum von 4. bis 30. November einen der großen, enigmatischen Innovatoren des
Weltkinos - eines dänischen Regisseurs, der in Fachkreisen höchstes Ansehen genießt und dessen
Bilder Generationen von Filmemachern beeinflusst haben, dessen Werk beim breiten
Publikum jedoch noch einer Wiederentdeckung harrt.
Im Filmmuseum hat man sich für die Personale mit dem Dänischen
Filminstitut (DFI) zusammengetan, das die meisten der insgesamt
lediglich 14 Spielfilme bewahrt, die Dreyer (1889 bis 1968) in 45
Schaffensjahren fertiggestellt hat. Entsprechend wird die bis 30.
November dauernde Rückschau von Vorträgen, Einführungen und der
Präsentationen aus dem Umfeld des DFIs begleitet.
Als Höhepunkte dürfen die Dreyer'schen Hauptwerke "La Passion de
Jeanne d'Arc" (1928), "Vampyr" (1932) oder "Gertrud" (1964) gelten,
die jeweils mehrfach gezeigt werden und die radikale Ästhetik des
Regisseurs unterstreichen: Lange, präzise choreographierte
Einstellungen in Kombination mit einer ebenso abstrakten wie rasanten
Montage.
Bereits mit seinem Debüt "Präsidenten" (1919) verweigerte sich der
bis dahin als Journalist, Kritiker und Drehbuchautor arbeitende
Dreyer den vorherrschenden Tableuxkompositionen und wandte sich dem
Schnitt zu. Mittels radikal reduziertem Dekor entwickelte Dreyer eine
geometrische Klarheit, unterstützt von konziser Lichtführung mit
harten Schatten und unterfüttert von Innovationen bei der
Kameraführung.
Neben den großen Werken, in denen thematisch die Rastlosigkeit der
Figuren und die Gewissensfragen dominieren, offenbaren sieben
Kurzfilme aus den 1940ern und 50ern weitere Facetten hinter dem kanonisierten Bild des auratischen Filmemachers. Mit "Cineastes de notre
temps", 1965 von Eric Rohmer realisiert, und "Carl Th. Dreyer: Min
metier" aus 1995 runden zwei Dokumentationen die Werkschau im
Filmmuseum ab. (APA)