Post-Chef lädt zu Gesprächen

3. November 2011, 16:05
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Der Arbeitskonflikt bei der Österreichischen Post ist fürs erste abgewendet, Georg Pölzl lädt die Gewerkschaft zu Gesprächen

Wien - Der angedrohte Streik bei der Österreichischen Post findet vorerst nicht statt. Postchef Georg Pölzl hat heute in einem Offenen Brief der Postgewerkschaft Gespräche für kommenden Montag, den 7. November, angeboten, bis dahin verzichtet die Belegschaftsvertretung auf Proteste. Sollten die kritisierten Punkte nicht rasch angegangen werden, steht ein Streik jedoch wieder im Raum, warnte Gewerkschaftschef Helmut Köstinger. "Papierln lassen wir uns sicher nicht", meinte er.

Wesentliche Punkte des Forderungskataloges der Postgewerkschaft sind ein Stopp der Mitarbeitergespräche mit jenen Kollegen, die das Unternehmen angeblich loswerden will, ein Stopp der Frühpensionierungen gegen den Willen der Postler, ein Stopp der Auslagerungen und mehr Personal sowie eine Abgeltung drohender Einkommensverluste. Außerdem müsse der Umgang des Managements mit den Untergebenen "menschlicher" werden. Die Postgewerkschaft hatte vorige Woche eine Streikfreigabe beim ÖGB beantragt und diese heute erhalten. ÖGB-Präsident Erich Foglar meinte heute, es ist inakzeptabel, ältere Beschäftigte aus den Unternehmen zu drängen.

Kein Mobbing

In dem Offenen Brief hielt heute Pölzl fest, dass bei der Post keine Mitarbeiter gemobbt werden, aber das Leistungsprinzip herrsche. "Wir bekennen uns klar zu einer Leistungskultur. Leistungsorientierung und Wertschätzung stehen in keinerlei Widerspruch zueinander", so Pölzl in dem Schreiben. Weiters heißt es: "Wir halten ausdrücklich fest, dass keine Kündigungswelle vorbereitet wird." Zum Vorwurf der zwangsweisen Frühpensionierungen merkte der Postchef an: "Das Gesetz sieht bei einer dauernden Dienstunfähigkeit die Versetzung des Beamten in den Ruhestand - von Amts wegen oder auf seinen Antrag - vor. (...) Ein Handlungsspielraum seitens des Unternehmens besteht aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen dabei nicht."

Beim Konfliktthema Outsourcing gibt sich Pölzl kulant: "Wir halten nochmals ausdrücklich fest, dass generelle Auslagerungen von Tätigkeiten oder Betriebsteilen an die Feibra oder andere Privatfirmen nicht angestrengt werden." Im Gespräch mit der APA betonte Pölzl, dass die Post und die Post-Tochter Feibra "bewusst unabhängig" am Markt operieren und die Feibra im Postbereich nur herangezogen werde, wenn Spitzenzeiten abgedeckt werden müssten.

Zu den Forderungen nach einer Weiterentwicklung des Kollektivvertrages gab er sich hingegen zugeknöpft: Darüber könne man zwar gerne reden, Verbesserungen müssten aber leistbar sein. Reallohnkürzungen werde es jedenfalls nicht geben.

Pölzl erwartet, dass ein Gutteil der Konfliktthemen rasch abgearbeitet werden können. Viele Bereiche würden ohnehin im täglichen Geschäft besprochen und verbessert.(APA)

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