Parkpickerl: Stadt will Ausweitung für alle Wiener Bezirke

3. November 2011, 15:04
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Laut einer Studie seien die Parkplätze in vielen Bezirken außerhalb des Gürtels voll ausgelastet

Wien - Überall dort, wo es in Wien bisher kein Parkpickerl gibt, herrscht Handlungsbedarf. Das ist die Kernaussage einer aktuellen, von der Stadt in Auftrag gegebenen Studie, die am Donnerstag Medienvertretern präsentiert wurde. Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou sprach von einer derzeit "dramatischen Überparkung" in vielen Bezirken außerhalb des Gürtels. Die Studie spreche eine "eindeutige Sprache": "Alle Wege führen zum Parkpickerl."

Laut Studie sind bereits sechs Bezirke - Meidling, Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring, Hernals und Währing - vollausgelastet. Sprich: Die verfügbaren Parkplätze sind zu mehr als 85 Prozent belegt. Alle anderen Bezirke würden sich dieser Grenze bereits nähern, hieß es. Eine 100-prozentige Auslastung ist insofern eine eher theoretische Zahl, da hier alle Fahrzeuge sozusagen Stoßstange an Stoßstange parken müssten. Würde ein Parkpickerl flächendeckend in den Bezirken 10 bis 19 eingeführt, hätte das zur Folge, dass die Nachfrage nach Stellplätzen um 35 Prozent abnimmt, sagen Modellrechnungen.

Insellösungen

Geprüft wurden auch Insellösungen für Floridsdorf, die Donaustadt und Liesing. Hier gibt es den Studienautoren zufolge ein Reduktionspotenzial von rund 40 Prozent. Vassilakou und der SPÖ-Verkehrssprecher Karlheinz Hora wiesen allerdings darauf hin, dass Insellösungen für die West-Gürtelbezirke keinesfalls sinnvoll seien, da dies lediglich einen Verdrängungswettbewerb zur Folge hätte.

Vassilakou kündigte an, dass die ersten Ausweitungsschritte beim Parkpickerl aller Voraussicht nach bereits im September 2012 erfolgen könnten. Die neuen gebührenpflichtigen Zonen würden dabei den jetzt gültigen Bedingungen unterliegen. Das bedeutet, dass diese sich etwa in Sachen Preis und Geltungsdauer an den bereits existierenden Parkpickerlbereichen orientieren würden.

Bezirke sollen noch 2011 entscheiden

Überlegungen zu preislichen Staffelungen, wonach das Pickerl desto billiger wäre, je weiter das Areal vom Stadtzentrum entfernt ist, habe es zwar gegeben, "aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegt kein solcher Vorschlag auf dem Tisch", sagte Vassilakou. Die Ressortchefin erwartet sich von den Bezirken noch im heurigen Jahr eine "grundsätzliche Entscheidung", ob sie das Pickerl wollen oder nicht. Sollte ersteres der Fall sein, soll bis Mitte nächsten Jahres feststehen, welche Grenzziehungen die einzelnen Bezirke wünschen.

Hora teilte den anwesenden Journalisten mit, dass der 15. Bezirk seinen Wunsch nach einem flächendeckenden Pickerl bekräftigt habe. Sollten sich ein Bezirk westlich des Gürtels dagegen entscheiden, "muss er die Verantwortung dafür übernehmen, was auf ihn zukommt", stellte er klar. Für das Wiener Budget bedeutet jedes "Ja" klarerweise ein Plus auf der Habenseite: Im Fall einer wienweiten Einführung seien Mehreinnahmen für die Stadt in der Höhe von bis zu 50 Mio. Euro durchaus realistisch, hieß es.

Beratungen mit Niederösterreich

Laut Vassilakou steht es den Bezirken frei, die Anrainer mittels Befragung in die Entscheidung miteinzubeziehen. In diesem Falle werde man auch dafür sorgen, dass die Bewohner über die jeweiligen Auswirkungen informiert werden. Hora versicherte, dass die Bezirke in den kommenden Wochen und Monaten über ihre jeweilige Situation ausführlich durch die Magistratsabteilung 18 (Stadtplanung) beraten werden. Lösungskonzepte für die ansässigen Wirtschaftstreibenden sowie eine strategische Neuaufstellung des Garagenprogramms sollen dabei ebenfalls einfließen.

Außerdem will sich die Verkehrsstadträtin weiterhin mit dem Land Niederösterreich über neue Park-and-Ride-Anlagen außerhalb der Stadtgrenze sowie über Intervallverdichtungen bei der S-Bahn ins Umland beraten. Denn die Studie zeigt auch: Durchschnittlich ein Viertel der untersuchten Parkflächen in der Bundeshauptstadt sind mit Pkw verstellt, die kein Wiener Kennzeichen haben.

Dass die Einführung zusätzlicher Stellgebühren grundsätzlich nicht unbedingt jubelverdächtig ist, räumte Vassilakou selbst ein: "Die Begeisterungsfähigkeit für das Parkpickerl sei dahingestellt." Es handle sich hier allerdings um eine "zentrale Verkehrslenkungsmaßnahme", welche die Lebensqualität und die Situation für die Umwelt verbessern sowie die Stauproblematik mindern würde. (APA)

  • In Rudolfsheim-Fünfhaus etwa, seien mehr als 85 Prozent der Parkplätze belegt.
    foto: derstandard.at/blei

    In Rudolfsheim-Fünfhaus etwa, seien mehr als 85 Prozent der Parkplätze belegt.

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