Gedenken an braune Turner

3. November 2011, 19:04
  • Artikelbild
    foto: apa-foto: ulrike breit

    Stein des Anstoßes: die Totentafel zu Füßen der Jahn-Büste.

Nazi-Totentafel ein Fall für die Linzer Stadtpolitik

Linz - Wenn es nach dem Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SP) ginge, würde die Totengedenktafel "einfach nicht mehr aufgestellt". Nachforschungen des Stadtarchivs haben ergeben, dass auf jener Tafel zahlreiche Nationalsozialisten verewigt wurden. So finden sich neben den Namen von Opfern aus dem Ersten Weltkrieg auch 55 Namen von Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Mehr als die Hälfte dieser Toten war zu Lebzeiten entweder bei der NSDAP, Mitglied der SS oder SA, berichtet der Bürgermeister.

Anfang der 1960er-Jahre hatte der Österreichische Turnerbund (ÖTB) die Tafel am Fuße der Turnvater-Jahn-Büste im Linzer Volksgarten angebracht. Im Zuge des Neubaus des Linzer Musiktheaters gegenüber dem Volksgarten muss auch der Park umgestaltet und Denkmäler versetzt werden. Dabei erteilte der Bürgermeister - die Stadt ist Eigentümerin der unter Denkmalschutz stehenden Jahn-Statue - dem Archiv den Rechercheauftrag. Der Historiker und Leiter des Archivs, Walter Schuster führte die Erhebung durch.

Bereits 1905 wurde die Jahn-Büste im Volksgarten errichtet. In Folge sei das Denkmal mehrmals umgestaltet worden. "1956 findet sich in den 'Mitteilungen der Turngemeinde Jahn, Linz' der Hinweis, dass man an die Anbringung einer Gedenktafel für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Turner denkt", berichtet Schuster. Jene 55 Tote versuchte er zu identifizieren. Dabei habe sich herausgestellt, dass 29 von ihnen "nationalsozialistisch belastet" waren.

Noch kenne das Bundesdenkmalamt das Gutachten nicht, erklärt Klaus Kohout vom Landeskonservatorat Oberösterreich. Grundsätzlich wolle man aber ein Gespräch mit dem Eigentümer führen. Ob die Tafel entfernt wird, könne er derzeit genauso wenig entscheiden wie Dobusch. Der Bürgermeister wird damit den Stadtsenat befassen. (ker, DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 252
1 2 3 4 5 6
Nikolaus Strobl
 
01
Eine Totengedenktafel

ehrt oder wertet nicht. Es geht um verstorbene, bei Kriegerdenkmälern oft auch um verschollene, Personen die man nicht vergessen möchte.

Menschen auf ihre Parteizugehörigkeit zu reduzieren ist kein Zeichen von Menschlichkeit sondern von Intoleranz und totalitärer Gesinnung.

Der Waehlerwille
 
00
Genau das tun aber diejenigen die die Tafel aufstellten ..

Der Almrausch
00
1.12.2011, 19:07
Geht es hier um Nazis, oder geht es ums Turnen?

Mir wäre recht es würde das Letztere einmal wenigstens versucht werden aufzuarbeiten.
Das scheint jedoch (leider) immer noch weit fern zu liegen, also werden es wieder nur die personellen Nazis. Warum die beim "Turnvater" überhaupt so dabei sind erst gleich gar nicht gefragt werden...

Der Waehlerwille
 
10
korrekt.

Das Thema Turnvater Jahn ist nach wie vor kaum aufgearbeitet.

Siehe das Turnerzeichen ... nur so für den Anfang :-/

gas karl
02
10.11.2011, 17:31
das ist überraschend

beim Turnerbund sollten mehr als 50% zu finden sein

Mostbluzza
10
15.11.2011, 14:23
und die restlichen 50%

turnen nicht?

Animation
 
00
29.1.2012, 16:20
turnen als ideologie!

die einen ja, die anderen nein.

opryde
11
8.11.2011, 16:57

ah, der positiv-revisionismus geht weiter! schön brav die eigene vergangenheit wegleugnen, das ist das neue "niemals vergessen!".

Der Waehlerwille
 
30
15.11.2011, 17:32
es ist also OK Nazis zu ehren?

na Sie sind mir einer ...

Jülyet Ksantopulo
11
10.1.2012, 09:28

Man kann ehren wen man will

karnickel
13
9.11.2011, 23:12

Wenn man aufhört, tote Nazis zu ehren, ist das Revisionismus? Hör'n S' auf...

Resi Stance1
30
6.11.2011, 00:42
Auseinandersetzung mit Jahn am "Antinationalfeiertag"

Es gab anscheinend anlässlich des 26.10 bereits kritische Auseinandersetzung mit dem Jahn-Denkmal im Volksgarten in Linz: Ein "antinationaler Stadtspaziergang machte auf mehrere problematische Denkmäler aufmerksam.
http://antinationalfeiertag.wordpress.com/

Jo Broz
31
4.11.2011, 16:00
Das Denkmal in Linz ist ein gutes Beispiel wie im Nachkriegsösterreich mit der

eigenen Verantwortung im NS-Staat umgegangen wurde - Im September 2011 ist ein Buch herausgekommen das ich hier empfehlen möchte: "Friede, Freude, deutscher Eintopf" - hier wird durch das Brennglas Kärnten/Koroska und da über den berüchtigten Ulrichsberg die österreichische Geschichts- & Gedenkpolitik einer Analyse unterzogen.

siehe dazu: http://www.u-berg.at/

Thomas Blattl
22
4.11.2011, 15:13
VAE VICTIS!

Das lateinische "Vae victis!" bezog sich offenbar auf die Überlebenden eines verlorenen Krieges, jetzt gilt das offenbar auch für die Gefallenen.

O tempora! O mores!

Luky Pozzo
22
17.11.2011, 15:18

Diese nationalsozialistischen Gefallenen haben sich als SS-Leute und NSDAP-Funktionäre in den widerlichsten und grausigsten Verbrechen gefallen - und haben daraus sogar eine Pose gemacht.

Ihre Freude am Lateinischen hat sich ein anderes Objekt verdient.

ganzsichernicht
 
00
4.11.2011, 13:55
und: jetzt einen terz zu schlagen, wg einem hundepissstein, ist gänzlich überzogen:

immerhin wurde mit dem standort des theaters hitlers wunsch nachgekommen, ebendies genau auch dort hinzustellen...aber dieses völlig unerwartete kriegsende, hat ihm dabei einen strich durch die rechnung gemacht.

ganzsichernicht
 
33
4.11.2011, 12:48
burschenschaften aufgrund paragraph 278 durchleuchten! DAS würde helfen!

john.carter.denton
12
4.11.2011, 15:19

traut sich ja niemand. am beispiel uwe sailer sieht man ja, was rauskommt, wenn man sich ernsthaft mit denen oder derer mitglieder anlegt.

der paragraph ist nunmal nicht dafür gedacht, echte terroristen zu verfolgen.

Karl Buschina
20
4.11.2011, 12:43
Mühsam ernähren sich die Mistkäfer.,.

Herzerzog Johann
06
4.11.2011, 12:41
Noch schlimmer:

Auf diesen Tafeln sind 100% Männer ...

sandra sauer
20
4.11.2011, 11:28
die Namen auf der Tafel

kann man die namen irgendwo nachlesen? würde mich interessieren, weil mein grossvater einer dieser turner war, aber sozialist - er wurde gegen ende des krieges - beinahe wie in einem schlechten film - verhaftet, als er zigaretten kaufen ging. dann ins KZ.

bildungsferneschicht
18
4.11.2011, 11:12
katholiken im vatikan gefunden ,

hätte die gleiche aussagekraft.

wenns nachdem ginge,dürfte in österreich mehr kein einziges kriegerdenkmal stehen.auch keine gefallenenliste irgendwo.
also,nicht päpstlicher sein als der papst.

john.carter.denton
11
4.11.2011, 15:21

ich seh auch keinen grund dafür, eine gedenktafel für kriegstreibende aufzustellen.

ei padauz
67
4.11.2011, 12:21

"wenns nachdem ginge,dürfte in österreich mehr kein einziges kriegerdenkmal stehen", und das wäre auch richtig so.

Jülyet Ksantopulo
00
10.1.2012, 09:33

Sie schockierent mich.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 252
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.