"Hilferuf" des Josefstadt-Theaters

3. November 2011, 13:09
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Trotz Zusatzsubventionen drohen Personalabbau und Ausgliederungen

Wien - Neue finanzielle Turbulenzen im Theater in der Josefstadt: Nachdem am 28. Oktober die laut Betriebsräten "geschockte" Belegschaft von Stiftungspräsident Günter Rhomberg, Direktor Herbert Föttinger und dem kaufmännischen Leiter Alexander Götz darüber informiert wurde, dass Kollektivvertragserhöhungen ab 2012 "aus dem laufenden Budget nicht zu finanzieren" seien, sendet das Führungstrio des Theaters über ein Interview mit dem "Kurier" vom Donnerstag einen "Hilferuf" an die Subventionsgeber: "Wenn wir nicht bedeutend mehr Geld bekommen, kann der nächste Schritt nur Personalabbau sein. Dann müsste man alle möglichen Abteilungen infrage stellen oder ausgliedern. Dafür sind wir nicht angetreten", so Rhomberg.

Eine von der Stadt Wien zugesagte Zusatzsubvention von jährlich 380.000 Euro "wird die kollektivvertragliche Erhöhung, die nichts anderes als die Indexanpassung der Löhne ist, nicht abdecken können, zumal sich die Summe jährlich wiederholt bzw. sogar um die neue Indexanpassung erhöht", rechnet Josefstadt-Betriebsratsvorsitzender Claudio Hiller vor. "Das Volumen macht in Summe vorveranschlagte Euro 2,1 Millionen für den Zeitraum 2013/14/15 aus." Noch höher setzt Rhomberg im "Kurier" die benötige Summe an: "Bis 2015 fehlen 2,3 bis drei Millionen. Das ist uneinspielbar." Man habe "bewiesen, dass man einsparen kann, ohne die Qualität zu verringern - eine gewisse Zeit lang. Dann geht es an die Substanz."

Im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny  verwies man gegenüber der Zeitung auf die "Kraftanstrengung" der Zusatzsubvention und weitere 500.000 Euro, die es 2012 für die Entschuldung nach dem Umbau gebe: "Mehr ist nicht möglich." Die Betriebsräte appellieren unterdessen an die Kulturpolitiker, "Subventionsprobleme nicht auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuspielen".

Von den finanzielle Probleme früherer Jahre sei man allerdings "Lichtjahre entfernt", sagt Alexander Götz: "Das waren Schulden, die wir uns zum Teil auch vielleicht selbst erarbeitet haben. Jetzt haben wir ein saniertes Haus, einen sanierten Betrieb." Und Föttinger: "Ich muss mich niemandem erklären. 'Könnten Sie es auch billiger machen?', ist eine schlechte Frage. Darum geht es überhaupt nicht! Es geht nur darum, wie man die Qualität dieses Hauses steigern kann. Und nach fünf Jahren erwarte ich von meinen Kulturpolitikern, dass sie sich viel mehr für dieses Haus einsetzen. Daher bin ich sehr traurig, dass ich mich in einer guten Position verteidigen muss."

2012 könne man "noch betrieblich lösen" sagt Götz, über Einschnitte bei ausbleibenden Subventionserhöhungen "will ich gar nicht nachdenken. Aus", meint Föttinger. "Aus" sagen offenbar auch die Aufsichtsräte des Theaters, wie Rhomberg zu erkennen gibt: "Im Aufsichtsrat haben wir Juristen, die geben Beschlüssen für die Zukunft des Theaters keine Zustimmung mehr. Aus Angst vor Organhaftung."  (APA)

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