Die rechte Clavicula des DFB-Rekord­meisters

3. November 2011, 12:51
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Bayern München muss bis Jahre­sende ohne Schweinsteiger aus­kommen, er erlitt Schlüssel­bein­bruch. Hoeneß spricht seinem schockierten Gefolge Mut zu

München - Es war nicht unbedingt das Schlüsselbein der Nation, das am Mittwochabend gegen 22 Uhr in der Allianz Arena zu München brach. Eine der wichtigsten Claviculae des deutschen Rekordmeisters FC Bayern war es aber bestimmt. Nicht anders war der dramatische Rückfall der Mannschaft nach Bastian Schweinsteigers Verletzung in der 51. Minute des Heimspiels zur Champions League gegen den SSC Napoli zu erklären, nicht anders die allgemeine Betroffenheit danach. "Wir waren geschockt", bekannte Stürmer Mario Gomez, der seinen letztendlich den 3:2-Erfolg sichernden Hattrick vor der Pause nur höchst verhalten feierte.

Trainer Jupp Heynckes war "getroffen". "Das tut weh", klagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und meinte eher nicht den Schmerz, der Schweinsteiger nach dem Luftduell mit Napolis Schweizer Teamkapitän Gökhan Inler quälte. Schweinsteiger wurde noch in der Nacht auf Donnerstag in der Klinik Rechts der Isar operiert, das nahe des Schultereckgelenks gebrochene rechte Schlüsselbein mit einer Platte und Nägeln stabilisiert. In diesem Jahr wird der 27-Jährige nicht mehr das Spiel der Bayern aus dem defensiven Mittelfeld heraus lenken. Dass das seine Ersatzleute - der Ukrainer Anatolij Timoschtschuk oder der Brasilianer Luiz Gustavo - ähnlich effizient erledigen können, wird stark bezweifelt.

Schweinsteigers Hochform trug viel dazu bei, dass die Bayern in dieser Saison von 19 Pflichtspielen bei 15 Siegen und zwei Remis erst zwei verloren und die letzten neun daheim en suite gewonnen haben. Bis Weihnachten stehen noch neun Partien aus, darunter das Liga-Heimduell mit Meister Borussia Dortmund und die beiden restlichen Spiele in der Champions League, die allerdings für das Erreichen des Achtelfinales insgesamt nur einen Punkt abwerfen müssen.

Einen emotionslosen Blick auf das Restprogramm bis Jahresende legte auch Präsident Uli Hoeneß nahe, der Schweinsteigers Ausfall zwar ebenfalls als schlimm bezeichnete, den "Aufschrei, der jetzt durch Deutschland geht", aber nicht nachvollziehen konnte. "Einen Spieler wie Schweinsteiger kann man nicht eins zu eins ersetzen, dafür ist er zu wertvoll, auch von seinen Führungsqualitäten her. Aber wir reden hier jetzt über sechs Wochen bis Weihnachten." Diese Zeitspanne könne der Rest des Kaders, also auch der Österreicher David Alaba, der gegen Napoli knapp an seinem ersten Treffer in der Champions Leage dran war, nach Hoeneß' Meinung schon auffangen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 4. November 2011, sid, lü)

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    Bastian Schweinsteiger hält sich auf dem Weg in die Klinik Rechts der Isar die rechte Schulter. Sein gebrochenes Schlüsselbein wurde mittels Plattenosteosynthese versorgt.

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