Wir brauchen nicht nur gute Ideen - wir brauchen Kapital!

Leserkommentar2. Oktober 2012, 13:14
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Ein sehr persönliches Plädoyer an Menschen, die sich was trauen und Mut beweisen. Menschen die Ideenumsetzungen ermöglichen!

Endlich passiert etwas. Ideen und Innovationen stehen im Fokus. Praktisch jede Woche finden Veranstaltungen unter diesem Motto statt. Dabei spricht aber keiner vom dafür notwendigen Kapital.

Ein Umstand der mich sehr irritiert. Wir, die „Kreativen" sitzen wieder einmal in einem fast hermetisch abgeschlossenen Bereich und bestärken sich gegenseitig, dass Ideenentwicklung und Mut Voraussetzungen sind um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Maximal schaffen wir es noch uns mit Betrieben zusammen zu setzten, die handwerklich und technisch die Voraussetzungen haben die Ideen in eine Form zu bringen. Toll! Gratulation, gut gemacht! Das ist doch bitte kein neuer Trend! Ohne Ideen und Kreativität wären wir heute nicht da, wo wir sind! Aber keiner spricht dabei von Geld und dem Mut in neue Projekte zu investieren. Keiner lädt Kapitalgeber und Investoren zu den Diskussionen ein und das ist ein Fehler.
Ich spreche in diesem Zusammenhang aus Erfahrung. Immer wieder klopfen innovative Köpfe mit sehr guten und zum Teil ausgereiften Ideen an die Türe meiner Agentur. Alle sind auf der Suche nach Partnern, die ihnen dabei helfen, das Projekt umzusetzen. In den vergangen drei Jahren konnten jedoch knapp 10 Ideen, aus Kapitalmangel nicht umgesetzt werden!

Und weil Kreativität durch Mangel entsteht,
kommen viele Ideen selten aus Werkstätten, die mit Kapital gesegnet sind. Kreatives Potenzial entwickelt sich im Ursprung nur in einem Stadium des Mangels. Mangel auf unterschiedlichen Ebenen. Der Mangel, das es etwas noch nicht gibt, der Mangel, dass Vorhandenes nicht den notwendigen Anforderungen entspricht oder dem Mangel an Kapital, der Menschen dazu bringt, sich eine Möglichkeit zu überlegen, mit der sich Geld verdienen lässt.

Kein Geld, keine Umsetzung:
Ein Problem mit dem viele kreative Köpfe bei mir kommen und gehen. Durchschnittlich handelt es sich dabei um einen Kapitalbedarf von 15.000 € bis 60.000 €. Und nun haben wir eben nicht erst seit Basel 3 das Problem, dass der Markt praktisch kein Risikokapital für Investitionssummen in dieser Höhe zur Verfügung stellt. Und das vor dem Hintergrund das Banken mit 800 Mio. € Gewinn bilanzieren.
Häufig haben diese Ideen bereits fünf Kreditabsagen im Gepäck. Die Ablehnungen werden hauptsächlich mit nicht vorhandenen Sicherheiten für den Kredit argumentiert. Landesförderungen und AWS Förderungen sind praktisch unmöglich zu bekommen, wenn es keine private oder Haftung durch Banken gibt bzw. andere Formen von Sicherheit. Wenn jemand aber keinen Kredit über 15.000 € bekommt, bekommt er genauso wenig eine Haftung für diese Summe. Da beißt sich also der Fuchs in den Schwanz.
Und das ist Irrsinn. Es ist Irrsinn, dass gute Ideen mit Potenzial an einer Kapitalspritze von bis zu 60.000 € scheitern und Konzerne mit Milliarden in Konkurs gehen - finanziert von Banken!

Aus Sicht der Banken schon klar, denn Kredite bis 65.000 € bringen nun mal keine großen Zinsbeträge und sind somit viel zu aufwändig und beinhalten noch dazu das Risiko eines Verlustgeschäftes. Obwohl man weiß, dass zb. der Mikrokredit* in über 90 % der Fälle zur Gänze zurückgezahlt wird.

Dass Kreativität nicht auf Banken zählen kann ist somit fast logisch, ein Zustand, der Ideen und Innovationsumsetzungen verhindert. Also machen sich viele auf die Suche nach private Geldgebern. Aber wo soll man anfangen zu suchen? Wo findet man diese? Beim Steuerberater, beim Rechtsanwalt, in Öffis? So leicht ist es eben nicht. Und dazu geeignete Plattformen die sind leider eine Ausnahmen (zB. BusinessAngels, Tiroler Adlerrunde). Und das verschlimmert die Voraussetzungen zur Umsetzung von Ideen drastisch. Eine Zwickmühle, aus der mir bis dato niemand eine Weg zeigen konnte.

Politik gefordert
Und wieder einmal ist auch hier die Politik gefordert. Sie muss Rahmenbedingungen schaffen, um Kapitalinvestitionen für Vermögende interessant zu machen. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, Investitionskapital in neue Unternehmen und neue Ideen abschreiben zu können. Es muss ein System geben, das mutige Menschen, die an Ideen glauben belohnt. Solange sich Investitionen in Aktien, Anleihen, junge Wertpapiere und Genussscheine unterm Strich mehr rentieren als Investitionen in Neugründungen wird es keinen Kapitaltransfer auf Ideen geben.
Das sage nicht nur ich, das sagt auch die KMU Forschung Austria und die WKO. Passieren tut trotzdem wenig. Vielleicht müssen sich Kreative, Unternehmen und private Geldgeber selbständig um diese Möglichkeiten kümmern.

Fangen wir also mal klein an
und starten Diskussionen von Kreativen Betrieben gemeinsam mit Geldgebern! Ohne diese Verbindung fehlt der wichtigste Teil um die Ideen dann auch zu realisieren.


Rückfragenhinweis
Markenagentur Vielfalter e.U.
Mag. Julia Seidl
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*nur für beim AMS Registrierte oder von Arbeitslosigkeit bedrohten Personen gewährt.

 

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