TTTech

Ein Pallawatsch in der Elektronik

3. November 2011, 16:55
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    TTTech-Chef Stefan Poledna punktet mit einem Technik-Modul, das verhindern soll, dass der Volvo C30 Electric ungewollt beschleunigt.

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    Bei Unfällen tauchen mit der E-Mobilität ganz neue Probleme auf. Der TTTech-Ansatz geht allerdings dahin, dass erst gar nix passiert.

Was in der Unterhaltungs-Elektronik höchstens Ärger verursacht, kann im Automobil gefährlich werden. Ein Wiener Elektronikunternehmen steuert dagegen

Schon die zunehmende Elektrifizierung des Antriebsstrangs erfordert gezielte Bemühungen, um die Sicherheit von Automobilen zumindest in gewohnter Form zu gewährleisten und tunlichst auch weiter zu verbessern. Genauso gilt das für die Elektromobilität. Nicht dass der elektrische Strom jetzt grundsätzlich gefährlicher wäre als Benzin, das lässt sich so einfach nicht bewerten, aber die Elektrizität verlangt immerhin einen klugen Umgang - und Menschen, die sich damit auskennen. Und die standen bisher in der Autobranche eher im Hintergrund.

Mit der Vermehrung von Elektrotechnik und Elektronik im Auto ergeben sich ganz neue Herausforderungen in Sicherheitsfragen, und zwar auf ganz breiter Ebene. Dass die Fahrgäste von Hochspannungskabeln und Bauteilen fern gehalten werden, versteht sich von selbst. Dafür gibt es auch gesetzliche Regeln. Doch schon bei der Herstellung der Fahrzeuge sollte nichts passieren und natürlich auch nicht in der Werkstätte.

Das lässt sich mit entsprechenden Produktionsabläufen und Schulungsprogrammen gewährleisten. Auch die geräuschlose Bewegung im elektrischen Betrieb wird vielfach als Unfallquelle gesehen, doch hier gehen die Meinungen weit auseinander. Klar ist: Bei einem Unfall muss der Strom sicher ausgeschaltet werden. Auch dafür, dass Autos mit elektrischem Antrieb in Sachen Betriebssicherheit einwandfrei arbeiten, gibt es inzwischen Vorschriften. Die müssen aber oft erst durch entsprechende technische Maßnahmen erfüllt werden.

Ein konkretes Beispiel: Einem Benzinmotor muss man bloß Luft und Sprit geben, damit er schneller läuft. Bei einem Diesel ist es schon umgekehrt: den muss man gewissermaßen mehr oder weniger würgen, damit er nicht gleich zur Höchstleistung aufläuft, bis es ihn am Ende zerreißen würde.

Die nächst Steigerungsstufe ist der Elektromotor. Er benötigt eine sehr komplexe Steuerung, damit er genau das macht, was der Fahrer via Gaspedal als Wunsch bekannt gibt. Da ist aber noch etwas: Keinesfalls und niemals im Leben darf die elektronische Steuerung völlig außer Kontrolle geraten.

Notfalls ganz runterfahren

Genau für diesen Zweck baut das österreichische Elektronikunternehmen TTTech ein spezielles Modul, das im Falle eines Elektronik-Pallawatschs den Antrieb sicherheitshalber ganz runterfährt. Im Falle des Volvo C30 Electric ist dies ein eigenes Bauteil. Genauso kann diese Funktion auch mit anderen elektronischen Elementen verbaut werden. Anderes Beispiel: Mit einer zusätzlichen elektrischen Antriebseinheit an der Hinterachse lässt sich gut ein Hybridantrieb realisieren, sie stellt natürlich auch eine große Herausforderung für die verlässliche elektronische Steuerung dar.

TTTech wurde vor mehr als zehn Jahren von Hermann Kopetz gegründet, ein Pionier besonders zuverlässiger zeitgesteuerter Computersysteme. Inzwischen haben Elektroniksysteme ganz allgemein einen enormen Entwicklungsschub erlebt, und TTTech konnte sich in der Autoindustrie einen guten Namen machen, nicht zuletzt wegen der Implementierung zeitgesteuerter Systeme. Daher auch der Name TTTech (Time Triggered Technology). Unter anderem werden TTTech-Lösungen zur Optimierung der Datenkommunikation im aktuellen Audi A8 eingesetzt. Mittlerweile ist das Unternehmen eine AG, hat 220 Mitarbeiter und arbeitet nicht nur für die Autoindustrie.

Auch Branchen mit besonders hohem Sicherheitsbedürfnis sind unter den Kunden. So ist die Elektronik von TTTech bei der neuen Boeing 787 für das Energiemanagement an Bord zuständig. Ste- fan Poledna, Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender von TTTech: "Das Netzwerk mit 60 Knoten verwaltet eine Leistung von 1,5 Megawatt." Der höchste Sicherheitslevel ist auch bei der NASA Standard, "wo wir für die Nervenzentrale, also die Vernetzung der Computersysteme des Space-Shuttle-Nachfolgers, verantwortlich zeichnen."

Redundante fehlersichere Systeme sind mittlerweile auch bei Windkraftwerken gefragt. Reparaturen und Stehzeiten kommen sonst einfach zu teuer. Die aktuellen Auftraggeber aus der Autoindustrie werden nicht so gerne genannt, aber so viel lässt Poledna durchblicken: "Die Elektroversion des Supersportwagens Artega bekommt fünf Steuergeräte von TTTech und sollte damit in der Lage sein, alle bisherigen Beschleunigungsrekorde von käuflich erwerbbaren Elektrofahrzeugen zu brechen."

Während also andere von Krise reden, erwartet TTTech-Chef Stefan Poledna ein Umsatzplus von 50 Prozent. Um den Wachstumsschub zu bewältigen, sucht er 35 hochqualifizierte und hochmotivierte Software- und Hardware-Entwicklungsingenieure. Es dürfen auch Ingenieurinnen sein. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/04.11.2011)

Kommentar posten
21 Postings
Pogled
00
4.11.2011, 22:46
Dieselmotoren würgen ?

Habe seit mehreren Jahrzehnten mit Dieselmotoren beruflich und privat zu tun.
Habe jedoch noch keinen erwürgt um ihn an der Selbstzerstörung zu hindern.
Es hat bis jetzt immer gereicht, ihm keinen Diesel einzuspritzen.

RFD
00
7.11.2011, 15:08
Sie haben recht.

Gewuergt wird nur der Benziner (ueber die Drosselklappe oder die vollvariable Ventilsteuerung = Quantitaetsregelung). Der Diesel saugt immer die maximal zur Verfuegung stehende Menge an Luft an und die Leistungsregelung erfolgt ueber die eingespritzte Menge an Diesel ( = Qualitaetsregelung)

ultrakarmingrau
01
4.11.2011, 18:44
"ganz neue Herausforderungen" ?

Die Eisenbahn benutzt elektrische Antriebe seit mehr als 100 Jahren ...

Walter Kaiser.
00
Und wieviel Elektronik ist seit 100 Jahren im Spiel?

Otto Ottinger
 
00
4.11.2011, 17:50
automobilzulieferer? ... ich hab vermutet die stellen brustimplantate her.

dann werd ich meine aktien wohl verkaufen!

Fantastic Fox
02
3.11.2011, 22:39
Stefan Poledna

war der beste Vortragende, den ich auf der TU jemals hatte.

Seine "Fault Tolerant Systems"-Vorlesung kann ich heute noch auswendig nachbeten. Hat mir im - mittlerweile EDV-fernen - Berufsleben viel gebracht und hilft mir immer noch sehr gut dabei, abzuschätzen, wie robust ein Konzept wirklich ist.

Toller, sehr gescheiter Typ, dem ich den Erfolg mit TTTech voll gönne.

kapitel3
31
3.11.2011, 23:33
Denke das ist ein Schritt in die falsche Richtung.

Meiner Meinung nach wäre es besser, mit weniger Elektronik auszukommen. Stattdessen geht die Forschung leider in die umgekehrte Richtung.

Umso mehr Komponenten in einem Auto verbaut werden, umso mehr kann ausfallen. Heutzutage ist schon jeder zweite Störfall ein Elektronikfehler.

Weniger ist halt oft mehr.

jake & elwood
00
5.11.2011, 14:20

Früher war alles besser, auch die Autopannen.

Fantastic Fox
10
4.11.2011, 09:26
Was fahren Sie denn

für ein Auto, wo, wie und wieviel?

Der Mann
11
4.11.2011, 13:56
was

geht sie das an?

der poster hat recht - weniger ist mehr.

Walter Kaiser.
00
Was geht Sie das an, was es ihn angeht?

Fantastic Fox
01
4.11.2011, 14:55
Das sage ich meinen Mitarbeitern

bei Gehaltsverhandlungen auch immer.

Davon wird's allerdings nicht unbedingt wahrer.

Trevor Goodchild
11
5.11.2011, 19:38
Wow,

gaanz ein lustiger, und soo geistreich....

Das scheue Reh
00
3.11.2011, 20:22
Parkschwein
17
3.11.2011, 18:35

"Die nächst Steigerungsstufe ist der Elektromotor. Er benötigt eine sehr komplexe Steuerung, damit er genau das macht, was der Fahrer via Gaspedal als Wunsch bekannt gibt"
das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, v.a. wenn man sich die komplexität der steuerung eines modernen benziners mit zündungstiming, einspritzung, gemischaufbereitung und -kontrolle und fuel trim, ventilsteuerung, abgasüberwachung, fehlerüberwachung, kaltlaufprogramme, notlaufprogramme, etc. etc. vorstellt.

Raymond Domenech
00
4.11.2011, 14:36
Der Artikel ist auch stümperhaft formuliert

weil es in dem Fall nicht um die Komplexität der Steuerung an sich, sondern der Sicherheitsmaßnahmen geht.

Die sind alles andere als trivial.

Parkschwein
00
4.11.2011, 15:03

das wollte ich auch nicht in frage stellen.

Der Mann
01
4.11.2011, 13:58
einer

der mitdenkt!

so eine emotorsteuerung ist das einfachste überhaupt.

jedes spielzeugauto hat das und sogar über funk!

am Start
00
4.11.2011, 11:33

d'accord, die Regelung eines modernen Verbrennungsmotors ist bestimmt komplexer als die Frequenzsteuerung eines Synchro, aber es geht ja um die Betriebssicherheit seitens der Steuerelektronik.

Das muss übrigens auch die Regelung der Verbrennungsmotoren gewährleisten, die Seilzugbetätigung mittels Gaspedal ist ja auch da Geschichte.

NoComment
00
4.11.2011, 08:16

im context des absatzes ist das schon richtig. ein einfacher benzinmotor, also so wie vor 100 jahren, ist heute ein trivialität. luft und benzin mischen und ab damit in den brennraum.

der diesel ist ähnlich, muss aber immer gezügelt werden. gab schon genug motorschäden weil ein dieselmotor sein eigenens öl verbrannte (z.bsp. bei turboschaden -> zieht das öl über ansaugbrücke -> drehzahl steigt bis kawusch).

dagegen ist die ansteuerung eines e-motors richtig aufwendig. wenn man das natürlich gegenüber einem einspritzer-motor der neuesten bauart vergleicht ist dieser einzelne satz ohne context nicht richtig.

Heavyweather
01
3.11.2011, 19:27

Habe ich mir auch gedacht. Ein Auto stromfrei zu schalten und eine 787 mit redundanten Systemen auszustatten sind mMn auch 2 unertschiedliche Paar Schuhe.

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