Die selben Steelers wie jedes Jahr

2. November 2011, 22:07
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Pittsburgh fügte New England die zweite Saisonniederlage zu und sicherte sich damit vorerst in der AFC North ab

Mit den Waffen der Patriots schlugen die Steelers zu. Kurzpass-Spiel über Ben Roethlisberger bis zum Abwinken. Was herrlich anachronistisch klingt, ist für Pittsburgh geradezu modern. 50 Mal (sic!) setzte Big Ben zu einem Pass an, 36 Mal kam dieser auch an. Man frotzelte New England damit quasi, denn das war ja eigentlich ihr Gameplan! Der krönenden Abschluss eines großartigen Abends: Brett Keisel schlug einem um Fassung ringenden Tom Brady das Ei aus der Hand, Troy Polamalu beförderte selbiges geistesgegenwärtig in und durch die Patriots-Endzone zum Safety.

Nach vier Runden stand Pittsburgh bei 2-2 und obwohl es noch sehr früh in der Saison war, wurden erste Stimmen laut: Die Steelers 2011 können nichts. Sind übel. Werden nicht die Playoffs erreichen. Die Ravens sind das Maß der Dinge in ihrer Division. Usw. usf. etc. pp. Freilich kamen diese Rufe in erster Linie aus den Reihen der Steelers-Verweigerer und sie gehören mittlerweile schon zum September wie die Farben des beginnenden Herbstes. Diese „Early-Basher" werden eigentlich so gut wie immer danach zurecht gewiesen. Das hält sie aber sicher nicht davon ab, es nächstes Jahr wieder zu versuchen. Glück auf! Irgendwann klappt es auch.

Wie viele große Programme teilt auch Pittsburgh den Football-Globus in zwei Hälften. In Lovers & Haters. Dieses Schicksal teilen sie wiederum mit New England, Dallas, Chicago, Green Bay - name it. Dem entkommen kann man nur, indem man über ein Jahrzehnt nur am Verlieren ist: San Francisco. Die mag irgendwie jeder - mal schauen wie lange noch.

Vier Runden und ebenso viele Siege - über Tennessee (4-3), Jacksonville (2-6), Arizona (1-6) und am vergangenen Sonntag New England (5-2) - später, stehen die Steelers (6-2) der AFC North vor. Mit ein Grund dafür ist sicher auch, dass der Hauptkonkurrent Baltimore (5-2) ein allgemeines Problem mit seiner Offense, zum Glück dann speziell aber noch Ray Rice zum Gegensteuern hat. Die Ravens unterlagen in Woche 7 Jacksonville, mühten sich gegen Arizona mit drei Rice-TDs nach einem 6:24 Rückstand noch zu einem 30:27-Sieg, liegen jedoch nun hinter die Cincinnati (5-2) auf Platz 3 der AFC-North-Tabelle.

Statistisches:
Die Baltimore Ravens machten einen 24:3 Rückstand gegen Arizona gut und gewannen 30:27. Das war bereits das fünfte Mal in dieser Saison, dass ein Team, welches 20 oder mehr Punkte Rückstand aufwies, zurück ins Spiel fand und gewann. Und das ist ein neuer NFL-Rekord. Vier Mal - 1983, 1987, 1995 und 1999 - gab es vier Siege nach einem Rückstand von 20 oder mehr Punkten.

The Walking Dead

Man glaubt es kaum, aber in St. Louis (1-6) lebt nicht nur der Baseball. Ein 0-7-Start war „geplant" - daraus wird nun nichts mehr. Wenn freiwillige Überraschungsopfer gesucht werden, dann heben ganz besonders gerne die New Orleans Saints (5-3) ihre Hände weit in die Höhe. Am 8. Jänner dieses Jahres taten sie es bereits, als sie gegen die Seattle Seahawks in der Wildcard-Runde aus den Playoffs flogen. Nun passierte es wieder. Völlig asynchron daher holpernd, stotterte sich die Saints-Offensive, die drei Viertel lang überhaupt ohne Punkte blieb, gegen die Rams zu 283 Offensive-Yards. Drew Brees warf zwei Interceptions, darunter den entscheidenden Pick-Six auf Darian Stewart. Von einem Saints Laufspiel war nicht viel zu sehen (20 Versuche für 56 Yards), ganz anders präsentierte sich da Oldie Steven Jackson auf der Gegenseite. 191 Offensive Yards und zwei Touchdowns gingen alleine auf seine Kappe. Der den nach wie vor angeschlagenen Sam Bradford ersetzende A.J. Feely machte bei 20/37 für 175 Yards und einen TD nichts falsch. Die Folge war zwar ein sehr überraschender, aber sogar in der Höhe verdienter 31:21-Sieg. Der erste in diesem Jahr für die Rams. Schaut man sich die kommenden Gegner an (ich habe es schon mehrmals angesprochen) - Arizona, Cleveland, Seattle, Arizona, San Francisco, Seattle - dann ist durchaus noch (mit SF als Ausnahme) so etwas wie Hoffnung für St. Louis vorhanden. Umfaller dürfen sie sich allerdings keine mehr leisten und Jackson, der Ray Rice der Rams, sollte tunlichst wohlauf bleiben.

Statistisches:
St. Louis Runningback Steven Jackson erzielte die Karriere-Touchdowns Nummer 50 und 51 gegen New Orleans. Er und die Hall Of Fame-Mitglieder Marshall Faulk (58) und Eric Dickerson (56) sind die einzigen drei Rams-Spieler in der Geschichte mit 50 oder mehr Rushing Touchdowns.

Der Lion King beim Tebowing

Das Volk schrie „Tebow!" Cäsar Elway und sein Stadthalter Fox übergaben ihn dem Mob. Die volle und letale Dosis. Tim Tebow startete zum ersten Mal heuer für die Broncos im eigenen Haus. Die Lions waren den ganzen Abend damit beschäftigt, die Gebetshaltung des Tebow (http://www.tebowing.com) einzustudieren. Er selbst kratze sich öfter am Kinn (Tebowing 2?), nachdem er ja sehr wenig Gelegenheit dazu hatte, seine geballte Faust auf die Stirn zu legen. Sind wir jetzt gescheiter? Ich weiß es nicht. Ich fühle mich lediglich darin bestätigt, dass die Broncos nicht wissen (oder besser gesagt wussten), wie sie Tebow, der für sie ein Fluch zu ein scheint, wieder los werden und haben vielleicht damit - ihn einfach in der Pocket verdorren zu lassen - einen Weg gefunden. Setzen wir den Burschen dem Hohn und Spott aus, dann wird er endlich Prediger und wir haben wieder unsere Ruhe. Die (Ruhe) würde mit Kyle Orton nun sicher auch nicht wieder einkehren. Insofern wird man wohl noch mehr solche Schock-Therapien benötigen. Detroit geht in die Bye. Denver spielt in Oakland (4-3). Die Raiders haben nicht bloß einen Tebow-Durchhänger, sondern massive Libido-Probleme, die man mit ein bisschen vergammelten Tiger-Balsam nicht mehr weg bekommen wird. Die radikale Pryor-Kur steht vielleicht schon bald an. Die Saison kann Denver (2-5) wohl abschreiben. Detroit (6-2) gar nicht. Oakland hat sich noch nicht entschieden.

Statistisches:
Detroit Wide Receiver Calvin Johnson verzeichnete beim 45:10-Sieg über Denver sechs Catches für 125 Yards und einen Touchdown. Johnson steht nun bei elf Touchdown-Catches diese Saison und ist damit nach Randy Moss (elf in 2007) der erst zweite Spieler der NFL (seit dem Merger 1970), der nach acht Spielen elf TDs gefangen hat.

Rivers vs. Novak: 1:0

Nick Novak war der designierte Held des Monday-Night-Spiels zwischen den Kansas City Chiefs (4-3) und den San Diego Chargers (4-3), als dieser die Kalifornier kurz vor Ende eines emotionalen Spiels im Arrohewad-Stadion beim Stand von 20:20 zum Sieg hätte kicken können. Davor hielt er die Chargers schon mit vier Fieldgoals überhaupt noch am Leben. Doch soweit kam es nicht. Quarterback Philip Rivers verlor den Ball bei einem Snap, die Chiefs eroberten ihn und gewannen ihrerseits in der Overtime durch ein Fieldgoal von Ryan Succop.

Die angeregte Debatte hier zu Beginn der Saison, ob dieser Rivers nun zur Elite der Spielmacher in der NFL zählt oder nicht, die ist mal vom Tisch. Man kann sie sogar neu definieren: Gehört Rivers in der Form überhaupt noch dem NFL-Durchschnitt an? Statistisch hat er sich dahin klar verflüchtigt, nun „zündet" er Stufe 2: Er verliert eigenhändig Spiele ohne Not. Noch kann er alles ausbessern, aber die bisherigen Leistungen weisen dem 29-Jährigen ein ganz übles Zeugnis aus. Nummer 19 nach dem Rating.

Was sonst noch geschah

Eigentlich ist es ja schon fast müßig zu sagen, aber bitte: Cam Newton spielte gegen Minnesota (2-6) gut, die Carolina Panthers (2-6) verloren aber durch ein Fieldgoal von Ryan Longwell mit 21:24. Zwei Fumbles können das Gesamtergebnis von 243 Offensive Yards und drei Touchdowns nur ein wenig trüben, auf der anderen Seite feierte Christian Ponder seinen ersten NFL-Sieg als Starter. Mit ebenfalls passablen Zahlen: 236 Passing Yards und ein Touchdown.

Statistisches:
Minnesota Runningback Adrian Peterson lief für 86 Yards und einen Touchdown. Peterson bringt es damit in der Saison bereits auf 798 Yards und neun Touchdowns und hat damit zumindest 750 Rushing Yards und acht Rushing Touchdowns in allen seinen bisherigen fünf NFL-Saisonen erreicht. Er befindet sich hier in einem Quartett mit den Hall of Fame-Mitgliedern Jim Brown und Emmit Smith, sowie LaDainian Tomlinson.

Es war gleichzeitig Cam Newtons viertes Spiele mit 290 oder mehr Passing-Yards. Damit egalisierte er den Rookie-Rekord von Peyton Manning aus dem Jahr 1998.

Es war auch das erste Mal, dass ein Quarterback (Cam Newton) seit der Einführung des Drafts im ersten NFL-Jahr zwei Rookie-Quarterbacks seines Jahrgangs gegenüber stand (Blaine Gabbert, Christian Ponder).

Philadelphia (3-4) kommt nun doch langsam auf Touren. Die Eagles schlugen vor ihrer Bye-Week Washington, nach dieser gab es im Sunday-Night-Game einen klaren 34:7-Erfolg über Dallas (3-4). Der Combo Michael Vick-LeSean McCoy (464 Offensive Yards, vier TDs) hatten die Boys wenig entgegen zu setzen. Dallas Back DeMarco Murray, eine Woche nach seinem unglaublichen Franchise-Rekord von 253 Rushing Yards gegen St. Louis, bemühte sich redlich, kam in acht Versuchen auch auf schöne 74 Yards, die Texaner setzten gegen die Eagles aber auf den Pass. 18 von 35 kamen an für 203 Yards, 1 TD, 1 INT. Tony Romo-Realität halt. Unverständlicher Gameplan allemal. Die Washington Redskins wurden von den aus der Bye-Week zurückgekehrten Buffalo Bills (5-2) mit 23:0 zerpflückt, die Giants zitterten sich gegen Miami (0-7) zu einem 20:17. Eli Manning in momentaner Hochform: 31/45 für 349 Yards und zwei TDs. In der NFC East ist daher alles offen. Die Giants als einiges Team bei 5-2, Philly, Dallas und Washington bei 3-4. Das wird hart.

Chargers empfangen The Pack

Kommenden Sonntag im Gratis-Fernsehen: Cold Blooded Green Bay fährt der Sonne entgegen. Das bisher noch einzige ungeschlagene Team bei den Zitterrochen der Pazifikküste. Halten die Nerven von Rivers, wenn er einen echten Rodgers bei der Arbeit zusieht? Die und andere Fragen kläre ich mit Michael Eschlböck ab 23:15 (as live, Kickoff 22:15) auf PULS 4. Schreiben Sie mir bitte keine Mails mehr mit dem Betreff „Taxi". Ich kenne sie schon alle. Danke im voraus. (Walter Reiterer, derStandard.at 03.11.2011)

NFL-Ergebnisse Woche 8:

Carolina Panthers

-

Minnesota Vikings

21

:

24

Tennessee Titans

-

Indianapolis Colts

27

:

10

New York Giants

-

Miami Dolphins

20

:

17

Baltimore Ravens

-

Arizona Cardinals

30

:

27

St. Louis Rams

-

New Orleans Saints

31

:

21

Houston Texans

-

Jacksonville Jaguars

24

:

14

Denver Broncos

-

Detroit Lions

10

:

45

Buffalo Bills

-

Washington Redskins

23

:

0

Pittsburgh Steelers

-

New England Patriots

25

:

17

Seattle Seahawks

-

Cincinnati Bengals

12

:

34

San Francisco 49ers

-

Cleveland Browns

20

:

10

Philadelphia Eagles

-

Dallas Cowboys

34

:

7

Kansas City Chiefs

-

San Diego Chargers

23

:

20

Spielfrei: Chicago Bears, Green Bay Packers, Atlanta Falcons, Tampa Bay Buccaneers,New York Jets, Oakland Raiders

NFL Woche 9:

So. 06.11. 19:00 

Dallas Cowboys

-

Seattle Seahawks

So. 06.11. 19:00 

Buffalo Bills

-

New York Jets

So. 06.11. 19:00 

Houston Texans

-

Cleveland Browns

So. 06.11. 19:00 

Indianapolis Colts

-

Atlanta Falcons

So. 06.11. 19:00 

Washington Redskins

-

San Francisco 49ers

So. 06.11. 19:00 

New Orleans Saints

-

Tampa Bay Buccaneers

So. 06.11. 19:00 

Kansas City Chiefs

-

Miami Dolphins

So. 06.11. 22:05 

Oakland Raiders

-

Denver Broncos

So. 06.11. 22:05 

Tennessee Titans

-

Cincinnati Bengals

So. 06.11. 22:15 

Arizona Cardinals

-

St. Louis Rams

So. 06.11. 22:15 

New England Patriots

-

New York Giants

So. 06.11. 22:15 

San Diego Chargers

-

Green Bay Packers

Mo. 07.11. 02:20 

Pittsburgh Steelers

-

Baltimore Ravens

Di. 08.11. 02:30 

Philadelphia Eagles

-

Chicago Bears

Spielfrei: Detroit Lions, Minnesota Vikings, Jacksonville Jaguars, Carolina Panthers

 










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    Die Pittsburgh Steelers zurück an der Spitze ihrer Division. Ben Roethlisberger mit ungewöhnlichen 50 Passversuchen gegen New England.

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