Au-di-li

Einserkastl2. November 2011, 18:59
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Leicht ranzige Folklore beim Besuch von Chinas Staatschef Hu in Österreich

Sie haben nix ausgelassen: Wiener Philharmoniker, Altwiener Apfelstrudel, Mozartkugel, Schuhplattler, Salzkammergut, der Bauer Haas (oder Hias?) mit Lederhose und Gamsbarthut, die Küh' im Stall, Brettljausen, Sissi im Bordkino, Mozarts Geburtshaus, Trachtenjanker und Dirndl für die Gattin als Geschenk.

Wos an Chinesen ollas in's Gmiat geht (frei nach H. C. Artmann). Der chinesische Staatspräsident Hu Jintao passte sich der lokalen Folklore an, indem er während all dieser Belustigungen ein typisch austriakisches Grantscherm-Gesicht zur Schau trug. Was soll's, mögen sich die Organisatoren dieses Besuchs gedacht haben, der Asiate will diese Österreich-Klischees einfach, und das stimmt ja auch. Wahrscheinlich. Die Beziehungen Österreichs zu China, vor 40 Jahren offiziell aufgenommen, sind sehr gut. Zwischenzeitliche Trübungen sind längst vergessen (der verewigte Helmut Zilk hielt einmal eine Rede in Peking, wo er sich freute, "hier in Tokio" zu sein, und berichtete, Gattin Dagi habe sich für eine Rolle - Das Land des Lächelns - Schlitzaugen schminken müssen).

Ohne leicht ranzige Folklore geht's halt anscheinend nicht, schon gar nicht beim neuen "mächtigsten Mann der Welt" . Dass Österreich auch ganz gute Hightech-Betriebe hat, hat das Staatsoberhaupt der größten Diktatur der Welt wahrscheinlich ohnehin schon längst durch seinen, äh, Informationsdienst feststellen lassen. (DER STANDARD Printausgabe, 3.11.2011)

  • Herr und Frau Hu in St. Gilgen.
    foto: epa/andy wenzel / hbf

    Herr und Frau Hu in St. Gilgen.

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