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Kommentar2. November 2011, 19:37
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Die Viennale droht zum Filmfestival-on-Demand zu werden

Einer der Vorteile der Viennale gegenüber anderen Festivals sei, heißt es oft, dass die Filme in Wien in keinem Wettbewerb konkurrieren. Stimmt, denn dies ermöglicht - im besten Fall - verquere und riskante Schwerpunktsetzungen. Es gibt jedoch andere Ökonomien, die den Kulturbetrieb regulieren, und denen entkommt auch die Viennale nicht. Es geht dabei um Sichtbarkeiten, um Präsenz, um das Ereignishafte: Um diese sicherzustellen, muss auch die Viennale publicityträchtig klotzen, statt nur cinephil zu kleckern - in diesem Jahr in besonderem Maße.

Zum Beispiel mit Würdigungen des hoch charismatischen Harry Belafonte sowie des Star-Produzenten Jeremy Thomas (der mit David Cronenberg im Gepäck anreiste): Beide verbinden überzeugend Glamour und Haltung, aber neue Perspektiven auf das Kino eröffnen sie nicht. Die Galavorstellungen, in denen sie bevorzugt auftreten, finden außerdem im exklusiven Rahmen statt - so, als wollte man damit nur eine bestimmte Klientel bedienen.

Gewiss, die Viennale ist immer noch ein Festival der Vielheit, das auch dem Marginalisierten viel Raum gewährt. Doch sie steht ein wenig vor dem Problem, dass sie zu viele Interessen mit zu vielen Nischen bedienen möchte, anstatt sie zu bündeln: Auf filmkulturelle Diskussionen hat man heuer gleich ganz verzichtet. So droht das Festival zum Festival-on-Demand zu werden: Jeder nimmt sich seinen Teil, aber von Öffentlichkeit ist keine Rede mehr. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2011)

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    Produzent Jeremy Thomas, Regisseur David Cronenberg und Viennale-Direktor Hans Hurch vor der Wien-Premiere von "A Dangerous Method" im Gartenbaukino

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