George Economou, finanzielles Rückgrat der Signa

2. November 2011, 18:11
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Der angeblich milliardenschwere griechische Reeder George Economou (58) ist Hälfte-Partner von René Benkos Immobilienfirma Signa Holding. Der Grieche, der über seine in Zypern domizilierte Globalbasis Limited bei Signa einstieg, ersetzte damals den ursprünglichen Benko-Financier, den Tankstellenerben Karl Kovarik.

Die Liaison begann im Sommer 2008. Der Tiroler Benko war Kunde der Hamburger HSH Nordbank. Die ist nicht nur stark in der Immobilienfinanzierung engagiert, sondern auch einer der weltweit größten Schifffahrts-Finanzierer. Das Immobiliengeschäft boomte ebenso wie das Tanker-Business. Die großen griechischen Reeder, seit Aristoteles Onassis in der Heimat von der Steuer befreit, suchten neue Häfen für ihr Geld und wollten in Grund und Boden investieren. Also brachte die HSH beide Branchen zum Dinner in Athen an einen Tisch. Benko muss den um 24 Jahre älteren Economou auf Anhieb beeindruckt haben. Nun will das Duo, das bereits in Österreich gemeinsam Immobilien erwarb, von Metro die Kaufhof-Kette kaufen.

Während seiner Studienjahre in Amerika, wo er Abschlüsse in Schiffsbau, Schiffsmaschinenbau und Schifffahrt erwarb, eignete sich Economou ein erstklassiges Englisch an. 1986 kaufte er sein erstes Schiff, heute herrscht er über ganze Frachter- und Tankerflotten. Er gilt mit einem geschätzten Vermögen von 1,7 Milliarden Dollar als Griechenlands reichster Reeder. Seine 2000 Gemälde der Klassischen Moderne von Otto Dix bis Picasso weisen Economou als feinsinnigen Kunstsammler aus. Der geschiedene Vater von fünf Kindern gilt als größter Sammler deutscher Meister. Auf Auktionen lieferte er sich oft heftige Bieterschlachten mit dem verstorbenen Rudolf Leopold.

Mit dem Erwerb der deutschen Kaufhäuser will Economou offenbar sein Wirtschaftsimperium breiter aufstellen, um es vor künftigen Branchenkrisen besser zu schützen. Schon vor drei Jahren hatte der Schiffseigner mit Zukäufen abseits des Kerngeschäfts auf den drastischen Verfall der Seefrachtraten reagiert. Damals kaufte er sich beim norwegischen Bohrinsel-Vermieter Ocean Rig ein.

2005 brachte er seinen Konzern DryShips an die Börse, seither ist er mit Insidervorwürfen konfrontiert. Der Firmensitz von DryShips im Steuerparadies Marshallinseln bewahrte den Griechen allerdings vor umfangreichen Nachforschungen der Finanzbehörden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.11.2011)

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