Fünf nach zwölf

Kommentar2. November 2011, 18:10
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Die Parole in Syriens Opposition lautet längst Regimewechsel

Mit Nachdruck verfolgt die Arabische Liga jetzt ihren Vermittlungsversuch in Syrien - die Chancen, dass sie die Uhr, die bereits fünf nach zwölf zeigt, zurückdrehen kann, stehen jedoch nicht gut. Bashar al-Assad mag zwar das gewaltsame Ende von Muammar al-Gaddafi als Warnung dienen, aber es ist in Syrien schon zu viel passiert, als dass er selbst an die Möglichkeit einer gütlichen Lösung glauben kann. Auch der Großteil der Opposition - die die Bilder Gaddafis ebenfalls vor Augen hat - will nicht mehr zurück zu einer Reform in einem Ausmaß, das Assad zulassen kann, ohne sich selbst abzuschaffen.

Die Parole lautet längst Regimewechsel, und es gibt sehr wohl Gruppen, die dieses Ziel nicht nur mit friedlichen Demonstrationen verfolgen, sondern mit bewaffneten Angriffen gegen die Staatsmacht. Auch dabei stand der libysche Aufstand Modell, wo Gaddafi mit friedlichen Demonstrationen ebenfalls nicht weggebracht worden wäre. Es brauchte eine Rebellenarmee, die von außen unterstützt werden konnte. Die ist in Syrien in Formation.

Und die Frage stellt sich natürlich auch, ob der arabische Konsens überhaupt da ist, dass Assads Verbleib noch irgendeinen Mehrwert hat. Manche Liga-Staaten befürchten angesichts der wachsenden Anzahl von Episoden konfessioneller Gewalt einen Bürgerkrieg in Syrien. Andere sehen Assad - und den Iran hinter ihm - als Ursache des Übels und würden einen Neuanfang ohne ihn vorziehen. (DER STANDARD Printausgabe, 3.11.2011)

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