"Ihr könnt sie wählen, aber wir werden sie verhaften"

Der Staat geht in den Kurdengebieten gegen Bürgermeister vor, die nicht der Regierungspartei angehören

Mit Massenfestnahmen schaltet der türkische Staat in den Kurdengebieten Bürgermeister und Vertreter der Zivilgesellschaft aus, die nicht der Regierungspartei AKP angehören.

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Die türkische Justiz will ihn für 252 Jahre hinter Gitter bringen, doch Abdullah Demirbaş ist sich nicht einmal sicher, ob er die nächste Woche erlebt. "Es geht mir im Moment gut", sagt der Bürgermeister von Sur, des alten Stadtteils von Diyarbakir, "aber die Lage kann sich jeden Augenblick ändern." Demirbaş hat eine seltene Stoffwechselkrankheit, die seine inneren Organe angreift. Aus der Untersuchungshaft hat ihn der Richter deshalb entlassen, doch zur medizinischen Behandlung ins Ausland darf der 45-Jährige nicht. "Für die Regierung ist das ein Weg, um mich umzubringen", sagt der kurdische Politiker.

Zweieinhalb Jahre nach der "demokratischen Öffnung" scheinen die Bemühungen um eine Lösung der Kurdenfrage in der Türkei aussichtsloser denn je. Die anfängliche Liberalisierung vom Juli 2009, als für die 20-Millionen-Minderheit kurdische Fernsehprogramme, Sprachstudien und hier und da zweisprachige Ortsschilder zugelassen wurden, ist unter dem Kampf gegen die PKK zusammengebrochen. "Wir sind noch nicht zum Frieden bereit" , konstatierte der Fernsehmoderator Ahmet Ali Birand. "Wir glauben merkwürdigerweise immer noch, dass wir dieses Problem mit Waffengewalt lösen können."

Demirbaş ist ein Beispiel dafür, wie die Lösung der Kurdenfrage verspielt wurde. Auf seinem Schreibtisch steht das Bild seines jüngsten Sohns, ein ordentlich frisierter Schulbub vor himmelblauen Hintergrund. Baran Demirbaş ging mit 16 in die Berge im Nordirak und schloss sich der PKK an. "Es war der 30. Mai 2009", erinnert sich der Vater, es ist ein quälender Gedanke. "Ich will keine Toten, ich bin gegen den bewaffneten Kampf."

Der junge Demirbaş ging, als die türkische Justiz begonnen hatte, systematisch kurdische Politiker, Anwälte, Hochschullehrer und andere Vertreter der Zivilgesellschaft festzunehmen. 3800 Personen sind es bisher nach Zählung von Menschenrechtsgruppen und der Kurdenpartei BDP, 485 laut Angaben des Innenministers. In vielen Städten und Dörfern im Südosten der Türkei sitzen mittlerweile Bürgermeister, Stadträte, ganze Teile der Verwaltungen im Gefängnis. Vorgeworfen wird ihnen eine angebliche Mitgliedschaft in der Untergrundorganisation KCK (Union der Gemeinschaften Kurdistans), einer Art politischer Arm der PKK.

Kurdenpartei im Visier

Auch Abdullah Demirbaş soll sich dafür vor Gericht verantworten. "Sie sagen, du gehst zu Konferenzen mit internationalen Gästen, du triffst dich mit ausländischen Politikern, du arbeitest also für die KCK", erzählt Demirbaş. Auch im Westen des Landes werden "KCK-Mitglieder" verhaftet. Büşra Ersanli, Dekanin des Instituts für Politikwissenschaften an der Marmara-Universität in Istanbul, ist unter 70 neuen Festgenommenen. Es sei durchaus möglich, dass die Verhaftungen bald die gesamte BDP umfassen, schrieb der Kommentator Oral Çalişlar: "Das ist keine legale Situation mehr, es ist eine politische Entscheidung."

Politische Beobachter weisen auf die Konkurrenzsituation zwischen der BDP und der regierenden konservativ-islamischen AKP im Südosten der Türkei hin. Obwohl die AKP von Premier Tayyip Erdogan in den kurdischen Gebieten Fuß fassen konnte, blieb ihr ein Wahlsieg in Diyarbakir bei den Kommunalwahlen im März 2009 versagt. Einen Monat später begannen die KCK-Verhaftungen. Die Regierung bereite schon die Kommunalwahlen von 2014 vor, sagt Abdullah Demirbaş nun. Die Botschaft an die Kurden, die für Kandidaten der BDP stimmen wollen, laute: "Ihr könnt sie wählen, aber wir werden sie verhaften."

Die PKK aber hat Zulauf, wie seit langem nicht mehr. Rund 300 junge Kurden sollen sich allein in der Provinz Diyarbakir in den vergangenen zwei Monaten der Guerillaorganisation angeschlossen haben. Etwa so viele, wie laut Angaben des türkischen Verteidigungsministers bei der jüngsten Armeeoffensive getötet wurden. (Markus Bernath aus Diyarbakir/DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2011)

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Ankaras Kampfschreiber auf Hochtouren

Lange wird Ankara den demokratisches Druck nicht aushalten können und sich auf Abenteuer einlassen wie es der nationalistisch künstliche Gründungsgedanke vorsieht. Völkermord ähnliche Zustände gehören mittlerweile zur türkischen Tagesordnung und Ankara fordert von der NATO dabei aktive Unterstürzung.

Der Schleier über das wahre und hässliche Gesicht der türkischen Gründungsdoktrin ist gefallen.

"Völkermord ähnliche Zustände gehören zur türkischen Tagesordnung..."

Zuviel Sarkozy im Blut?

ja ja... Ankara ist böse und Brüssel ist so net und in dieser union funktioniert alles prima. und die bringen auch keine menschen um oder haben keinen völkermord begangen und deswegen sind die unions mitglieder zu beneiden!!

jetzt schnallen sie sich mal gewaltig an: domino effekt!!

Mit Griechenland hats begonnen, Italien hat es weiter gemacht und bin gespannt wie sich die lage in Spanien entwickeln wird... usw!!

alle gründungsgedanken sind künstlich

da wir ja die einzig wahre demokraten sind werden wir uns dem willen der mehrheit beugen und unseren ziegeszug gegen alle die nicht für uns sind fortsetzen.

mission accomplished!

Zitat:"alle gründungsgedanken sind künstlich" nicht in dem Ausmaß

Ein anderer der so ein künstliches Konstrukt nachahmen wollte, scheiterte an der Entschlossenheit der Alliierten. Die freien Völker Europas konnten gerettet werden, die freien Völker Kleinasiens dagegen wurden vom Nachfolger des osmanischen Reiches brutal versklavt.

Nun reden die Unterworfenen so, als wären die immer schon die Herren gewesen.

http://88.255.95.36/images/ot... r/atug.jpg

Kinder in den Reihen der PKK!!
Und die KCK treibt diese Kinder in den kurdischen Städten zusammen und übergibt diese an die PKK oder bildet sie selbst als Terroristen aus!

Da dreht sich mein Magen um, wenn 12 jährige Kinder von der PKK missbraucht werden!

Wenn man die Postings hier liest und gleichzeitig verfolgt,

was in der Türkei alles nicht funktioniert, muss man feststellen, dass beide Streitparteien und deren Anhänger so weit von Demokratieverständnis entfernt sind, dass es wohl noch Jahrhunderte dauern wird, bis die Türkei EU-Reife erlangt haben wird.

die EU gibt es in 5 jahren nicht mehr

genau dann gibts die euamafria, ol´e

wenn man

vom Selbstbestimmungsrecht der Völker ausgeht, haben die Kurden ein Recht auf einen eigenen Staat oder wenigstens auf eine autonomoe Provinz .
Jeder Mensch möchte in seiner Sprache vor Gericht gehen können und dass in seiner Sprache die Kinder in der Schule unterrichtet werden und in seiner Sprache auch öffentlich sprechen und politisch tätig sein können.All das wurden und wird von der Türkei mit brutealer Gewalt unterbunden.Kein wunder dass sich sich die PKK gebildet hat.Auf Aktion folgt Reaktion.Der türkische Nationalismus ist einach Scheiße und schafft nur Probleme

wieso haben die Kurden dieses Recht? Was ist mit den Rechten der Türken?

Wenn jede Ethnie das Recht auf einen eigenen Staat haben sollte, dann muss Griechenland,Zypern, Bulgarien, Rumenien, Serbien, Frankreich, Italien, Spanien, usw... weiter aufgesplittet werden!

Man muss erst das Thematik verstehen. Das haben Sie leider noch nicht ganz, wenn sie immer bei Türken angangen.

MfG

diese Türkei spielt sich als moralapost auf und verurteilt ganz empört Israel.

graus kotz

eine geteilte Familie

Ich hatte über das Begräbnis eines PKK-Guerillas geschrieben. Gestern wurde ein Interview der Eltern veröffentlicht.

Vorerst hier das Bild von dem ich schrieb
http://i.sabah.com.tr/sbh/2011/... 8612791804

Der Vater von Sezer Arslan, der im Tal Kazan getötet wurde, sagte, dass sein Sohn wie sein Bruder, davon träumte Lehrer zu werden.

Die Mutter, die kein Wort TÜRKISCH spricht, setzte fort, dass sie 8 Kinder hätte, einer von Ihnen ist POLIZIST, ein Sohn war PKK-Guerilla! Wortwörtlich weinte sie, dass ihre vor Schmerz Lunge brenne!

Sezer Arslan war aus seinem Dorf nach Hakkari gezogen, um Lehrer zu werden, doch er ist im PKK-Lager gelandet!

Es ist sehr traurig, ein Sohn dient dem Staat, der andere bekämpft ihn!

Türkische Flagge auf dem Grab eines PKKlers!

Das sieht man auch nicht sehr oft! Die Familie des getöteten PKK-Guerillas hat die türkische Flagge auf sein Grab gesetzt!

http://i.ensonhaber.com/resimler/... /6_577.jpg
http://i.ensonhaber.com/resimler/... 1_1030.jpg
http://i.ensonhaber.com/resimler/... /8_471.jpg

Dramatische Bilder!

kein platz für die PKK terroristen. und wo ist die BDP??

Grundübel

Viele Türken und die Republik Türkei überspringen gern eine wesentliche Deteil in diesem Konflikt. Nämlich, dass die Türkei in diesem Land eine Besatzungsmacht ist und nur mit Waffengewalt diese Gebiete unter Kontrolle hält. Besatzung erzeugt Wiederstand und Gewalt. Aber wie es scheint ist die Besatzung der Türkei in den kurdischen Gebieten bald aus und aus dem Grund hat die Türkei wiederholt die Grenze der zulässigen Gewaltanwendung eines Staates längst überschritten. Wenn ein Staat seine Waffen gegen eigene Bevölkerung richtet und die gesamte Region ununterbrochen bombardiert, ist kurz oder langfristig bestimmt zum Scheitern verurteilt (die Beispiel; Osmanisches Reich oder Nazi Deutschland).

Desshalb unterstützen Sie den PKK Terror, verstehe...

Hmm...

Wie sagte schon der Friedensführer Mahatma Ghandi höchstpersönlich:

"Wenn man nur zwischen Feigheit und Gewalt wählen kann, dann würde ich Gewalt vorziehen."

Soviel dazu. Friedensmärsche sind leider ohne einen charismatischen, besonnenen und weisen Menschen, der die Masse zusammen bringt und hält nicht wirklich möglich. Wären aber die effektivste Form Interessen durchzusetzen. Bei uns nennt man das Demonstrationen.

Wie wirksam diese bei UNS sind, sehen Sie ja selbst...

?!?!

Meinen Sie das wirklich ernst?

Die Republik Türkei ist rechtmäßig mit Vertrag von Lausanne 1923 von der Europäischen Welt bestätigt geworden, sagen wir es so, die Türken haben den Vertrag von Sèvres im Türkischen Unabhängigkeitskrieg unter Atatürk, in dem auch die Kurden mit den Türken Seite an Seite gekämpft haben, zerrissen!

Der Vertrag von Sèvres, den das Osmanische Reich diktiert bekommen hat, hat einen kurdischen Staat vorgesehen. Jedoch war damals das türkische Kernland von den Entente-Mächten besetzt und aufgeteilt!

1923 wurde die neue Türkische Republik ausgerufen.

Das Gebiet ist genauso türkisch wie Kirkuk, Mosul, und Halep! siehe Misaki-Milli

Besatzungsmacht auf eigenen Hoheitsgebiet!?!

Gehen Sie wieder schmieden!

die Armee verhält sich aber wie eine

Besatzungsmacht.Das Übel beginnt mit Atatürk,der nicht wahrhaben wollte, dass die Türkei ein Vielvölkerstaat ist.Um die Realität der Utopie anzunäheren, wurden die Kurden kurzerhand zu Bergtürken erklärt ,ihre Sprache verboten,ihre Identität geraubt.Die PKK ist eine direkte Folge der blödsinnigen Politik von Kemal Atatürk.Der müsste endlich von seinem Sockel gerissen werden.Der Völkermord an den Armeniern ist ja immer noch umstritten.Autonomiestatut a la Südtirol und die PKK wird eine vernachlässigbare Größe.Die Bürgermeister einzusperren, weil sie nicht der AKP angehören, na Hallo ,das ist die türkische Demokratie? Da darf man sich nicht über "Besatzungsmacht" wundern, Hoheitsgebiet hin oder her.

Sie haben null ahnung von der Politik eines Atatürks, geschweige reicht ihre aufnahmefähigkeit nicht aus um einen man like Atatük zu verstehen.Veruschen sie es nochmal, lesen sie ein paar bücher über ihn, lesen sie seine schriften und dann unterhalten wir uns.....

vertrag von laussane

artikel 39

/1 Türkische Staatsbürger, die nicht-moslimischen Minderheiten angehören, sollen die gleichenbürgerlichen und politischen Rechte genießen wie Moslems.

/3: Kein türkischer Staatsbürger darf einer Beschränkung beim Gebrauch irgendeiner Sprache im persönlichen Verkehr, im Handel, der Religion, in der Presse oder Veröffentlichungen jeglicher Art oder öffentlichen Versammlungen unterliegen.

/4: Ungeachtet der Existenz der offiziellen Sprache, muß den türkischen Staatsbürgern, die nicht Türkisch sprechen, die Möglichkeit gegeben werden, vor den Gerichten mündlichen Gebrauch von ihrer eigenen Sprache zu machen.

mMn sollte die nichteinhaltung des vertrages die grenzen der türkei in frage stellen! thats all!

das trifft auch alles zu

1/ es gibt keine extrawurst. für niemanden. alle sind gleich.

2/ im persönlichen gebrauch darf jeder sein eigenen mambojambo sprechen. ist alltägliche praxis.

3/ dolmetscher for gericht sind nichts neues oder aussergewöhnliches.

(4) jeder kann gerne versuchen die grenzen der türkei "in frage zu stellen". nur muss dann jeder auch die konsequenzen eines solchen handelns tragen!

na klar, nach aussenhin demokratisch, nach innen hin ultrafaschistisch

1/ na klar, weil die moslems so fromm weiterhin von der staat geldkassieren, in millionen höhe, sollen die aleviten nichts machen dürfen? klar, ganz eindeutige zeichen für eine "alle sind gleich" aber die sunniten sind gleiche? das hatten wir alles schon mal?

/2 im Handel? aha! wissen sie, wieviele geschäftsbeschriftungen wieder herungter müssten, weil kurdische namen noch immer bei der namensgebung der gesellschaftsformen verboten sind?

4/ da sollten sie also runter in die türkei und den richtern eins vor dem tisch hauen und sagen "hey kollega, ich sage in österriech, sie dürfen das, also lasst diesen blödsinn jmit "kurdisch" im gericht? niemals"

@konsequenzen: gleiches chor hören die kurden über 30 jahren! türkei ist unfähig!!!

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