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vergrößern 600x740Ein kleines, spätes Werk von Max Ernst: 1968 entstand diese dunkle und poetische Materialcollage "La fête du Mimosa".
Wien - Gefühl siegt über Intellekt. Das Ordnungskriterium der Sammlung Forberg ist - wenn man dabei überhaupt von Ordnung sprechen kann - die Emotion. Also ein unberechenbares, unsystematisches Prinzip, ein organischer Vorgang, der dem persönlichen Zugang zur Kunst folgt.
Was in öffentlichen Sammlungen verpönt ist, ist quasi der gute Ton der Privatkollektion: Durchaus auch einmal links und rechts vom Kanon zugreifen und alles dann querbeet arrangieren, Haken schlagen und weite Schneisen in die linearen Thujenhecken der Kunstgeschichte schneiden. Herrlich. Ins Museum transferiert, werden solche kreativen Sammelleidenschaften aber leider allzu oft in Raster gezurrt, vom Museumsgärtner nach Epochen und Stilen sortiert. Der Zauber des ursprünglichen Schatzes - er erleidet das Schicksal des Unkrauts.
Mit der aktuellen Präsentation der Sammlung Forberg gelang einmal das seltene Gegenteil, was wohl auch daran liegt, dass Mathias Forberg maßgeblichen Anteil am Ausstellungskonzept trägt. Der ehemalige Schauspieler und Filmproduzent (u. a. Revanche, 2008) übernahm nur einen Torso der ursprünglich von Vater Kurt Forberg seit den 1950er-Jahren zusammengetragenen Sammlung. Der Bankier und Künstlersohn sammelte seine Zeitgenossen - die heutige Klassische Moderne.
Am Torso feilen
Nach dem Tod des Vaters wurde die Sammlung durch Erbe und Verkäufe mehrfach geteilt und weit verstreut. Die Einheit war zerstört, sodass eben nur besagter Torso übrigblieb. Forberg entschied sich, dem derart aus der Form Geratenen wieder Gestalt zu geben, also am Profil zu feilen: Bereiche wie jene zum Informel und der École de Paris stieß er ab, um mit den Erlösen Schwerpunkte der ursprünglichen Sammlung - Arbeiten der Klassischen Moderne zwischen 1910 und 1940 - zu stärken.
Kein leichtes Unterfangen, waren doch die Preise für Werke Paul Klees, einem besonderen Schwerpunkt, in der Zwischenzeit arg in die Höhe geklettert. Heute reicht die Kollektion, die der Albertina 2007 als Dauerleihgabe übergeben wurde, von Picasso über Künstler des Blauen Reiters (Jawlensky, Kandinsky) und der Brücke (Kirchner, Mueller, Pechstein) bis zum Bauhaus (Moholy-Nagy, Schlemmer).
"Welche Form von Kommunikation der Kunstwerke untereinander könnte entstehen, wenn man sie zusammenführt?" Dieser Blickwinkel auf Arbeiten der Klassischen Moderne leitet Forberg nicht nur beim Sammeln, sondern spielte auch bei der Hängung eine große Rolle. "Das ist mit dem Vorgehen eines Pianisten vergleichbar, der auf sehr persönliche Weise die ihm vorgegebenen Noten interpretiert, diese zum Leben erweckt", verrät er im Katalog.
"Es ist eine leise, kammermusikalische Sammlung", attestiert Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Die Ausstellung dazu ist ein beschwingtes Konzert geworden: Zu Beginn trumpft sie mit einem Farbgewitter auf - Gabriele Münters Gerade Straße neben der mit knalligen Farbbäuschen gespickten Landschaftsstudie von Kandinsky. Dazu die abstrakte Farborgie in Rot, Gelb, Orange und Blau (Ungarische Felder , 1919) von László Moholy-Nagy. Belebend, sprudelnd wird die Schau aber in der Papierabteilung: Etwa wenn ein geometrisch abstraktes Relief von Ben Nicholson (1943) auf einen gut 20 Jahre älteren Klee trifft. Nächtliche Landschaften von Paul Klee und Max Ernst beleben die Sinne, und obwohl 40 Jahre zwischen ihrer Entstehung liegen, ist es, als ob - wie es Forberg ausdrückt - die beiden den zweiten Spritzer zusammen trinken. Die Gespräche, die sich entspinnen, sind zwei-, drei- und vierstimmig. Kommunikationen, die im Katalog zur Schau leider abbrechen. Jammerschade. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2011)
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