US-Notenbank lässt Leitzins nahe Null

2. November 2011, 17:37
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Washington - Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins wie erwartet nicht verändert. Der Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Rate) liege weiterhin in einer Spanne von 0 bis 0,25 Prozent, teilte die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mit. Volkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Damit liegt der Leitzins bereits seit fast drei Jahren auf dem Rekordtief. Die Fed hatte ihn während der Finanzkrise im Dezember 2008 auf diese Spanne verringert.

Vor Beginn der Krise im Sommer 2007 hatte der Zinssatz noch bei 5,25 Prozent gelegen.

Konjunktur auf dünnem Eis

Zwar habe die Wirtschaft zuletzt an Stärke etwas zugelegt, allerdings bleibe die Konjunktur weiter auf dünnem Eis, erklärten die Notenbanker der Federal Reserve am Mittwoch weiter. Der Leitzins werde deshalb aller Voraussicht nach bis Mitte 2013 so niedrig bleiben, bekräftigte die Fed.

In den kommenden Quartalen erwarte man nur ein moderates Wirtschaftswachstum. Die Arbeitslosenquote dürfte nur graduell zurückgehen. Inflationsgefahren sieht die Fed nicht. Die Folgen von steigenden Energie- und Rohstoffpreisen dürften weiter auslaufen.

Die im September beschlossene Umschichtung der Bilanz gehe weiter. Gelder aus auslaufenden Anleihen würden zudem wie zuletzt in Immobilienpapiere reinvestiert, um den Häusermarkt zu stützen.

Fed senkt US-Wachstumsprognosen

Trotz der jüngsten Belebung blickt die US-Notenbank immer skeptischer auf die Wirtschaftsaussichten. Sie erwartet im Schnitt nur noch ein Plus von 1,6 bis 1,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr, wie aus den aktualisierten Konjunktur-Prognosen der Federal Reserve hervorgeht. Im Juni hatte sie noch rund 2,7 bis 2,9 Prozent vorhergesagt. 2012 soll die Wirtschaftsleistung um 2,5 bis 2,9 Prozent zulegen (Junischätzung: 3,3 bis 3,7 Prozent).

Im Sommer hatte die US-Wirtschaft ihr Wachstumstempo trotz Schuldenkrise in Europa und abkühlenden Weltkonjunktur fast verdoppelt: Das Bruttoinlandsprodukt legte im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 2,5 Prozent zu. Dies entspricht in der in Europa üblichen Rechenweise jedoch nur einem Quartalsplus von rund 0,6 Prozent. Das ist aber viel zu wenig, um die für amerikanische Verhältnisse relativ hohe Arbeitslosenquote von mehr als 9 Prozent abzubauen. Die Fed geht davon aus, dass die Quote dieses Jahr bei 9,0 bis 9,1 Prozent (Juni: 8,6 bis 8,9) liegen und 2012 nur leicht auf 8,5 bis 8,7 Prozent sinken wird.

Die US-Notenbank soll laut Mandat neben stabilen Preisen auch für Vollbeschäftigung sorgen. Im Kampf gegen die Wirtschaftskrise hat sie den Leitzins bereits auf null bis 0,25 Prozent geschleust und tastete ihn auch bei der Sitzung des Offenmarktausschusses am Mittwoch nicht an. Sie hatte bereits angekündigt, den Schüsselzins wegen der mauen Konjunkturerholung bis Mitte 2013 auf extrem niedrigem Niveau zu belassen.

Im September hatte die Fed beschlossen, zur Stützung der lahmenden Konjunktur bis Mitte kommenden Jahres für 400 Milliarden Dollar lang laufende Anleihen zu kaufen. Parallel dazu sollen aus der in der Krise auf 2,9 Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz kurz laufende Papiere im selben Umfang abgestoßen werden. Mit dieser "Operation Twist" will die Fed die langfristigen Zinsen niedrig halten.

An der Preisfront droht nach Einschätzung der Fed vorerst keine Gefahr: Für 2011 erwartet sie im Schnitt eine Kerninflationsrate von 1,85 Prozent, im nächsten Jahr sollen es 1,75 Prozent werden. Die Bandbreite für die US-Kerninflation für 2011 gab die Notenbank am Mittwoch mit 1,8-1,9 Prozent bekannt, bisher waren es 1,5 bis 1,8 Prozent. Für 2012 sieht die Fed hier eine Range von 1,5-2,0 Prozent, bisher waren es 1,4 bis 2,0 Prozent. (APA)

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