Kritik an Kritikern

"Altpolitikern scheint ziemlich fad zu sein"

2. November 2011, 18:08
  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    Die Altvorderen teilen aus und bekommen nun Kritik retour: Franz Vranitzky, ...

  • Artikelbild
    foto: apa/pessenlehner

    ... Erhard Busek ...

Aktive Politiker der SPÖ und ÖVP wehren sich mit scharfen Worten gegen die Angriffe der "Altvorderen" in ihren Parteien, die sie seit Monaten mit Initiativen und kritischen Kommentaren unter Druck setzen

Wien - "Sobald sie aus der Politik draußen sind, werden sie mutig", ärgert sich SPÖ-Geschäftsführer Günther Kräuter. Der Aufstand der Altpolitiker, die die Politik der gegenwärtigen rot-schwarzen Bundesregierung seit Monaten mit Bürgerbegehren, Initiativen und kritischen Kommentaren geißeln, geht den aktiven Politikern offenbar schon einigermaßen auf die Nerven.

ÖVP-Parlamentarier und -Bildungssprecher Werner Amon: "Ich habe großen Respekt vor Altpolitikern, die sich nicht mehr in die Tagespolitik einmischen." Jene "Politiker in Pension" müssten sich die Frage gefallen lassen, warum sie nicht damals, "als sie an den Schalthebeln der Macht saßen" jene Reformen umsetzten, die sie jetzt einfordern. Ähnlich grantig zeigt sich SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter im Standard-Gespräch: "Ein paar Diskussionsbeiträge kann man ja positiv sehen, dagegen ist nichts einzuwenden. Aber jene Ezzes-Geber, die selbst oft mehr als ein Jahrzehnt an Schlüsselstellen saßen, wenn die jetzt etwa fordern, die Ländergesetzgebung soll der Bund übernehmen, ist das alles nur noch peinlich. Sie waren es ja, die einem Erwin Pröll diese Machtfülle erst möglich gemacht haben. Sie haben ja die Grundlagen für unsere heutige Situation geschaffen."

Die Altpolitiker, die sich jetzt für radikale Reformen der Verwaltung und politischen Institutionen starkmachen, hätten "in ihrer Zeit", die konjunkturell "durchaus besser und stabiler war", alle Möglichkeiten gehabt, eine Reformpolitik durchzuziehen. Kräuter: "Proporz abschaffen, Landtage verkleinern: Das hätten sie alles machen können, wenn sie den politischen Mut gehabt hätten."

Werner Amon will den Altpolitikern auch das Recht absprechen, "für die Zivilgesellschaft zu sprechen". Amon: "Jetzt so zu tun, als sei der Aufstand der Altpolitiker ein Aufstand der Zivilgesellschaft, ist vermessen. Ehemalige Spitzenpolitiker sind wirklich nicht die klassischen Repräsentanten der Zivilgesellschaft."

Einige Forderungen der Initiative "Mein Österreich", in der sich auch ÖVP-Altpolitiker wie Erhard Busek, Heinrich Neisser oder Franz Fischler, die SPÖ-Landespolitiker Wolfgang Radlegger und Kurt Flecker, Ex-LiF-Politiker Friedhelm Frischenschlager oder die beiden Grün-Altvorderen Johannes Voggenhuber und Andreas Wabl versammeln, seien "sehr unseriös", sagt Kräuter. Etwa die Anregung, Regierungsmitglieder von den Abgeordneten bestimmen zu lassen. Kräuter: "So nach dem Motto: Parlament sucht den Superstar. Eine Groteske. Derartiges hätten die Altpolitiker, als sie noch aktiv waren, nie in Erwägung gezogen. Da zweifle ich schon sehr an der Ernsthaftigkeit der Anliegen, wenn solche Dinge in die Diskussion gebracht werden."

Darunter falle auch die ultimative Forderung an die Abgeordneten, Fragen zeitgerecht und befriedigend zu beantworten - "und gleichzeitig mit einem Volksbegehren zu drohen". Kräuter: "Mit dem Nasenring durch die Manege gezogen werden: Das hätten sich die Altpolitiker selber nie gefallen lassen. Das möchte ich sehen, was ein Busek davon gehalten hätte, wenn er aufgefordert worden wäre: ,Herr Busek, jetzt beantworten Sie mir einige Fragen, sonst passiert dies oder das.' - Er hätte das brüsk zurückgewiesen." Über die Motivlage, warum sich ehemalige Spitzenpolitiker aller Couleurs nun wieder öffentlich artikulieren und ins Rampenlicht drängen, sind sich Amon und Kräuter einig: "Langeweile". Amon: "Ich sehe hier nicht das große Anliegen dahinter, sondern eher die Langeweile." Günther Kräuter: "Den Altpolitikern scheint ziemlich fad zu sein. Man soll sich wirklich gut überlegen, wie man den offenbar sehr schmerzhaften Verlust an öffentlichem Interesse auslebt."

Milde sieht Grünen-Geschäftsführer Stefan Wallner das Engagement der Altvorderen. Es sei in Ordnung, dass sich die Altpolitiker heute so lautstark zu Wort melden. Wallner: "Es ist nie zu spät, den Reformgeist wehen zu lassen. Wesentlich ist, dass die Republik durchlüftet wird. Daher sind solche Initiativen zu begrüßen, damit die Reformwilligen über die Parteigrenzen hinweg gebündelt werden."(Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 209
1 2 3 4 5
deinetwegen
00
15.11.2011, 16:29
Ob alt oder jung - wir haben einfach keine tragbaren Zustände in der Politik

Wenn ich die letzten Jahrzehnte meines Lebens hernehme, in denen ich auch die Politik eingehend beobachtet habe, so komme ich doch zum Schluss, es ändern sich zwar Gesichter, es ändern sich Zeiten, aber die Misstände von Damals sind auch die Missstände von heute, wenn es auch um andere Themen gibt, manchmal denke ich mir noch, dass sich sich steigerten. Es fällt eben manchmal schwer, sie auch noch zu würdigen, - einen ehrenhaften Polit-Mann haben wir leider verloren, ihm gebührt ein Ehrenplatz !

Emil Sacklinger
 
00
16.11.2011, 07:55

... joseph schöffel, retter des wienerwaldes.

(ihm gebührt wirklich ein ehrenplatz)

deinetwegen
00
15.11.2011, 16:29
Ob alt oder jung - wir haben einfach keine tragbaren Zustände in der Politik

Wenn ich die letzten Jahrzehnte meines Lebens hernehme, in denen ich auch die Politik eingehend beobachtet habe, so komme ich doch zum Schluss, es ändern sich zwar Gesichter, es ändern sich Zeiten, aber die Misstände von Damals sind auch die Missstände von heute, wenn es auch um andere Themen gibt, manchmal denke ich mir noch, dass sich sich steigerten. Es fällt eben manchmal schwer, sie auch noch zu würdigen, - einen ehrenhaften Polit-Mann haben wir leider verloren, ihm gebührt ein Ehrenplatz !

. Diogenes
11
8.11.2011, 14:46
Vranz und Co. haben wenigstens etwas zu sagen

Aber kann sich jemand Faymann oder Spindelegger
vorstellen wie sie als elder stateman die Politik kommentieren? (ich musste sogar googeln um nachzusehen wie man Spindelegger schreibt)
Diese Nullen haben schon jetzt, wo sie an der Macht
sind, nichts zu sagen, als Politpensionäre werden
ihre Kommentare nicht einmal Gähnen, geschweige denn eine Reaktion hervorrufen.

Lilly Rush
 
00
5.11.2011, 23:00

"Altpolitikern scheint ziemlich fad zu sein"
- und Aktivpolitiker scheine ziemlich faul zu sein.

Ich war nicht mit jedem dieser Altpolitiker in seiner Aktivzeit zufrieden, bzw. mit einigen ihrer Ansichten, DENNOCH: Wichtig ist das HIER und JETZT.
Es muss JETZT endlich etwas getan werden um den Sumpf trocken zu legen, um Freunderlwirtschaft und Korruption endlich abzustellen.
Die derzeitigen Parteien sind nur noch zum SELBSTZWECK da. Das Wohl Österreichs oder seiner Bürger ist längst nur noch zweit oder dritttrangig.

Mir ist egal wer sich diesem Sumpf entgegenstellt - Hauptsache es bewegt sich etwas.

Kremser
04
5.11.2011, 14:03
Vranz

du hast soviel verbockt, sei einfach still!

Dr Stänkerer
00
5.11.2011, 06:01
Warum nicht?

In vielen Kulturennder Welt sind ältere Menschen als Ratgeber sehr angesehen und begehrt. Ich würde manchen Jungpolitikern wünschen, sie hätten die Chance, mit Busek, Schmidt oder Vranitzky ein paar intensive Fachgespräche zu führen.
Ex-Politiker können auch etwas ganz besonderes, daß wir bei Aktiven nie sehen: Fehler zugeben!

Emil Sacklinger
 
41
4.11.2011, 12:51
viel schlimmer

es ist ihnen nicht nur fad - vor allem sind sie fad. urfad sogar.

(hannes, erhard, heide, franz & konsorten - senile langeweiler/in der sonderklasse)

der tueftler
03
4.11.2011, 11:32
machen wir uns selbst ein bild!

es ist völlig egal, VON WEM ideen ins spiel gebracht werden. auch ist egal, was die proponenten früher getan haben oder auch unterlassen haben. wichtig sind nur die ideen selbst. da mögen einige absurd sein; ok, werfen wir sie weg. andere sind kaum umsetzbar; ok, warten wir ab. aber einige sind dringend und sollten rasch umgesetzt werden; packen wirs an!

die reform des bundesrates etwa ist überfällig! eine verwaltungsreform ebenso. für die aktive politik, die auf hinz und kunz rücksicht nehmen will, sind das unmögliche aufgaben. denken sie an die abschaffung eines eigenen autokennzeichens für bad aussee. und schon regen sich proteste... lächerlich, aber leider real. drum sind anstöße von außen äußerst wichtig!

Andreas W
11
4.11.2011, 09:57
Mit der Unabhängigkeit dieser Herren wird's nicht weit her sein!

Wer sagt denn, dass sie nicht wieder nur Eigeninteressen verfolgen und bei wem auch immer mit Berater- und/oder Konsulentenhonoraren überschüttet werden?!
Der Androsch war nie und wird niemals irgend was für andere tun, das hat er schon oft genug bewiesen, dass er ein egoistischer, menschenverachtender Kapitalist ist, den nur seine eigenen Milliarden und deren Vermehrung interessieren!
Und jemand, der sich von einer Bank beschenken lässt, ist für mich auch über keinerlei Zweifel erhaben.
Die Menschen sollten endlich kapieren, dass es keine Heilsbringer gibt, weil jeder zuerst mal seine eigenen Interessen vertritt und dann kommt lange gar nichts - entweder die Mehrheit wacht endlich auf oder sie wird weiterhin perfide ausgebeutet und verarsc

Andreas W
11
4.11.2011, 09:50
Konstruktive Kritik kann nie schaden, aber

Von Herren, die immer nur Eigeninteressen verfolgt haben ist sie wohl verzichtbar; Androsch hat noch nie was für andere getan, im Gegenteil hatte dieser fiese Ausbeuter immer nur seine primitiven Interessen verfolgt (Ausbeuten möglichst vieler Menschen in Ö, um ausschließlich sich selbst mit Milliarden zu bereichern und als die Hungerlöhner zu teuer wurden, weil es in Moldawien und China billigere gibt, sind seine Produktionsstätten ganz schnell abgewandert)!

Wieviel hat der Vrantzi gleich noch nach seiner Politkarriere von einer Bank für eine Euro-Beratung nachgeschoben bekommen? Genaugenommen war es wohl eher ein Pensionsgeschenk, denn eine Bank, die eine Euroberatung braucht, ist keine.

truly
01
3.11.2011, 21:48
"und bitte am nasenringe herumführen, das sag ich euch gleich,

lassen wir uns nur von der krone!"

faery
07
3.11.2011, 19:19
was soll der zwergenaufstand von kraeuter und amon? die eignen sich nicht mal als stiefelknecht fuer persoenlichkeiten wie busek, androsch, vranitzky,...

re flexion
21
3.11.2011, 21:51
Busek und Vranitzky

Haben die nicht gemeinsam von 1991 - 1995 Kanzler und Vizekanzler gegeben? Hatte da nicht Haider seinen großen Aufstieg vor allem auch wegen der Reformunfreudigkeit und dem Stillstand der großen Koalition?

Und die zwei wissen jetzt plötzlich wie es geht? Persönlicheiten, wo andere nicht mal Stiefelknechte ...

A Voice
00
4.11.2011, 21:48
Das ist es ja, was mich so grantig macht

solange sie am Ruder sind sind sie durch die Bank austauschbar kurzsichtig und klientelgetrieben. Kaum sind sie weg von der Ruderbank werden ein paar auf einmal gscheit (und zwar wirklich) - warum erst jetzt?!

faery
02
3.11.2011, 22:24
und es wird unter bundeskanzler faymanns und vizekanzler spindeleggers aegide, zu straches endgueltigem triumph kommen. wer ist jetzt daemlicher?

jene die zur damaligen zeit nicht die unmittelbaren erfahrungswerte hatten und genau so im parteikäfig gefangenen waren, oder jene die aus den letzten zwanzig jahren absolut nichts gelernt haben.

und auch nichts lernen wollen.

re flexion
11
3.11.2011, 23:34

1. Ich sag ja nicht dass Faymann/Spindelegger besser wären. Aber die Glorifizierung der beiden ist schon eigen.

2. Haider stieg damals wegen Reformstau (Ausländer kamen erst später), Strache primär wegen Ausländer. Lustigerweise geben die beiden gerade Ratschläge zu Reformen und nicht zum Ausländer-Populismus (für den es damals sicherlich weniger Erfahrungswerte gab). Also vermischen's da nicht die Themen.

faery
00
4.11.2011, 05:44
zu glorifizierung neige ich nicht, hier genuegen die nackten tatsachen.

auf den reformstau naeher einzugehen hab ich mir erspart, da die gruende hier schon in jedem zweiten posting dargelegt wurden und sich ein wiederkaeuen nicht lohnt.

re flexion
10
4.11.2011, 14:32
Fehlen die Argumente

weils auf Leersätze zurückgreifen müssen?

J. Reichhart
03
3.11.2011, 19:15
in der zigarettenaschen von helmut schmidt steckt mehr intelligenz und weitblick,

mehr politischer gestaltungswille und mehr charakter als in den köpfen von faymann, spindelegger, kräuter und amon zusammen!

von anderen ganz zu schweigen.

bzw_
 
04
3.11.2011, 17:24

(1) warum sollen altpolitiker ihre meinung nicht äußern, wenn ihnen danach ist? altpolitikern sind privatmenschen.
(2) sie haben sich lange ohnehin in äußerster geduld geübt. aber in heikelen momenten, geht nichts über ein paar erfahrene zwischentöne.
(3) die kritik der kräuters, amons und co täuscht darüber hinweg, dass ihr eigentliches problem menschen sind, die eine eigene wertorientierte meinung haben. zuviel selbstbewusstsein ist ihnen nicht verträglich.
(4) als kürzlich vranizky auf einer veranstaltung von einem telefonat mit kräuter berichte, war des letzteren kritik erwartungsgemäß stumm, das grinsen in seinem gesicht ließ eher vermuten, dass es hier jemanden besonders freut, von so hoher stelle gekannt und erwähnt zu werden.

Karin Lehmann1
 
02
3.11.2011, 17:19
die Altpolitiker sind unabhängig, das ist der Schlüssel

wer nicht mehr auf das Wohlwollen der Netzwerke angewiesen ist, nicht mehr Machtspiele betreiben muss und erreicht hat, was im Leben zu erreichen ist, kann unbekümmert nach der Wahrheit und der besten Lösung suchen. Es gibt sie noch, die Altpolitiker, seien wir froh!

Bangkok
03
3.11.2011, 17:11
Jeder - somit auch ehemalige Politiker - hat das Recht, seine Stimme zu erheben. Das ist nunmal so in einer Demokratie und nennt sich schlicht Meinungsfreiheit.

Sollen nicht so wehleidig sein, die amtierenden...

feuerhaken.org
01
3.11.2011, 16:57
Amon und Kräuter...

Wenn mir ein Amon oder ein Kräuter nachfolgen würde und dabei nicht mal als Karikatur meiner ehemaligen Tätigkeit geeignet ist, wär ich auch versucht was zu sagen...

A Voice
01
3.11.2011, 16:56
Kritik finde ich nur teilweise berechtigt

einerseits haben die meisten recht, andererseits zipft es mich ziemlich an, daß die Aktiven komplett verantwortungslos nur auf die Beliebtheitswerte schielen und in dem Moment Weitsicht, Volkswirtschaft und Verantwortung entdecken in dem sie nicht mehr aktiv sind. Manche nicht einmal dann.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 209
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.