Die Trapp-Mania erreicht Salzburg

2. November 2011, 17:57
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Neue Sonderausstellung zu "Sound of Music" und bald ein eigenes Museum - Barockmuseum am Mirabellplatz soll weichen

Salzburg - Wo Sound of Music draufsteht, stimmt die Quote. Jährlich kommen rund 300.000 Gäste allein wegen des 1965 mit fünf Oscars prämierten Filmmusicals über das Leben der singenden Familie Trapp an die Salzach. Sound of Music sei neben Mozart und dem Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht das dritte touristische Alleinstellungsmerkmal Salzburgs, sagt der Fremdenverkehrsreferent der Landesregierung, Landeshauptfraustellvertreter Wilfried Haslauer (VP). Der unter der Regie von Robert Wise entstandene Film gilt als der ökonomisch dritterfolgreichste Streifen aller Zeiten.

Seit 23. Oktober nascht auch das Landestheater am Sound of Music-Kuchen mit. Das Musical wird erstmals in Salzburg aufgeführt; der Publikumserfolg - mit Wietske van Tongeren als Maria und Uwe Kröger als Baron von Trapp - dürfte wohl kaum zu vermasseln sein.

Was den Welterfolg der Trapp-Geschichte, dessen Grundstein Maria von Trapp mit ihrem 1949 erschienenen Buch The Story of the Trapp Family Singers ausmacht, versucht eine neue Sonderschau im Salzburg Museum darzustellen. Dabei wird die Lebensgeschichte der Trapps, die aus wirtschaftlicher Not als Familienchor auftreten mussten und die 1939 aus Salzburg in die USA emigrierten, dem von den Musicalmachern Richard Rodgers und Oscar Hammerstein geschaffenen Edelweiß-Idyll gegenübergestellt.

Haslauer, auch Museumsressortchef der Landesregierung, sieht den globalen Erfolg der Story in den darin vermittelten Werten begründet: "die Kraft der Familie, die Freude an der Musik und dass man zu seinen Überzeugungen stehen kann". Historisch und politisch sei Sound of Music wichtig, zeige es doch, "dass 1938 nicht alle 'Heil' gebrüllt haben".

So wie vonseiten des Landestheaters betont wird, Sound of Music sei nun endlich heimgekehrt, betont auch Museumschef Erich Marx, die Ausstellung nicht nur für die weltweite Fangemeinde konzipiert zu haben. Man wolle die Salzburger mit Sound of Music versöhnen. In den vergangenen Jahrzehnten wäre der Stoff nicht zuletzt auch aus Scham an der eigenen Salzburger Mitschuld - etwa an der Emigration der Trapps - hierzulande ignoriert worden.

"Sound of Music"-Museum

Die Sonderschau im Salzburg Museum kann auch als Probelauf für ein eigenes Sound of Music-Museum gesehen werden. Haslauer und Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) dürften sich bereits über einen Standort geeinigt haben. Das Barockmuseum am Mirabellplatz soll dem neuen Sound of Music -Zentrum weichen. Eine von Landeshauptfraustellvertreter David Brenner (SP) ins Spiel gebrachte Sound of Music-Stätte auf der Festung Hohensalzburg ist so gut wie vom Tisch.

Touristisch ist der Standort Mirabellplatz ideal. Dort starten die Sound of Music-Bustouren zu den Originaldrehplätzen des Hollywoodstreifens. Eröffnung laut Haslauer: 2013 bis 2015.   (Thomas Neuhold / DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2011)

Die Sonderausstellung "Die Trapp-Familie" ist im Salzburg Museum täglich bis 3. November 2012 zu sehen (www.salzburgmuseum.at). 

Im nunmehr vor der Auflösung stehenden Barockmuseum läuft noch bis 4. Dezember eine Ausstellung zu Rembrandts Radierungen (www.barockmuseum.at).

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    Die sieben Kinder Georg und Agathe von Trapps mit Stiefmutter Maria Augusta und der Hauskaplan Franz Wasner

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