Schräge Kreaturen

2. November 2011, 16:57
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Schritt für Schritt zeigt die Künstlerin Isabell Ott, wie ihre "Wolperdinger" entstehen

Kunst im Fernsehen - das ist meistens eine schwierige Partnerschaft. Für gewöhnlich entstehen daraus entweder Frontalvorträge mit Bewegtbildern oder missglückte Versuche, das Publikumsinteresse mit aberwitzigen Zugängen zu locken. Die Zuschauer springen auf diese verzweifelt wirkenden Angebote eher nicht an, und so kommt es, dass naturwissenschaftliche Themen im Hauptabend, Kunst- und Geisteswissenschaften über weite Strecken bestenfalls ein Nischendasein führen.

Ein Beispiel, wie aus dem Dilemma der adäquaten Vermittlungsform herauszufinden sein könnte, liefert der digitale Spartenkanal ZDF Kultur bei einem Themenschwerpunkt über Dracula.

Neben Guy Maddins bildschönem Tanzfilm Dracula - Pages from a virgins diary und drei Dokumentationen zu gegenwärtiger und vergangener Rezeption macht ein schlanker Zwölfminüter klar, dass sich Kunst um das Zwischenreich nicht von selbst erschafft, sondern ganz konkrete Handgriffe braucht: Schritt für Schritt zeigt die Künstlerin Isabell Ott, wie ihre "Wolperdinger" entstehen.

Die schrägen Fantasiekreaturen fertigt sie, wie es die Tradition verlangt, aus verschiedenen Tierteilen. Otts Dracula-"Wolperdinger" besteht aus einer Grundplatte, auf die sie Hirschkopf, Geweih, Kruzifixe und eine sorgfältig sortierte Auswahl an Alltagsmüll setzt. Die Arbeit an dem unheimlichen Tier erledigt sie in zielgerichteter Konzentration. Otts wichtigstes Hilfsmittel: die Heißklebepistole! Zum Schluss bekommt das unheimliche Tier noch Puppenaugen - und fertig. Kurzweiliger Kunstunterricht auf hohem Niveau. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 3.11.2011)

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Isabell Ott auf ZDF Kultur: zdf.de/ZDFmediathek

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