Ermittlungen um möglichen Betrug bei Internetpokerrunde dauern an

2. November 2011, 13:57
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Beschuldigter (24) bestreitet Vorwürfe - Stadtpolizei Baden: Bisher keine weiteren angeblichen Opfer bekannt

Ein vergangene Woche aufgeflogener möglicher Betrug bei einer Internetpokerrunde beschäftigt weiterhin niederösterreichische Kriminalisten. Die Ermittlungen würden andauern, sagte Oberst Walter Santin von der Stadtpolizei Baden am Mittwoch auf Anfrage. Bei den Untersuchungen seien Spezialisten des Landeskriminalamtes am Wort. Noch gebe es keine Ergebnisse. Er könne auch nicht sagen, wann das der Fall sein werde, so Santin.

In den Fall involviert sind ein Wiener und ein Schweizer als mutmaßliche Opfer sowie ein in England lebender deutscher Staatsbürger (24) als Täter. Letzterer bestreitet laut Santin nach wie vor die gegen ihn gerichteten Vorwürfe. Wenn man Pech im Spiel habe, werde stets ein Schuldiger gesucht, argumentiere der 24-Jährige.

Trojaner

Dem Deutschen wird von den beiden Mitspielern in der Internetpokerrunde vorgeworfen, mittels USB-Stick einen "Trojaner" auf ihren Computern installiert zu haben, wodurch er die Möglichkeit gehabt hätte, ihre Karten zu sehen und somit das Spiel zu beeinflussen. Der Schweizer hätte dadurch in den vergangenen Wochen 350.000 US-Dollar (247.175 Euro), der Wiener 40.000 US-Dollar (28.249 Euro) an den Mann verloren.

Bei allen drei Männern handle es sich um Profi-Pokerspieler, sagte Santin. Weitere angebliche Opfer des 24-Jährigen seien - zumindest bei der Stadtpolizei Baden - bisher nicht bekannt. Im Casino der Kurstadt bei Wien läuft noch bis zum (morgigen) Donnerstag die Poker-Europameisterschaft.

Aus diesem Grund hielten sich auch der Wiener und der Schweizer ebenso wie der 24-Jährige in Baden auf. Die mutmaßlichen Opfer suchten den Deutschen in der Nacht auf vergangenen Donnerstag in dessen Hotelzimmer auf "und setzten ihn dort unter Druck, ein Geständnis abzulegen", berichtete die Stadtpolizei am Montag. Der so Genötigte habe die Betrügereien dann auch zugegeben. Vor den Beamten habe der Deutsche jedoch widerrufen und zu Protokoll gegeben, von den beiden anderen Pokerspielern zu dem Geständnis gezwungen worden zu sein.

Weisung

Über Weisung des zuständigen Staatsanwaltes wurden die Computer und Handys des in den Fall involvierten Trios dem Landeskriminalamt NÖ zur Untersuchung übermittelt. Ermittlungen laufen außerdem wegen des Verdachts des Internetbetrugs gegen den Deutschen bzw. der Nötigung und Freiheitsentziehung gegen den Wiener und den Schweizer.

Der "Kurier" berichtete am Mittwoch, dass allein eine Poker-Wohngemeinschaft in London an den 24-Jährigen zwei Mio. US-Dollar (1,47 Mio. Euro) verloren haben soll. Der Schaden könnte die zweistellige Millionengrenze sprengen. (APA)

 

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