Britisches Gericht erlaubt Auslieferung nach Schweden

2. November 2011, 12:27
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Wikileaks-Gründer soll sich dort Vorwürfen der sexuellen Gewalt stellen

London - Ein Londoner Gericht entschied am Mittwoch, dass Wikileaks-Gründers Julian Assange an Schweden ausgeliefert wird. Das Gericht hat damit die Genehmigung seiner Auslieferung durch ein untergeordnetes Gericht bestätigt. Die schwedische Justiz will den 40-jährigen Australier zum Vorwurf der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung vernehmen.

Die Behörden in Schweden gehen Vorwürfen nach, Assange habe zwei Freiwillige in seiner Organisation vergewaltigt und sexuell belästigt. Die Anwälte von Assange haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt, zudem sei das Auslieferungsbegehren rechtlich fragwürdig, argumentieren sie.

Die schwedischen Behörden sprechen in den beiden Fällen von sexueller Nötigung, sexueller Belästigung und Vergewaltigung. Der Vergewaltigungsvorwurf unterteilt sich im schwedischen Recht in drei Stufen, was die Schwere der Tat angeht. Die niedrigste trifft auf die Vorwürfe zu, denen sich Assange ausgesetzt sieht.
Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu vier Jahre Gefängnis.

Betroffene Frauen "gewissermaßen erleichtert"

Die beiden Frauen, die Assange Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorwerfen, reagierten nach Angaben ihres Anwalts mit Erleichterung auf das Urteil in London. "Sie sind gewissermaßen erleichtert", sagte Claes Borgström am Mittwoch der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Es sei schwer für die beiden Frauen gewesen, "mit dieser Unsicherheit zu leben". Ihm zufolge wurden die mutmaßlichen Opfer auch in Internetnetzwerken verbal angegriffen.

Erneute Berufung möglich

Assange wurde vor elf Monaten in Großbritannien festgenommen, befindet sich unter strengen Auflagen derzeit aber auf freiem Fuß. In drei Wochen soll entschieden werden, ob Assange das Recht hat, in die nächste Instanz zu gehen und vor dem Obersten Gericht erneut zu berufen. Er muss glaubhaft machen, dass es sich um eine juristische Frage von öffentlicher Bedeutung handelt, damit sein Fall vor dem Supreme Court behandelt werden kann. Sollte der Supreme Court die Behandlung des Falls ablehnen, würde Assange innerhalb einer Frist von zehn Tagen an Schweden ausgeliefert werden. (red)

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