Österreichische Signa greift nach Kaufhof

2. November 2011, 17:51
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Der österreichische Immobilien-Investor Signa will mithilfe des griechischen Reeders George Economou der deutschen Metro die Kaufhof-Warenhäuser abkaufen

Der österreichische Immobilien-Investor Signa will mithilfe des griechischen Reeders George Economou der deutschen Metro die Kaufhof-Warenhäuser abkaufen. Doch auch Karstadt-Eigner Berggruen ist interessiert.

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Berlin - Lange Zeit ging gar nichts. 2008 schrieb Eckhard Cordes, scheidender Vorstandsvorsitzender des deutschen Handelsriesen Metro, die 139 Kaufhof-Warenhäuser zum Verkauf aus. Doch es tat sich nichts. Jetzt gibt es jedoch gleich zwei Interessenten, die an den Häusern Gefallen gefunden haben, berichtet das Handelsblatt.

Einer davon ist der österreichische Immobilien-Investor Signa, der zurzeit rund 1,5 Milliarden Euro in Luxusshops und ein Luxushotel (Louis Vuitton, Park Hyatt) in der Wiener Innenstadt steckt. "Wir haben der Metro ein offizielles Angebot für Kaufhof vorgelegt und befinden uns in fortgeschrittenen Gesprächen. Wir sind stark interessiert und hoffen, die Verhandlungen in den nächsten Wochen zu Ende bringen zu können", sagte Signa-Geschäftsführer und -Gründer René Benko am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Um in die Bücher der Kölner Warenhaus-Gruppe blicken zu können, soll die Signa-Gruppe ein Kaufangebot von mehr als 2,4 Milliarden Euro genannt haben. Experten schätzen, dass alleine die Immobilien 1,3 Milliarden Euro wert sind. Das operative Geschäft, das Signa ebenfalls übernehmen will, soll sich auf 600 bis 700 Millionen Euro belaufen.

Griechisches Geld

Die Fäden im Hintergrund zieht offenbar der griechische Reeder und Milliardär George Economou, der mit einem geschätzten Vermögen von 1,7 Milliarden Euro als reichster Reeder Griechenlands gilt. Er hält die Hälfte der Immobilienfirma Benkos. Branchenkenner gehen davon aus, dass der 57-jährige Reeder versucht, das riskante Frachtgeschäft mit Zukäufen in neuen Geschäftsbereichen krisenfester zu machen.

"Wir sind eigenkapitalstark und liquide, diesen Nachweis haben wir auch gegenüber der Metro erbracht", sagt Signa-Chef Benko. Dies gelte sowohl für die Signa-Gruppe als auch für ihren Gesellschafterkreis. Unterstützt werden soll der Kauf vom ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, den Benko als "vermögenden Mitaktionär" von Signa bezeichnet.

Benko stellt klar, dass die Signa-Gruppe sich nicht mit anderen Interessenten zusammenschließen wird: "Wir sind gewohnt, primär allein zu investieren." Für die Kaufhof-Filialen interessiert sich auch der deutsch-amerikanische Investor und Kunstsammler Nicolas Berggruen. Er hat im Jahr 2010 nach der Pleite des deutschen Arcandor-Konzerns die insolvente Karstadt-Kette mit ihren 115 Häusern deutschlandweit übernommen. Jetzt will er offenbar seinen langgehegten Plan von einer großen Warenhaus-Allianz der beiden Traditionshäuser erfüllen. Metro bestätigt, dass Berggruen ein Angebot vorgelegt hat, Zahlen wurden jedoch keine genannt.

Den Grundstein für Kaufhof legte der Textilhändler Leonhard Tietz 1879 in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern). Er eröffnete ein Geschäft für Knöpfe, Garne, Wollwaren und Stoffe. Rund ein Vierteljahrhundert später war er der erste Warenhausbetreiber, der sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte.

Die deutsche Kaufhof-Warenhauskette, für die 19.300 Mitarbeiter tätig sind, befindet sich seit 25 Jahren im Besitz von Metro. Der Umsatz betrug zuletzt 3,5 Milliarden Euro, vor Steuern und Zinsen verdiente das Unternehmen im Jahr 2010 138 Millionen Euro. 1994 schluckte Kaufhof den Konkurrenten Horten. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.11.2011)

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    Die Traditionshäuser Kaufhof und Karstadt will Investor Nicolas Berggruen zusammenlegen.

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