Schweinezucht: Tierschützerprotest am Landwirtschaftsministerium

2. November 2011, 12:27
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Kastenstandhaltung neuerlich als "rechtswidrige Tierquälerei" angeprangert - Verbands der Schweinebauern: "Billiger Aktionismus"

Wien - Mit einer Aktion der nicht gerade alltäglichen Art haben heute, Mittwoch, Tierschützer in Wien gegen die Kastenstandhaltung in der Schweinezucht protestiert. Um 6.00 Uhr erklommen zwei Mitglieder des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) die Außenfassade des Landwirtschaftsministeriums am Stubenring. In rund zehn Metern Höhe befestigten sie ein 14 Meter langes Transparent mit der Aufschrift "Schweine leiden im Kastenstand! Berlakovich schaut weg!". Die Aktivisten bezeichnen die Haltung von Schweinen in Kastenständen als "rechtswidrige Tierquälerei".

Kritik übten die Tierschützer vor allem an Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich: Im September 2010 hatte die Volksanwaltschaft erkannt, dass die Kastenstandhaltung tierschutzgesetz- und damit verfassungswidrig ist. Anfang März 2011 wollte Gesundheitsminister Alois Stöger eine Verordnungsänderung erlassen, die die Kastenstandhaltung auf 43 Tage pro Jahr reduziert hätte. "Trotz klarer Aussagen der Nutztierwissenschaft, dass Kastenstände Tierquälerei sind und funktionierende Alternativen existieren - in Schweden, Norwegen und der Schweiz sowie in der Biohaltung in Österreich sind Kastenstände verboten - stellte sich Landwirtschaftsminister Berlakovich quer. Bis heute betreibt er eine Blockadepolitik", hieß es in einer Aussendung.

"Lieber billiger Aktionismus als Fakten"

Harsche Kritik kam am Mittwoch auch aus der Gegenrichtung: "Scheinbar setzt der Verein gegen Tierfabriken lieber auf billigen Aktionismus anstatt sich mit Fakten auseinanderzusetzen. Denn ohne Ferkelschutzkorb würden jährlich rund 500.000 kleine Ferkel qualvoll erdrückt", hieß es in einer Aussendung des Verbands der Österreichischen Schweinebauern (VÖS) 

Ein Verbot des Ferkelschutzkorbs hätte für die österreichischen Schweinebauern weitreichende Folgen: Die kleinen heimischen Betriebe könnten dem europäischen Wettbewerbsdruck nicht standhalten, viele müssten zusperren. Als Folge müsste Schweinefleisch künftig aus dem EU-Ausland importiert werden - und zwar aus Ländern, in denen der Ferkelschutzkorb nicht verboten ist. Dies sei nicht im Sinne der Konsumenten, so der VÖS, und präsentierte eine Umfrage, dieser zufolge es 98,45 Prozent der Konsumenten "sehr wichtig" oder "wichtig" sei, dass ihr Schweinefleisch weiterhin aus Österreich stammt.

Einer IFES-Umfrage zufolge seien dennoch 80 Prozent der Menschen in Österreich für ein Kastenstandverbot. "Doch Landwirtschaftsminister Berlakovich stehen die Lobbyisten der Tierindustrie näher, als die Mehrheit im Volk. Wenn er glaubt, mit seiner Vogelstraußpolitik durchzukommen, hat er sich getäuscht", gab sich VgT-Obmann Martin Balluch kämpferisch. Seinen Angaben zufolge wurden seit Anfang September die öffentlichen Auftritte des Ministers bereits mehr als 30 Mal von Tierschutzprotesten unterbrochen. (APA)

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    Die Aktivisten bezeichnen die Haltung von Schweinen in Kastenständen als "rechtswidrige Tierquälerei".

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