Eurokrise (nicht nur) für Dummies - Teil 2

Gastkommentar

Die Griechenlandkrise und danach - Von Michel Reimon

Warum steht nun also Griechenland am Rande des Abgrunds? Fassen wir vier Ausgangspunkte zusammen:

  1. Es wurde schon hoch verschuldet in den Euro aufgenommen (es gehörte wie Italien zu jenen Ländern, für die die Maastricht-Hürde von 60 Prozent des BIP nicht galt)
  2. Es gibt keinen wirksamen EU-Mechanismus gegen die Fortführung der Defizit-Politik
  3. Die Wirtschaftskrise hat die Situation vor drei Jahren enorm verschärft
  4. Ein Drehen an der Inflationsschraube ist den Griechen nicht möglich

Nun kommen die Rating-Agenturen ins Spiel: Staatsschulden sind kein statischer Berg von Schuldpapieren, sondern setzen sich aus sehr vielen einzelnen Finanzierungen mit unterschiedlichen Laufzeiten zusammen. Das Risiko ist gestreut. Das bedeutet: Jeder Staat zahlt konstant relativ kleine Kredite zurück. Ein Land, das ein Budgetdefizit aufweist, kann das logischerweise nicht aus den Einnahmen tun. Um alte Kredite zurückzuzahlen, nimmt der Staat dann ebenso konstant neue auf. Die neuen Kredite haben wieder eine Laufzeit von einigen Jahren oder Jahrzehnten.

Höhere Zinslast erschwert die Rückzahlung der Kredite 

Damit die neuen Kreditgeber eine Richtlinie haben, wie sicher ihr Investment ist, gibt es Ratingagenturen, die die Bonität des Landes bewerten. Sinken die Ratings eines Landes, werden die neuen Kredite teurer. Das hat natürlich einen selbst verstärkenden Effekt: Die höhere Zinslast erschwert die Rückzahlung der Kredite weiter und kann die nächste Herabstufung nach sich ziehen, und so weiter. Um die Dimension zu verdeutlichen: Griechenland zahlt derzeit für neue Anleihen sechs Prozent Zinsen. Die simple Zinseszinsrechnung zeigt, dass sich damit der Schuldenstand alle zwölf Jahre verdoppelt - zusätzliche, neue Budgetdefizite gar nicht mit gerechnet! Im Jahr 2007 betrug Griechenlands Verschuldung noch 95,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2008 waren es 99,2 Prozent und 2009 schon 112,6 Prozent (ca. 300 Mrd Euro).

Verschleierung mit Bilanztricks

Die aktuelle Krise wurde öffentlich sichtbar, als in Griechenland im Herbst 2009 die Regierung wechselte und Giorgos Papandreous Leute die Staatsfinanzen durchleuchteten. Griechenland steckte da wie gesagt schon in einem Defizitverfahren, weil es angeblich einen Budgetabgang von sechs Prozent hatte - Papandreous Leute rechneten neu und kamen auf ein Minus von über zwölf Prozent. Die Differenz war mit Bilanztricks mit Hilfe amerikanischer Banken verschleiert worden.

Im ersten Halbjahr 2010 war Griechenland de facto pleite und konnte Staatsanleihen nicht mehr aus eigener Kraft umschulden. Hätte es den ersten Kredit nicht mehr bedient, wäre das System wie ein Pyramidenspiel zusammengebrochen. Und natürlich hätte nicht nur Griechenland darunter gelitten (binnen kürzester Zeit hätte der Staat keinerlei Ausgaben mehr tätigen können), sondern ganz Europa. Konkurse europäischer Großbanken hätten natürlich nicht nur deren Aktionäre getroffen, sondern in einer Kettenreaktion die ganze europäische Wirtschaft.

Das Schulden-Ringelspiel

Also kratzten die Regierungschefs der EU Geld zusammen, um es den Griechen zu borgen. Man muss berücksichtigen: Alle Länder, die Griechenland Kredit gewähren, haben ja selbst ein Defizit und besorgen sich das Geld auf den Finanzmärkten. Wenn also Österreich Griechenland eine Million Euro borgt, dann wird diese nur durchgeschleust. Das funktioniert, weil Österreich kreditwürdiger ist als Griechenland. Weil Österreich geringere Zinsen zahlt als Griechenland verstieg sich Österreichs Kanzler Faymann gegenüber den Medien auch mal zur Aussage, das Rettungspaket werde noch ein Geschäft.

Natürlich versuchten alle Regierungschefs, ihren Beitrag möglichst gering zu halten. Die Frage lautete zunächst: Bei welcher geringst möglichen Unterstützung der anderen Staaten gewinnen die Finanzmärkte das Vertrauen zurück und geben Griechenland wieder Kredite zu bezahlbaren Konditionen? Der Versuch, diese Grenze zu finden, führte zu dem hektischen Reigen von Regierungskonferenzen, auf denen im Februar, März und April 2010 immer höhere Summen genannt wurden. Deutschland zögerte die Verhandlungen hinaus, da am 9. Mai die wichtigen Landtagswahlen in Nordrhein-Westfahlen anstanden. Am 2. Mai wurde ein Hilfspaket beschlossen: Griechenland erhielt die Zusage über 80 Mrd Euro. Der Internationale Währungsfonds IMF legte noch was drauf und sogar die EZB kaufte griechische Anleihen. Letzteres sorgte für große Aufregung, vor allem in Deutschland: "Sündenfall" nannte die Süddeutsche Zeitung dieses Vorgehen später, weil die EZB von ihrer strikten Stabilitätspolitik erstmals minimal abging.

In Summe wurde Griechenland 110 Mrd Euro zugesagt. Damit sollten in den nächsten drei Jahren auslaufende Kredite umgeschuldet werden. Nur: Das Land brauchte kurzfristig Geld. Und "die Märkte" wollten es trotz dieses Hilfspaketes nicht rausrücken. Griechenlands Zinsen stiegen, gleichzeitig gerieten Italien, Portugal und Irland in eine ähnliche Problemlage.

Euro-Rettungsschirm

Nach nur einer Woche war klar, dass dieser Rettungsversuch gescheitert war. In der Nacht vom 9. zum 10. Mai, wenige Stunden, nachdem in NRW die Wahllokale geschlossen hatten, einigten sich die Finanzminister daher die Einführung des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM, umgangssprachlich Euro-Rettungsschirm genannt.

Der ESM hat ein Volumen von 750 Mrd Euro. Ein Drittel stellt der Internationale Währungsfonds zur Verfügung, 60 Mrd kommen aus dem Budget der EU, für die fehlenden 440 Mrd wurde der EFSF gegründet - eine Gesellschaft, die Geld auf dem Kapitalmarkt aufnimmt, für das alle Mitgliedstaaten der Eurozone haften, was zunächst zu einem AAA-Rating führte. Der EFSF nimmt also Anleihen zu günstigen Konditionen auf und gibt sie an Schuldnerländer weiter. Es wird aber nach wie vor nur umgeschuldet, die ganze Konstruktion verteilt das Risiko auf mehrere Staaten und senkt so die Zinsen. Griechenland etwa zahlt für fast 160 Mrd Euro vom EFSF "nur" 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von 15 Jahren.

Um diese Konstruktion durch alle nationalen Parlamente zu bringen brauchte es bis Dezember 2010. Schon ab März 2011 waren die Beschlüsse de facto wieder hinfällig: Die Finanzmärkte drohten, dem EFSF sein Spitzen-Rating zu entziehen, weil immer mehr Euroländer unter Druck gerieten. Um die Zinsen niedrig zu halten, wurde der Vertrag geändert. Jedes Land haftet nun nicht mehr nur für seinen Anteil, sondern darüber hinaus. Das musste wieder durch alle nationalen Parlamente; erst vor drei Wochen zerbrach die slowakische Regierung daran, im ersten Anlauf keine Mehrheit zu finden.

Der EFSF und der übergeordnete ESM-Rettungsschirm wurden im Sommer 2010 als temporäre Hilfe für drei Jahre beschlossen. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das nicht reichen wird. Auch 2013 werden die betroffenen Staaten noch Hilfe bei der Umschuldung brauchen. Daher haben die Regierungen der Eurozone im März 2011 auch entschieden, den ESM in eine dauerhafte Institution umzuwandeln. Das ist ein Beschluss, der so weitreichend ist, dass er eine Änderung der EU-Verträge erfordert.

Dazu gleich mehr. Wichtig ist in den nächsten Monaten jedenfalls, zwischen dem jetzt schon existierenden temporären ESM und den Verhandlungen für den noch zu schaffenden dauerhaften ESM ab 2013 zu unterscheiden. Die identische Abkürzung führt da immer wieder zu Verwirrung - und ich habe das Gefühl, oft wissen nicht mal Wirtschaftsredakteure, dass es sich um zwei verschiedene Abkommen handelt.

Griechenlands Haircut und der Hebel

Der derzeitige ESM hat also einen Rahmen von 750 Mrd Euro und soll alle Umschuldungen der Problemländer bis Mitte 2013 abfangen. Der Großteil davon wurde schon eingesetzt, im größten Teilbereich, also dem EFSF, stehen nur noch rund 250 Mrd zur Verfügung. Dieser Restbetrag wird nicht lange genug reichen, schon gar nicht, wenn auch Italien keine Umschuldungen auf dem Finanzmarkt mehr erhält. Die dramatischen Aktionen, die derzeit die Zeitungen füllen, dienen also vor allem der Überbrückung und müssen entsprechend eingeordnet werden.

Da ist zunächst der Haircut Griechenlands. Im Prinzip ist das ein Ausgleich: Um einen Totalausfall zu verhindern, verzichten die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen. Die Regierungschefs, vor allem Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, haben die Bankenvertreter vor die Wahl gestellt: Entweder ihr erlasst Griechenland 50 Prozent der Schulden, oder wir helfen nicht weiter aus. Dann geht Griechenland pleite und ihr verliert alles.

Um vier Uhr morgens lenkten die Vertreter des Bankenverbandes IIF ein. Das Problem: der IIF spricht nicht für alle Gläubiger, sondern nur für einige Großbanken. Was die Vereinbarung tatsächlich wert ist, wie viele der Gläubiger tatsächlich mitmachen, werden wir erst sehen, wenn es in einigen Wochen zur Umwandlung der alten Kredite in neue kommt - oder auch nicht. Auf wie wackeligen Beinen dieser Haircut steht, zeigt sich am besten daran: Mitten ins Schreiben dieses Textes platzte die Nachricht, dass der griechische Präsident Papandreou die mit dem Paket ebenfalls verbunden radikalen Spar- und Privatisierungsmaßnahmen in Griechenland einer Volksabstimmung, verbunden mit der Vertrauensfrage, unterziehen will. Die Stimmung in der Bevölkerung scheint derzeit eindeutig gegen das Paket zu sein - also vielleicht beginnt das neue Jahr für die Griechen nicht mit Schuldenerlass, sondern mit einer neuen Regierung. Oder alles ist morgen schon wieder ganz anders.

Der Hebel ist im Prinzip die Garantie

Wie auch immer, der von Merkel und Sarkozy durchgeboxte Haircut hat noch eine andere Folge: Wer soll Eurostaaten wie Italien nun in großen Umfang Geld borgen, wenn man jederzeit zum Verzicht auf einen Großteil der Forderung genötigt werden kann? Nicht zufällig wurde daher gleichzeitig beschlossen, die verbliebenen 250 Mrd Euro des EFSF als Hebel zu verwenden. Der Hebel ist im Prinzip eine Garantie. Es gibt mehrere Vorschläge zur Umsetzung, der Unterschied ist im Wesentlichen die Verteilung des Risikos zwischen EFSF und privaten Investoren. Diskutiert wird zum Beispiel, dass der EFSF Kredite zu 20 Prozent besichert. Ein Beispiel: Gibt jemand einen fünf Mio Euro Kredit an Italien und kommt es dort irgendwann auch zu einem Schuldenschnitt, so würde der EFSF die ersten 20 Prozent Verlust, also eine Million abdecken.

Diese Garantie soll das Vertrauen wieder herstellen und so die Zinsen für neue Umschuldungen senken. Wenn die Finanzmärkte darauf einsteigen, könnte man mit den verbliebenen 250 Mrd Euro im EFSF also 1.250 Mrd Euro neue Kredite besichern, darum nennt man das Hebel. Die genaue Konstruktion ist derzeit Gegenstand hektischer Verhandlungen. Weder Risiko noch Hebelwirkung lassen sich also im Moment seriös abschätzen.

China als Hoffnungsträger

Die europäischen Regierungen versuchen so, weiteres internationales Kapital aufzutreiben, die größte Hoffnung ruht dabei auf China. Schon am Tag nach dem Griechenland-Haircut flog Klaus Regling, der Manager des EFSF, für dringende Verhandlungen ins Reich der Mitte. Das Land mit den größten Devisenreserven der Welt soll Europa bei der Umschuldung helfen, indem es mit dem EFSF kooperiert und Anleihen zu bezahlbaren Zinsen zur Verfügung stellt. Begründet wird das damit, dass Europa für China ein unersetzbarer Markt ist, der nicht in Schwierigkeiten geraten darf. Dass die Chinesen, wenn sie auf Zinseinnahmen verzichten, andere politische Forderungen stellen werden, kann man sich wohl leicht vorstellen.

Und noch etwas geschieht: Die Europäische Zentralbank darf den in Not geratenen Staaten keine Kredite gewähren, aber sie kauft auf dem Markt bereits ausgegebene Anleihen auf und stabilisiert die Zinsen auf diese Weise. Damit bringt sie Geld in Umlauf und beeinflusst die Inflation entgegen ihrem Auftrag. Die Bank hat zwar kein Gaspedal, aber in der Not einen Workaround gefunden. Ihr Chef Trichet rechtfertigte das mit der "Störung der Märkte". Gestern, am 1. November, übergab er mitten im ärgsten Sturm den Chefsessel an den Italiener Mario Draghi. Der gilt als beinharter Inflationsbekämpfer und Hartwährungspolitiker. Wie er aber sein Amt tatsächlich ausführen wird, vor allem wenn sein Heimatland selbst auf der Kippe steht, wird man sehen. Das kann in wenigen Monaten über Wohl und Wehe der Union entscheiden.

Diese vier Faktoren - Haircut, Hebelwirkung, neue Investoren und EZB-Politik - sollen den Euro über die nächsten zwei Jahre bringen, bis der dauerhafte ESM installiert ist. Diese Faktoren wirken zusammen, ändert sich bei einem etwas, beeinflusst das die Wirkung der anderen. Da keiner dieser Punkte fixiert ist, haben wir in den nächsten Monaten wohl eine recht turbulente Nachrichtenlage vor uns.

Der dauerhafte ESM

Mindestens genau so spannend sind die parallel laufenden Verhandlungen über den permanenten ESM. Österreich ist das einzige Land der Eurozone, in dem die Regierungsmehrheit nicht für den Abschluss der Verhandlungen ausreicht. Für die notwendige Vertragsänderung ist eine 2/3-Mehrheit im Parlament erforderlich, für die Rot-Schwarz eine weitere Partei brauchen. Da die rechte Opposition schon klar gemacht hat, dass sie keinesfalls zustimmen wird, ist die Regierung - und damit letztlich die gesamte Eurozone - von der Zustimmung der österreichischen Grünen abhängig. Das ist eine Verhandlungs-Position, in die man als Opposition eines Kleinstaates nicht oft kommt.

Vor diesem Hintergrund habe ich zusammen mit Martin Margulies und anderen beim Grünen Bundeskongress in Innsbruck vor zwei Wochen einen Antrag eingebracht, wonach mit der Einführung des ESM auch eine gerechtere Steuerfinanzierung ausverhandelt werden muss, Stichwort Vermögenssteuern. Es kann nicht sein, dass dieser Rettungsschirm ausschließlich von den kleinen Einkommen finanziert wird. Die Grüne Zustimmung wurde auch an ein geordnetes Entschuldungsverfahren für betroffene Staaten gekoppelt, weil ein ewiges Umschichten von Schulden nicht das Ziel des ESM sein kann. Der Antrag wurde mit über 200 Pro-Stimmen und nur einer Gegenstimme angenommen. Werner Kogler ist der mit den Verhandlungen betraute Mandatar. Vor ihm liegen wohl die interessantesten Monate seines Lebens...

Die Vereinigten Staaten von Europa

Aber egal, wie die Entwicklungen rund um EFSF und neuen ESM ausgehen, das Grundproblem wird durch sie nicht gelöst werden: Der sogenannte Stabilitäts- und Wachstumspakt ist genau das Gegenteil. In schlechten Zeiten viel Geld auszugeben und in guten Zeiten den Haushalt zu konsolidieren, ist mit ihm nicht möglich, schon gar nicht in Verbindung mit der strikten Hartwährungspolitik der EZB. Diese Konstruktion verleitet alle Regierungen im besten Fall dazu, konstant drei Prozent Defizit zu machen. Und seit die Verwarnungen nicht mehr ernst genommen werden, ist jede Regierung sogar versucht, auch über diese Grenze zu springen und ein größeres Defizit als alle anderen zu machen, um die Kosten auf diese abzuwälzen. Es gibt mit diesem Pakt keinen Anreiz für ein einzelnes Land, seine Schulden zu verringern. Genau das wird aber notwendig sein, sobald die akute Krise überstanden ist, und die Einsicht dazu steigt. Griechenland könnte so indirekt wieder zur Wiege eines neuen Europas werden.

Gemeinsame Wirtschaftsregierung - und die "Vereinigten Staaten von Europa"

Die Idee der gemeinsamen Wirtschaftsregierung macht schon länger die Runde, und letztlich ist sie unausweichlich. Aber natürlich ist das wieder nur ein halber Schritt: Eine Wirtschaftsregierung kann nicht sinnvoll losgelöst von allen anderen politischen Feldern arbeiten. Was wir brauchen, sind die Vereinigten Staaten von Europa, eine europäische Regierung und ein vollwertiges Europaparlament. Alles andere sind Provisorien, mit denen sich all die Kanzler, Premiers und Präsidenten an ihre Macht klammern.

In den "Sieben Todsünden der EU" beendete ich das Euro-Kapitel so: "Deswegen gehen viele Beobachter davon aus, dass der Euro die Integration weiter vorantreiben wird, als jedes andere Projekt der EU. Der Druck, eine abgestimmte Wirtschaftspolitik zu betreiben, könnte letztlich die nationalen Regierungen zwingen, die entsprechende Macht abzugeben und zu bündeln und damit auch das ewige Spiel der nationalen Egoismen entscheidend einzuschränken. Auch eine abgestimmte Steuerpolitik und eine Sozialunion scheinen dann möglich.

Denkbar ist aber auch das Gegenteil: die Währungsunion scheitert irgendwann an den auseinander strebenden Entwicklungen. Das wäre für die Union eine Belastungsprobe, an der sie auch zerbrechen könnte. Der Euro könnte sich also zur 'Alles oder Nichts-Frage' der EU entwickeln." So schaut's immer noch aus. (Michel Reimon, derStandard.at, 3.11.2011)

"Eurokrise (nicht nur für) Dummies" Teil I

Autor

Michel Reimon MBA, ist Landtagsabgeordneter Landessprecher der burgenländischen Grünen; www.reimon.net

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Die usa sind schon länger -

kein vorbild mehr für eine soziale, fortschrittliche demokratie - u. obamas bemühungen greifen doch zu kurz.

Schon von daher wäre eine koordinierte, auch kreative, europäische vielfalt hilfreicher als einfältiges nachäffen einer strauchelnden supermacht wie den usa. Russland u. china sind offensichtlich noch weniger als vorbilder geeignet, daher ist ein europäisches, sozial-wirtschaftliches, politisches modell dringend gefragt!

Der Vorschlag von Schulmeister "Eurobonds" mit festen Zinssatz gehört

politisch aufgegriffen und umgesetzt.
Ich finde es zuwenig wenn die Grünen im Rahmen der Zustimmung für den ESM nur mehr Gerechtigkeit bzw.Vermögensstuer fordern. Notwendig wäre die Auflage eines großvolumigen Eurobonds mit festen Zinssatz.
Dieser sollte gleich so umfassend angelegt sein, dass man damit gleich die weiteren Problemfälle Italien etc. sanieren kann. Die Zustimmung für den ESM durch die Grünen sollte unbedingt diese Forderung enthalten.

Wie was? Dem fixen ESM mit seinen Bestimmungen zustimmen?

Kann jetzt aber nicht der Ernst der Grünen sein.

Nett recherchiert - Problem leider völlig verkannt

Selbst wenn alle „technischen“ Barrieren aus dem Weg geräumt wären, so würde dies noch lange nicht das Funktionieren von Vereinigten Staaten von Europa bedeuten. Diese blieben ein nicht vermittelbares, fragiles Gebilde aus einem trivialen aber wichtigen Grund: dem Fehlen einer gemeinsamen Sprache und tief verwurzelten Identität. Von der unverzichtbaren Identität einer Gesellschaft mit verinnerlichter Solidarität (=Gemeinschaft) um auch Länder in der wirtschaftlichen Peripherie ohne Wenn und Aber durch Finanzausgleich mitzunehmen sind wir Lichtjahre entfernt. Gleiches gilt für die Vermittelbarkeit von Politik. Lieber Herr Reimon, hören Sie auf zu träumen; Europa gibt es nur auf der Landkarte. Die richtige Abkürzung für Ihr Europa lautet EWG.

Es lässt sich schon recht gut vermitteln. Mittlerweile ist auch in Österreich eine halbe Generation durch die Schulen gegangen, die Österreich als Teil der EU sieht. Probleme gibt es vielleicht unter relativ ungebildeten Leuten mit Problemen im Job, die leichter nationalistischen Rattenfängern auf den Leim gehen. Aber diese Unterschicht hat sonst auch nicht viel zu entscheiden vor allem auch, weil sie viel zu klein ist.

und auch der zweite Teil: Toll! Danke!

Eins noch: "Es kann nicht sein, dass" ist keine (gute) Argumentation... Inhaltlich stimme ich zu - kleinere Einkommen können den Rettungsschirm nicht finanzieren - aber dafür gibt es doch Argumente! :)

euro - beim geld hört sich die freundschaft auf... ;-)

danke für die beiden interessanten artikel!

Alternativlos

Guter Artikel. Trotzdem oder gerade deswegen halte ich den Zusammenbruch des Euro und damit der gesamten EU für "alternativlos" und kann nur hoffen, dass bei einer abgespeckten Neukonstruktion (Kerneuropa), die Politik aus den Fehlern gelernt haben möge.

Es soll kein Land ausgeschlossen werden, allerdings müssen zuvor und jederzeit Kriterien erfüllt werden, bei sonstigem Stimmrechtsentzug. Das wäre nämlich das Allerschlimmste, was einem Politiker passieren könnte.

vielen dank, toller artikel

Dringende Bitte an Herrn Reimon: unbedingt auf Englisch übersetzen

Das ist (speziell in der kompakten Form) so ziemlich das vernünftigste, das ich in den letzten Monaten zu dieser Thematik gelesen habe.

Das sollte auch international "verbreitet" werden - dafür wäre aber eine Übersetzung ins Englische notwendig. Bitte DRINGEND andenken!

Los geht's: http://piratepad.net/QQC3FBV2Xw
Das Ergebnis kann der Author dann verwerten.

ist hiermit CC BY-NC-SA 3.0

have fun :-)

es war von anfang an klar, daß es einmal zu einer europäischen regierung kommen muß, oder alles bricht wieder auseinander. und jetzt ist es so weit. so oder so.
leider sind die politiker noch immer nicht bereit, macht abzugehen, und auch die völker verharren in ihren natinalismen.
es sieht also danach aus, als würde alles auseinanderbrechen und die nationalstaaten wäre wieder die größten einheiten. das aber wird den verfall das kontinents nur noch beschleunigen und europa wird sich auf der seite afrikanischer staaten wiederfinden, was den einfluß in der welt anbelangt und auch der wohlstand wird sich afrika anpassen.
und das alles nur, weil sich die menschen nicht von einer idee des 19. jhdts. trennen können ... selber schuld!

Ich denke, so schlimm wird es nicht kommen. Das Projekt EU ist schon sehr weit gekommen. Und ich vermute, wenn es genug weh tut, werden die derzeitigen Probleme die EU schneller zusammenführen.
Afrika könnte von uns lernen. Vor allem was Wohlstand, Lebensmittelerzeugung und Geburtenkontrolle betrifft.

Oja, wieder ein super Artikel
(oje, aber leider jetzt mit ideologischer Schlagseite :( Muss das sein? Gerade die griechischen Wahlen und wie Papandreou an die Macht kam - Versprechung es wäre genug Geld für die Modernisierung vorhanden! - hätten man beleuchten müssen. Es ist auch deswegen ungenau, weil schon Simitis eine kreative Buchführung hatte. Es hat also schon Tradition, dem Vorgänger falsche Statistiken vorzuwerfen, um sich damit aus den eigenen Wahlversprechen flüchten zu können. Dazu brauchts dann keine Hilfe "amerikanischer" Ostküsten? -Banken! Nur hat Papandreou diesmal übertrieben und seine Worte hörte man auch international.)

Ein vielleicht ebenso guter Artikel zum Nachlesen:
http://www.lpb-bw.de/finanzkri... nland.html

Übersichtlich und gut ... danke für die Zusammenfassung!!

Ich finde es für unsere Zeit bezeichnend, dass Papandreou und seine Leute in manchen Kreisen als die Buhmänner kolportiert werden WEIL sie genauer hingeschaut und gerechnet haben...
GLEICHZEITIG hat das system fast kein problem mit den deutschen und irischen leuten die sich ein wenig "verrechnet" (wem hat es genützt?) haben...

Das systemchen funktioniert offensichtlich genau so lange bis sich einer zur wahrheit durchringt

Ein selbstbezügliches lügen netzwerk ohne reales fundament, dass nur einigen sehr wenigen nützt.

Da ist was dran.

.... für Dummies ....

weil in Wirklichkeit ist alles ganz anders ....

Ihrer geschätzten Meinung nach nämlich wie?

Bin ich froh, dass die "Entscheidungen waren wirklich sehr gut vorbereitet."
Nun verhält es sich so, dass mit dem Euro eigentlich das System EU steht und fällt. Fällt allerdigs die EU, dann sehe ich durchaus eher schwarze Zeiten auf uns zukommen. Zuerst werden ale ausgeblutet, was zum Bürgerkrieg, und letztlich vlt. zu einem Europa-Krieg (Kriege nach außen zur Ablenkung der innneren Probleme) führt (wie es auch ein anderer Poster bereits schrieb).
Und dann gute Nacht.

Danke Herr Reimon!

Ich weiß, ich bin ein alter pessimist.
Aber wenn der Euro noch 20 Jahre bestehen sollte, und weiter Mittel wie EFSF und ESM(besonders der dauerhafte) zur weiteren Versklavung der Bürger eingesetzt werden, dann haben wir in 20 Jahren einen Polizeistaat oder Bürgerkrieg.

Aber ich bin mir sicher die fähigsten Leute dieses Landes werden den Karren nochmal aus dem Dreck ziehen. z.B. Frau Fekter...

Ein System, das "wie ein Pyramidenspiel ...

... zusammenbrechen" kann, IST offensichtlich ein Pyramidenspiel.

Wie brechen Pyramidenspiele zusammen? Außer der Staatsanwalt klopft an die Haustür? Genau!
Das Wort wurde auch vom "zusammenbrechenden Kartenhaus" entlehnt. Dort macht es auch mehr Sinn ;)

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