"Ich stelle keine Freifahrtscheine aus"

2. November 2011, 11:26
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ÖFB-Teamchef Marcel Koller hat den Betreuerstab und den ersten Kader bekanntgegeben - Lands­mann Schmid, Janeschitz und Konrad

Wien - Der Zeitpunkt, an dem Marcel Kollers Sehnsucht nach dem Fußballplatz, wo bekanntlich die Musi spielt, gestillt wird, rückt näher. Am 8. November versammelt der Schweizer 23 österreichische Fußballer, die seiner Meinung nach besten des Landes, in Wien um sich. "Bisher war vieles Theorie und Organisation. Jetzt beginnt endlich die Praxis. Ich bewege mich gerne auf dem Rasen, das ist das A und O."

Eine Kader-Bekanntgabe ist trotzdem unvermeidbar. Kollers erste, sie betrifft die Partie am 15. November in Lemberg gegen die Ukraine, dauerte eine Stunde. Sie wurde am Mittwoch live im Fernsehen übertragen. Vom Hauptsponsor Raiffeisen hat der neue Teamchef einen gelben Fußball geschenkt bekommen, das muss einem erst einmal einfallen. Das Land steht für Innovation. Koller hat sich artig bedankt. Der Kader ist frei von Sensationen, zwei Debütanten hat er zu bieten. Die Austrianer Florian Mader und Heinz Lindner, der ist im Verein zweiter Tormann. Auch der erste, Pascal Grünwald, gehört dem Aufgebot an. Ekrem Dag und Paul Scharner fehlen aufgrund von Verletzungen. Dass Österreich ein mittelgroßes Tormannproblem hat, stritt Koller nicht ab. "Er kann aber nicht immer das ärmste Schwein sein. Alle Feldspieler müssen für den Torhüter arbeiten."

Fordernde Fachkräfte

Kollers Stab steht nun fest. "Neue Gesichter, neue Impulse." Sein Landsmann Fritz Schmid (52) ist Ko-Trainer, er übersiedelt aber nicht nach Wien. Thomas Janeschitz (45) ist der zweite Assistent, er soll Spiele beobachten. Otto Konrad (47) kümmert sich um die Tormänner. Weitere handelnde Personen sind Roger Spry (Conditioning Coach), Gerhard Zallinger (Sportwissenschafter), Richard Eggenhofer (Teamarzt), Mike Steverding und Michael Vettorazzi (Physiotherapeuten) sowie Christoph Ogris, ein Sporttherapeut. Möglicherweise stößt noch ein Mentalbetreuer dazu. Koller: "Alles Fachleute. Sie sind offen und direkt, nicht abwartend, sondern fordernd. Sie sollen Ideen reinbringen, eine Einheit bilden, für die Mannschaft da sein. Keiner darf denken, dass er wichtiger als der andere ist. Sonst bekommt er Schwierigkeiten."

Sportdirektor Willi Ruttensteiner, der nach der Strukturreform im ÖFB wichtiger geworden ist, wird eher nicht auf der Bank sitzen. "Das ist das Revier des Trainers. Mein Platz ist die Tribüne, aber nicht die Ehrentribüne. Die technisch-taktische Arbeit, die Arbeit auf dem Platz und die Aufstellung sind Sache von Koller." Der Teamchef stimmt dem zu. "Es ist klar, dass wir uns intensiv austauschen, aber schlussendlich habe ich die Oberhand. Ich will meine Vorstellungen umsetzen, und das geht nicht mit Spielern, die mir aufgeschwatzt werden."

Koller gab in der Fragestunde Grundsätzliches preis. "Es ist wichtig, dass jeder im Klub Vollgas gibt. Es gibt keine Garantie, immer dabei zu sein, ich stelle keine Freifahrtscheine aus." Jede Position müsse doppelt besetzt sein. Ein 4-2-3-1-System sei denkbar. "Jedes System ist nur ein Gerüst, man muss variabel sein." Wer wird Kapitän? "Das lasse ich mir offen. Er soll der verlängerte Arm des Trainers sein und seine Philosophie tragen." Koller hat übrigens Marko Arnautovic getroffen und ihm eine DVD geschenkt. "Mit seinen besten Szenen. Unter vier Augen war er angenehm, er ist ein hervorragender Fußballer. Was er nicht ist, hört er eh dauernd."

Ziel für das Ukraine-Spiel "ist ein positives Ergebnis. Wir dürfen nicht blind ins Verderben rennen". Er, Koller, sei kein Wunderwuzzi. "Ich kann nicht versprechen, dass wir uns für die WM 2014 qualifizieren. Ich kann aber versprechen, dass wir alles dafür tun werden. Wir brauchen Hoffnung und Realismus." Sollte gegen die Ukraine verloren werden, "geht die Welt nicht unter. Aber wir verlieren nicht." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 03.11.2011)

 

Der von Neo-Teamchef Marcel Koller nominierte 23-Mann-Kader der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft für das Testspiel am 15. November in Lwiw (Lemberg) gegen die Ukraine:

Tor: Robert Almer (Fortuna Düsseldorf/0 Länderspiele), Pascal Grünwald (Austria/3), Heinz Lindner (Austria/0)

Abwehr: Aleksandar Dragovic (FC Basel/14), Christian Fuchs (Schalke/46/1 Tor), Florian Klein (Austria/10), Georg Margreitter (Austria/0), Manuel Ortlechner (Austria Wien/7), Emanuel Pogatetz (Hannover/46/2), Sebastian Prödl (Werder Bremen/31/3), Franz Schiemer (Salzburg/21/4)

Mittelfeld: David Alaba (Bayern München/15), Julian Baumgartlinger (Mainz/17), Christopher Drazan (Rapid/3), Andreas Ivanschitz (Mainz/51/8), Zlatko Junuzovic (Austria/16/1), Veli Kavlak (Besiktas/14), Florian Mader (Austria/0), Christopher Trimmel (Rapid/3)

Angriff: Marko Arnautovic (Werder Bremen/15/5), Martin Harnik (Stuttgart/27/6), Erwin Hoffer (Eintracht Frankfurt/27/4), Marc Janko (Twente Enschede/23/9)

Auf Abruf: Jörg Siebenhandl (Wiener Neustadt/0) - Christopher Dibon (Admira/1/1), Markus Suttner (Austria/0), Jakob Jantscher (Salzburg/9/1), Stefan Kulovits (Rapid/5), Daniel Royer (Hannover/6), Stefan Schwab (Admira/0), Manuel Weber (Sturm Graz/1), Philipp Hosiner (Admira/1), Roman Kienast (Sturm Graz/11/1), Stefan Maierhofer (Salzburg/19/1)

Das neue ÖFB-Trainerteam:

Teamchef: Marcel Koller (SUI/50 Jahre)

Co-Trainer: Thomas Janeschitz (45) und Fritz Schmid (SUI/52)

Tormann-Trainer: Otto Konrad (47)

Conditioning Coach: Roger Spry (60)

Sportwissenschaftler: Gerhard Zallinger

Teamarzt: Richard Eggenhofer

Physiotherapeuten: Mike Steverding und Michael Vettorazzi

Sporttherapeut: Christoph Ogris

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    Koller setzt auf sieben Spieler der Wiener Austria. Neuer Co-Trainer wird der Schweizer Trainerausbildner Fritz Schmid.

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