Multiple Sklerose: Neues Medikament verringert Schübe

2. November 2011, 11:28
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Monoklonaler Antikörper Ocrelizumab vermindert die Anzahl von an der Entstehung der MS beteiligten Immunzellen

Eine internationale Forschergruppe unter Leitung der Universität Basel konnte in einer in 20 Ländern durchgeführten klinischen Studie belegen, dass der neu entwickelte monoklonale Antikörper Ocrelizumab die Anzahl von an der Entstehung der Multiplen Sklerose (MS) beteiligten Immunzellen schnell vermindert und die krankheitsbedingten entzündlichen MS-Herde und klinischen Schübe effizient verringert. Die Studienergebnisse wurden in der Medizinzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht.

Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung, bei der das Immunsystem der Betroffenen das zentrale Nervensystem angreift. Diese Attacken führen zu Entzündungen und zu Episoden mit neurologischen Störungen (Schübe) sowie in vielen Fällen zu einer fortschreitenden körperlichen Behinderung.

Entgegen früheren Annahmen, dass die Entzündung bei MS ausschließlich durch T-Zellen - sie steuern die zellulären Reaktion des Immunsystems - kontrolliert wird, legen neuere Befunde nahe, dass B-Zellen - sie bestimmen die antikörpergebundene Immunreaktionen - treibende Kraft für pathologische Immunreaktionen sind, so die Universität Basel in einer Aussendung.

Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Ludwig Kappos, Forschungsgruppenleiter am Departement Biomedizin der Universität Basel und Chefarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsspital Basel, hat einen neuen humanisierten monoklonalen Antikörper (Ocrelizumab), der gezielt CD20 positive B-Zellen vermindert, bei Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose in einer Phase II Studie geprüft. CD20 ist ein Oberflächenprotein, das auf bestimmten B-Zellen exprimiert wird.

Geringere Schubhäufigkeit

In der doppel-blinden und placebokontrollierten Studie haben die Forschenden die Wirksamkeit und Sicherheit von zwei Dosierungen von Ocrelizumab bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose untersucht. Das neue Medikament verminderte die Anzahl bei monatlichen Kernspintomografien nachweisbarer aktiver Herde in der niedrig dosierten (600 mg) Ocrelizumab-Gruppe um 89 Prozent und in der hoch dosierten (2000 mg) Gruppe um 96 Prozent gegenüber der Placebogruppe. Die Schubhäufigkeit war um 80 bei der niedrigeren und 72 Prozent bei der höheren Dosis auch signifikant tiefer als in der Placebogruppe. Deutliche Vorteile zeigten sich für beide Dosierungen auch im Vergleich mit einer Behandlung mit Interferon Beta. Schwere Nebenwirkungen waren selten und in allen Therapiegruppen in ähnlicher Häufigkeit beobachtbar.

Die Wissenschaftler kommen zum Schluss, dass bei aller Vorsicht das Ausmaß der Wirkung von Ocrelizumab auf MS-Herde und klinische Schübe im Vergleich zu etablierten Behandlungen, aber auch zu den meisten anderen in Entwicklung befindlichen Substanzen im Vorteil ist. An der Studie nahmen 218 Patienten aus 79 Zentren in 20 Ländern teil. Die Probanden waren zwischen 18 und 55 Jahre alt und hatten schubförmig-remittierend verlaufende Multiple Sklerose. Das neue Medikament soll nun in länger andauernden Phase III Studien mit mehr Patienten weiter getestet werden. (red)

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