Wikileaks-Gründers Assange scheitert erneut im Kampf gegen Auslieferung

2. November 2011, 10:52

Assange scheitert erneut im Kampf gegen Auslieferung

Der Internet-Rebell und Wikileaks-Gründer Julian Assange hat im Kampf gegen seine Auslieferung erneut eine Niederlage vor Gericht einstecken müssen. Der 40 Jahre alte Australier darf von Großbritannien an Schweden ausgeliefert werden, entschied der Londoner High Court am Mittwoch in zweiter Instanz. Schweden wirft ihm Sexualstraftaten vor. Das Gericht verwarf damit eine Berufung von Assange gegen ein Urteil in erster Instanz.

Berufungsmöglichkeit

Assange hat nun eine weitere Möglichkeit zur Berufung am Supreme Court. Diese muss er binnen 14 Tagen schriftlich einreichen. Das Gericht will danach innerhalb weniger Tage entscheiden, ob die Berufung angenommen wird. Assange selbst ließ die nächsten Schritte in seinem Verfahren zunächst offen. Reporterfragen vor dem Gerichtssaal beantwortete er nicht.

Sein schwedischer Anwalt Björn Hurtig sagte in Stockholm, Assange sei während seines Aufenthaltes in Schweden jederzeit zu Aussagen bei Polizei und Staatsanwaltschaft bereit gewesen. "Das Ganze ist übertrieben", sagte Hurtig. Der Anwalt der beiden schwedischen Frauen die im Zentrum der Anschuldigungen gegen Assange stehen, Claes Borgström, geht von einer Verzögerung von bis zu einem Jahr aus, sollte einem weiteren Berufungsantrag stattgegeben werden.

Ein "grundsätzliches Rechtsproblem" für Großbritannien

Um ein weiteres Verfahren beim Supreme Court zu erzwingen, müsste es Assange und seinen Anwälten gelingen, den Fall als "grundsätzliches Rechtsproblem" für Großbritannien darzustellen. Sollte die Berufung abgelehnt werden, müsste Assange innerhalb von zehn Tagen ausgeliefert werden.

Der Strafrechtsexperte Kai Peters gibt einer weiteren Berufung wenig Chancen. Assange müsste nämlich beweisen, dass der ihm zur Last gelegte Sachverhalt schon nach schwedischem Recht keine Vergewaltigung darstellt, schreibt der Rechtsanwalt im juristischen Onlinemagazin "Legal Tribune ONLINE". Nach dem Europäischen Haftbefehl gibt es keine inhaltliche Prüfung der Vorwürfe, es werde nur überprüft, ob der Sachverhalt in beiden Staaten strafbar ist.

"Fern"

Die von Assange eigentlich befürchtete Auslieferung an die USA ist laut Peters noch "in weiter Ferne". Hier komme herkömmliches Auslieferungsrecht zum Tragen, das auch eine inhaltliche Prüfung vorsehe. Peters zeigte sich auch skeptisch, ob eine Auslieferung wegen Spionagevorwürfen überhaupt möglich wäre. Angeblich soll Assange in den USA wegen eines Anti-Spionage-Gesetzes aus dem Jahr 1917 angeklagt werden.

Die beiden mutmaßlichen Opfer reagierten mit Erleichterung auf das Londoner Gerichtsurteil. Sie sind gewissermaßen erleichtert", sagte Anwalt Borgström am Mittwoch der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Es sei schwer für die beiden Frauen gewesen, "mit dieser Unsicherheit zu leben". Assanges Mutter Christine ist unterdessen in noch größerer Sorge um ihren Sohn. "Jetzt ist die Auslieferung von Julian an die USA noch nähergerückt", sagte Christine Assange am Mittwoch der australischen Nachrichtenagentur AAP. In den USA werde er "gefoltert" werden.

Kann in Schweden als Vergewaltigung gewertet werden

Schweden wirft dem Wikileaks-Gründer vor, im skandinavischen Land im August 2010 sexuelle Gewalt gegen zwei Frauen ausgeübt zu haben. Er soll im August 2010 nacheinander Sex mit den beiden Frauen gehabt haben, ohne deren Einwilligung ungeschützt, wie es heißt. Das kann in Schweden als Vergewaltigung gewertet werden.

Der Internet-Enthüller argumentiert dagegen, es gebe bisher nicht einmal eine Anklage gegen ihn in Schweden. Der Europäische Haftbefehl zu seiner Auslieferung sei nur erwirkt worden, um ihn zu einer Befragung nach Schweden zu holen. Dies sei nicht rechtens und nicht verhältnismäßig.

Außerdem hatte Assange wiederholt geltend gemacht, er fürchte eine Auslieferung von Schweden in die USA. Seine Plattform Wikileaks hatte Tausende vertrauliche Unterlagen unter anderem aus US-Botschaften an die Öffentlichkeit gebracht. Assange lebt seit Februar auf dem Anwesen eines befreundeten Journalisten in England unter strengen Auflagen. Er muss eine elektronische Fußfessel tragen und sich täglich bei der Polizei melden. (APA/dpa)

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19 Postings
Wieviel Demokratie ist es bitte?
02
2.11.2011, 23:38
Der Link auf WikiLeaks unter'm Artikel ist wrong

Da habt ihr eine derstandard-url vorangestellt/vergessen zu eliminieren, whatever.

Dieser funktioniert:

http://www.wikileaks.org/

moski0815
00
2.11.2011, 22:28

Und wieder ein Wikileaks-Artikel doppelt! Lieber Standard, redet ihr bei euch nie miteinander oder warum bringt ihr so gut wie jeden Wikileaks-bezogenen Artikel mehrmals in verschiedenen Rubriken?

maruh
01
2.11.2011, 19:22

klingt eher nach - wir haben nichts, komm und sag was dazu. danach darfst du vielleicht wieder gehen

mal davon abgesehen sagt das "opfer" selbst sie hätten einvernehmlichen sex und sie fühlte sich danach vergewaltigt. was übringes in keinem rechtsstaat zu ermittlungen geschweige denn zu einer anklage führen würde

danerk
00
2.11.2011, 18:12
Teil 3

Aber ja - die Menschen schauen zu, sind bestenfalls darin bestätigt, dass man als einzelner keine Chance gegen die Mächtigen hat und warten ab, bis sich die Lage wieder bessert.

Die moralische Krise ist überstanden und die unbequeme Wahrheit über die wahre Natur westlicher Demokratien ist auf die Frage reduziert, ob man Vergewaltigung gut oder schlecht findet.

danerk
13
2.11.2011, 18:01
Teil 1

Bei der ganzen Berichterstattung und manchen Posting hier wird mir richtig schlecht.

Vor nicht allzu langer Zeit - als die Cables veröffentlicht wurden - noch als großer Befreier gefeiert, scheint Wikileaks jetzt irgendwie wieder total "out" zu sein. Reduziert auf eine "Vergewaltigungsanklage", welche in 26 von 27 Ländern niemals diese Bezeichnung bekommen würde. Ich möchte dabei nichts schönreden - falls die Anklage stimmen sollte, ist das absolute Respektlosigkeit gegenüber den zwei Frauen, dies auch sanktioniert werden muss. Aber was in den Medien überbleibt ist "Assange, der Vergewaltiger". Hallo? Dabei geht es ja schießlich um

danerk
03
2.11.2011, 18:00
Teil 2

mehr, als nur einen weiteren Trend in einer langen Kette von anderen modischen Erscheinungen einer ohnehin schon kleineren Gruppe interessierter Menschen.
Bei der Veröffentlichung der Cables hat die Welt für einen kleinen Moment ihr wahres Gesicht gezeigt: "böse" Webserver wurden ohne die Notwendigkeit von Netzsperren plötzlich unerreichbar gemacht; Mastercard, Paypal, Visa, Amazon und Co war das geltende Recht auch nicht mehr so wichtig. Ganze Staaten beugten sich plötzlich.
Und das alles in wenigen Stunden. Und das ist das eigentlich erschreckende. Da frage ich mich jetzt, wie wirklich wichtig die ganzen anderen Enthüllungen sind, die täglich in den Medien präsentiert werden.

joebufu
00
2.11.2011, 16:20

Oh man und das in einem europäischen Land. Und mir wird was erzählt von Menschenrechten. Weil er nicht gefragt hat? Soll man jetzt jedesmal vor dem Geschlechtsverkehr fragen: darf ich auch ohne Verhütungsmittel??? kann eigentlich auch er Anglake wegen Vergewaltigung stellen, weil er nicht informiert wurde dass die Frauen nicht die Pille nehmen ???

Sovydaz
00
2.11.2011, 16:16
Ich bin ein großer Fan der Idee hinter Wikileaks und die Nötigungs-Geschichte ist definitiv zweifelhaft...

Aber wäre es nicht mal schön, hierbei Klarheit zu schaffen? Nach allem, was bisher war, halte ich eine Auslieferung in die USA für sehr unwahrscheinlich und wenn damals in Schweden tatsächlich nichts Schlimmes passiert ist, warum sagt Assange nicht einfach dazu aus?

Mir geht das Ganze langsam ziemlich auf die Nerven und bei WL geht deshalb auch nix weiter... Wegen einer Person...

Samuel Himmelberg
00
2.11.2011, 14:52
Assange hat sich die Wut von USA und NATO auf sich gezogen..

Daher laut CIA: der Mann muss weg. Wir CIA finden immer schon einen Weg.

http://derstandard.at/131701979... usgespaeht

Samuel Himmelberg
01
2.11.2011, 12:58
Wer hat Interesse Assante mundtot zu machen?

Da kann sich Assange soviel wehren wie er will. Am Ende landet er in der von Obama für ihn in Guantanamo reservierten Zelle.

Prof. Wolf
00
2.11.2011, 15:01
Nein es wird ein anderes Gefängniss genommen. Eines das noch niemand kennt, am besten eines das nicht von der USA betrieben wird.

LCD
10
2.11.2011, 12:30
Anonymous könnten ja die Daten der Richter die an dieser fehlentscheidung beteiligt waren, veröffentlichen...

Menü 13
01
2.11.2011, 11:50
Strauss Kahn oder Grasser müsste man eben sein ;)

valcoholic
212
2.11.2011, 11:22
wissen diese leute überhaupt noch

was sie ihm eigentlich anhängen, oder ist das mittlerweile ohnehin schon egal geworden?

§126c Verfechter K.ing Leissner
90
2.11.2011, 11:19

Recht muss Recht bleiben!

Ihre Zeitmaschine

Captain Smoker
00
2.11.2011, 17:18

Die Geschichte ist schon stark "dramatisiert" worden.

Anna Wolymilowana
00
2.11.2011, 13:54
vielleicht sollten sie bissl aus der zeitmaschine rauskommen und das gehirn lüften

Samuel Himmelberg
04
2.11.2011, 12:55

Welches Recht meinen Sie?
Und: Wissen Sie welches Recht hier gilt?
Es gilt das Recht der Mächtigen: Assange ist den Amis auf die Zehen getreten, daher muss er weg. Daher wird ein Fall "erfunden" oder aufgebauscht damit man ihn fangen kann.

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00
2.11.2011, 11:07

Wann?

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