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Riesling Traube mit Willi Bründlmayer.

Kleines Kuriosum - ein ganzer Weinberg in einem Tropfen.
Der Geschmack der Trauben hat sich jetzt eindeutig verändert. Die direkte Frische ist weg, eine beinahe dekadente Süße und Würze dominiert. In den Beeren sind Veränderungen vorweggenommen, die sonst erst im Wein stattfinden.
Die Kälte hat die Säure in den Weinbeeren reduziert - ein Vorgang, der sonst im Winter im Weinkeller stattfinden würde. Die Stielgerüste sind jetzt sehr labil, ein stärkerer Windstoß genügt und schon liegen einzelne Beeren oder ganze Trauben am Boden.
Gegenüber einer Weinlese im September ist die Erntemenge pro Hektar jetzt, Anfang November, stark reduziert... zu Boden fallende Beeren, Verdunstung, die lieben Tiere, Vögel, Rehe und Wildschweine, wandernde und naschende Touristen, alles reduziert die Erntemenge. Die Qualität der zuletzt geernteten Trauben wird aber dann vermutlich die beste sein.
Im Moment probieren wir mit großer Begeisterung vergleichbare Jahrgänge aus der Vergangenheit - zuletzt mit dem elsässischen Käsemeister Bernard Antony im Heurigenhof: 2003, 2000, 1997, 1994, 1992, 1971, alles Jahrgänge, die eine gewisse Vergleichbarkeit haben - alles "Jahrhundertjahrgänge".
Die beste Garantie für Reifefähigkeit sind geschmackvolle, nicht überhastig geerntete reife und gesunde Trauben, die vollkommen schonend und qualitätserhaltend verarbeitet wurden. Ein perfekter Keller mit gleichmäßig kühler Temperatur ist allerdings unbedingt notwendig für die Reifung bei gleichzeitiger Fruchterhaltung.
Das Wort Jahrhundertjahrgang schreib ich, wenn es so gemeint ist, immer unter Anführungszeichen. Die Frage ist ja wozu, wann und wie der Wein verwendet wird. Zum reifen Vollmilchkäse passt halt kaum etwas besser als reifer Grüner Veltliner oder Riesling. Noch dazu, wenn man sich an einem nebelig feuchtem Novembertag nach innerer Erwärmung sehnt. Am „Käseabend“ herausragend schön: Heiligenstein Riesling Lyra 2003.
In Bestform auch: Grüner Veltliner Käferberg 2003. Zum Saiblingsfilet würde ich die beiden Weine allerdings nicht nehmen. Für sich alleine, ohne Essen, zum Ausklang des Abends, sind die beiden Weine ebenso famos, da würde ich sie mit keinem der kühleren Jahrgänge eintauschen wollen.
woher diese österreichische furcht vor zu geringer säure stammt, würd mich ja auch einmal interessieren. ich kann mich noch erinnern, da drohten einem winzer teerung und federung, wenn ein (nicht im barrique ausgebauter) weißwein bsa machte, und das vom winzer vielleicht sogar beabsichtigt war. dass struktur und lebendigkeit nicht a priori von 8mg titrierbarer säure stammen müssen, wird in ö wohl noch lange brauchen ...
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