Bilaterales Abkommen

Grüne und FPÖ kritisieren geplante Weitergabe von Polizeidaten an USA

2. November 2011, 10:54

Betroffene Bürger haben kaum Rechte gegenüber US-Behörden - Zugriff auf DNA- und Fingerabdruck-Dateien

Wien - Ein geplantes bilaterales Abkommen zur Weitergabe österreichischer Polizeidaten an die Vereinigten Staaten stößt bei den Oppositionsparteien Grüne und FPÖ auf Kritik. "Wir lehnen dieses Abkommen ab", sagte der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser der Tageszeitung "Kurier" (Mittwochausgabe). Er bemängelt wie FPÖ-Abgeordneter Harald Vilimsky, dass von der Daten-Weitergabe betroffene Österreicher gegenüber den US-Behörden keinerlei Rechte auf Auskunft oder Löschung hätten.

Das laut der Zeitung "unter intensivem amerikanischem Druck" abgeschlossene Abkommen soll noch heuer vom Parlament in Wien beschlossen werden. Es erlaube den US-Behörden Zugriff auf DNA-Datenbanken, Fingerabdruckdateien und die Identitäten von Terrorverdächtigen. Stellen die USA eine entsprechende Anfrage, prüfen die einheimischen Behörden zunächst, ob ein DNA-Profil oder Fingerabdruck in Österreich registriert sei. Gebe es einen Treffer, werden dann Namen, Geburtsdatum, Geburtsort, Geschlecht, Angaben zu jetzigen und früheren Staatsangehörigkeiten sowie Ausweisnummern der betreffenden Person an die USA übermittelt.

Datenschutzinteressen nicht gewährleistet

Laut "Kurier" werden in den österreichischen Fingerabdruck-Datenbanken nicht nur schwere Straftäter gespeichert, sondern auch "der kleine Deo-Dieb". Der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, sagte der Zeitung, dass bei der Verwendung der Daten "das innerstaatliche Recht" gelte. Das heißt, dass für die weitergeleiteten Daten das US-Recht zur Anwendung kommt. Das dortige Datenschutzgesetz gelte aber nur für US-Bürger, während das Auskunftsgesetz "weitreichende Ausnahmen insbesondere im Justiz- und Polizeibereich" vorsehe, kritisiert Steinhauser. "Die Frage der Durchsetzbarkeit ist schwierig zu beantworten", räumte Grundböck ein.

"In diesem Abkommen sind die Datenschutzinteressen österreichischer BürgerInnen schlicht nicht gewährleistet", schreibt Steinhauser in seinem Blog. Bei unrechtmäßiger Verwendung oder falschen Daten gebe es gegenüber den US-Behörden keinerlei rechtliche Möglichkeiten. Die Richtigstellung oder Löschung könne gerichtlich nicht durchgesetzt werden, es bestehe die Möglichkeit einer internen Beschwerde.

Hintergrund: Visafreies Reisen

Laut dem US-Bürgerrechtsaktivisten Edward Hasbrouck haben österreichische Bürger "keinerlei Rechte" auf Auskunft oder Löschung von Daten, die sie vor einem US-Gericht durchsetzen können. Grundböck verweist aber darauf, dass das Innenministerium "bei einer festgestellten inhaltlich unrichtigen Speicherung von österreichischen Daten" die Löschung oder Richtigstellung in den USA verlangen kann.

Hintergrund des "Abkommens über die Vertiefung der Zusammenarbeit bei der Verhinderung und Bekämpfung schwerer Straftaten" ist offenbar die Teilnahme Österreichs am Programm zum visafreien Reisen in die USA. Früheren Medienberichten zufolge soll Washington gedroht haben, die Visapflicht für Österreicher wieder einzuführen, sollte kein Zugriff auf österreichische Polizeicomputer gewährt werden. Das "Visa Waiver Program" ist jüngst ohnehin massiv ausgehöhlt worden. So muss mittlerweile eine Einreisgebühr von 14 Dollar (10,27 Euro) bezahlt werden, außerdem müssen USA-Reisende vor ihrem Abflug eine elektronische Reisegenehmigung einholen ("Electronic System for Travel Authorization") einholen, was von der EU-Kommission als Visapflicht durch die Hintertür kritisiert wird.

Im November ist das Abkommen im Innenausschuss - im Dezember im Parlament. (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 81
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PaterWilli
00
25.11.2011, 02:28
Verfassungsbruch

Das ist ein Eingriff in die verfassungsmäßigen Rechte der Österreichischen Staatsbürger.

Ihr wollt wiedergewählt werden?

Da müßten wir das alles vergessen, Oder?

GE
00
18.11.2011, 02:04

Den Amis in den A... kriechen!

zimbo
 
00
8.11.2011, 16:23
Nur dass ein paar billig ungestört einkaufen können, opfert man wieder einmal unsere Rechte.

Bin für Kontrolle mit Gummihandschuh, dann werdens sich einige überlegen ins so ein Regime zu fahren.

ganzsichernicht
 
00
8.11.2011, 11:41
...bla,bla, bla...ein NICHT thema! wird 1.) sowieso gemacht und 2.) jeder der auf fb seine spuren hinterlässt, macht ebenso freiwillig.

verbietets doch das internet, das wär nett. ..kommt auch noch, werdets sehen und deswegen trifft es nur die unvorbereiteten...free net.com!

undisputed truth
00
7.11.2011, 07:55

Bitte gleich alle unsere daten auch an die chinesen und russen weitergeben damit wir mit denen keine schwierigkeiten bekommen !

eliphasa
04
5.11.2011, 13:44
bilateral?

und was ist mit den polizeidaten der us-bürger, auf die darf österreich dann auch zugreifen? nein?
dann ist es unilateral und absolut abzulehnen.

ohjehmine
06
5.11.2011, 09:54
Grüne kritisieren > Aber das sicher nicht....

http://www.profil.at/articles/... is-gaddafi

Seine Durchlaucht
14
4.11.2011, 14:09
Die österreichische Polizei gibt also Polizeitdaten an einen SCHURKENSTAAT weiter?

Weit haben wir's gebracht.

the patriot
13
4.11.2011, 13:02
dagegen muss es doch rechtliche schritte geben

das kann (ebenso wie die sache mit den swift-daten) nicht mit geltendem österreichischen recht in einklang stehen.

sonne-licht
 
00
4.11.2011, 12:00
wie wenns in österreich anders wäre

wer weiss schon in österreich in welchen verleumdungslisten der österreicher geführt wird bei ämtern, banken oder anderen institutionen.

lustigerweise wennst in österreich auskunft bekommen willst z.b. um zu klagen wirst automatisch blokiert, verwiesen oder mit plattitüten abgewimmelt.

datenschutz gehört generell gelockert, weil sich immer mehr verbrecher hinter dem datenschutz/unantastbarkeit verstecken und die gesetze beschützen diese auch noch!

der bürger wird entmündigt und viele beamten (meistens auch verbrecher) dürfen über dich urteilen, ohne dich wirklich zu kennen oder befragt zu haben. gleiche einsicht in akten von allen bürgern, wenn ich einen grund angebe, wie eine klage einzureichen/bzw. autounfall.

Theo56
11
3.11.2011, 19:58
Frage an die Juristen

haftet die Ministerin eigentlich dafür, wenn aufgrund der von Ihr weitergegebenen Daten ein Mensch von den USA entführt, gefoltert und womöglich umgebracht wird, wie dies bereits mehrfach gesehen ist.

Konstantin Lewin
00
4.11.2011, 08:21
Nein.

In Österreich haften Politiker nur dann, wenn sie Parteimitglied der Freiheitlichen sind.

Jowanni
00
4.11.2011, 13:42

aber geh, auch da wird fleißig verjährt und im übrigen gilt die unschuldsvermutung.

Theo56
00
3.11.2011, 19:56
interessant, dass gerade bei so einem Thema derart intensiv zens...riert wird !!!

Lichtfreak
11
3.11.2011, 16:06
Wie gross wird das Geschrei ebendieser Politiker,

wenn die ersten Österreicher vom CIA gefangen, verschleppt und watergeboardet werden?

Das haben wir nicht so abgemacht!
Das hätten wir nie geglaubt, dass es soweit....

Falsche, lügende Bande!

Albatros99
01
3.11.2011, 16:04
Alle Achtung

Aufregung allerseits, sicher berechtigt, aber was ist die Folge?.
Irgendwo eine Bewegung in Sicht welche sich formiert?
Das Wetter ist momentan auch nicht so optimal, na ja man wird sehen und klickt sich in ein anderes Forum durch, noch kann man sich ja im Netz vermeintlich gefahrlos aufregen..

Denn man kann ja schließlich nichts machen, wäre ja ein Aufwand und bei der jetzigen und zukünftigen Gesetzeslage, man weiß ja nicht.....

Einfach nur beschämend

Albatros99

frauauswien
14
3.11.2011, 13:23
ich versteh den rest der welt nicht...

... also zumindest nicht die eu. nämlich dass wir uns schon allein bei der einreise in die usa schikanieren lassen müssen und im gegenzug reist der ami komplikationslos in der welt herum. so viel ich weiß hat einzig argentinien den amis diesbzgl gleiches mit gleiches vergolten und womit? mit recht! und jetzt sollen wir also auch noch daten ohne einreise liefern, na danke...

Mostbluzza
13
3.11.2011, 11:18
wird wieder mal zeit

für eine besuch in moskau. der chinese war grad da, dann fragen wir noch den inder und nach brasilien fahren wir dann auf urlaub.

vor wem buckeln wir da? ach ja, warum? die brauchen jeden "freund" wie einen bissen brot. wir nicht.

aber mit unserer komplex...ler diplomatie wird das nix werden. die looser sind immer die, mit dem kleinsten zumpf - wenn er beim türl raushängt. taktieren und selber nachdenken ist halt zu anspruchsvoll für unsere regierung (wie genial nach dem 2.wk).

Jowanni
12
3.11.2011, 09:34
Diese ewigen bilateralen Abkommen

Was mich in diesem Zusammenhang ärgert, ist, dass es einmal so und einmal anders ist. Also: je nachdem, wenn es der USA über die EU schafft etwas durch zu bringen, dann halt über die EU, und wenn das nicht geht, dann halt bilateral, und falls das nicht geht wirds halt wieder über die EU versucht usw.

Die Europäer sollten sich einmal einigen, wer wofür zuständig ist, und mit einer Stimme nach außen auftreten!
Aber Teilen und Herrschen ist auch ganz praktisch.

max grünzweig
27
3.11.2011, 05:44

Wie viel bekommt die ÖVP, wenn sie unsere Daten verscherbelt die aus der Überwachung der Bürger zusammengetragen werden? Die lückenlose Überwachung ist ja das Ziel der ÖVP. Und immer noch gibt es genug De*pen die diese Partei wählen.

Schicke Schickse
123
3.11.2011, 03:08
Na dann eben Visumpflicht - und zwar gegenseitig!

Jedenfalls wäre es komplett unverantwortlich und fahrlässig, irgendwelche Daten in die USA weiterzuleiten, die dort ohne jegliche Kontrolle gebraucht und auch missbraucht werden können. Ohne dass dies jemals wieder rückgängig gemacht werden könnte.
Allein schon die Tatsache, dass der Datenschutz nur für US-Bürger gilt, lässt die Alarmglocken schrillen.
Auch in anderer Hinsicht wurde schon mehrfach bewiesen, dass die USA mit zweierlei Maß misst. Einerseits US-Recht für ihre Bürger - und Guantánamo für den Rest der Welt.
Wie das EU-Mitglied Österreich hier vor einem ausländischen Staat buckelt: unfassbar, würdelos, inakzeptabel.

Uranus
011
3.11.2011, 03:00
WTF is going on here?!

Funktioniert das Abkommen in beide Richtungen? Bekommt Oesterreich die Daten von amerikanischen Polizeicomputer? Die Regierung gibt Daten oesterreichischer Buerger an auslaendische Behoerden weiter um an einem "Visa Waiver Program" teilnehmen zu koennen? Wobei dieses Program sowieso witzlos ist wenn anstatt Visa eine "elektronisch Reisegenehmigung" einzuholen ist (ist nichts anderes als ein elektronisches Visa halt nicht in dem Pass gestempelt). Dieses sogenannte "bilaterale Abkommen" ist nichts anderes als ein Kniefall der oesterreichischen Regierung vor einer auslaendischen Supermacht - disgusting...

Hartung
02
2.11.2011, 21:12

Auch wenn hier nur ein legaler Rahmen für das vereinbart wird, was hinter den Kulissen schon längst passiert — man hätte hier besser verhandeln müssen, bei anderen Abkommen mit den USA geht das ja auch.

byron sully
19
2.11.2011, 21:11

kritik ist aus meiner sicht zu wenig, ein mißtrauensantrag gegen die verantwortlichen (v.a. wohl faymann, spindelegger und mikl-leitner) wäre das mindeste. so was ist mit einem rechtsstaat nun wirklich nicht mehr vereinbar. ich kann mir auch kaum vorstellen, daß so was mit dem völkerrecht konform ist.

Querfront von links
29
2.11.2011, 20:54
Vorauseilender Gehorsam wie anno dazumals

Österreich, die Ostmark des US-Imperiums

lg

Querfront

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