Weshalb Microsoft den Courier-Tablet begrub

Zsolt Wilhelm, 2. November 2011, 11:23
  • Microsoft Courier Studie
    foto: microsoft

    Microsoft Courier Studie

Projekt habe nicht in die Schiene von Office und Windows gepasst - Gates "reagierte allergisch"

Als Microsofts Courier-Tablet Ende 2009 in Form eines durchgesickerten Werbevideos das Tageslicht erblickte, sorgte das digitale Notizbuch mit Dual-Touchscreen für Aufsehen. Noch vor der iPad-Vorstellung schien der Softwarekonzern seine ganz eigene, farbenfrohe Vision des "Post-PCs" zu haben. Wenige Monate später wurde das Projekt begraben und eine Reihe führender Manager - darunter auch Xbox-Erfinder J Allard - verließen das Unternehmen.

Windows im Weg

Wie es dazu kam, hat nun das Branchenmagazin Cnet aufgearbeitet. Interviews mit 18 ehemaligen Microsoft-Managern legen interne Querelen und Rivalitäten offen. In der Hochzeit der Entwicklung sollen bis zu 130 Mitarbeiter eingespannt gewesen sein, mehrere Prototypen seien gefertigt worden. Tatsächlich sei man "nur Monate" vor der Fertigstellung gewesen. Doch so modern und innovativ "Courier" auch war, so wirkte dem Projekt starke Konkurrenz in Form von Microsofts Kernprodukt Windows entgegen. Denn bei der Software handelte es sich um eine stark abgeänderte Version des Betriebssystems, womit sie Windows-Chef Steven Sinofsky rasch ein Dorn im Auge wurde.

Nicht konform

Ebenso fehlte die Absegnung von Microsofts Führungsspitze. Anfang 2010 sollen J Allard, Robbie Bach und zwei weitere Team-Kollegen sich zur Projektbesprechung mit Bill Gates und Steve Ballmer getroffen haben. Dabei wurde deutlich, dass J Allards und Bachs Vorstellungen sich stark von Gates Erwartungen differenzierten. Courier sei in erster Linie zur Erstellung von Inhalten konzipiert worden - als Brücke zwischen Smartphone und PC. Als klar wurde, das Funktionen wie Email nicht im Fokus standen (dafür gebe es PCs und Smartphones), habe Gates "allergisch reagiert". Dem Report nach war es der Anfang vom Ende. Wochen danach wurde das Courier-Projekt begraben, "weil es sich nicht in die in Spur von Windows und Office einreihte". (zw)

(Video: Wie Courier funktionieren sollte)

Links

Cnet

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courier einzustellen (und gleichzeitig so etwas wie kin auf den markt zu werfen...) ist wirklich genial. courier wäre absolut genial geworden. hätti wari ist am ende dann aber doch nicht recht viel.
;-)

doch, zumindest innovativ definitiv. Vielleicht nicht auf die gleiche Art und Weise (deren innovationen sind wahrscheinlich eher in den bereich "Architectural innovations" einzuordnen) aber ganz sicher in andere richtungen.

naja ... wo denn? was bietet microsoft heute noch an, was es wo anders nicht auch schon vergleichbar gibt und was hat microsoft in den letzten, sagen wir, fünf jahren auf den markt gebracht, was es (davor) so noch nicht gab? der courier wäre das erste wirklich spannende teil gewesen, aber, wie man sieht, hatte man angst vor der eigenen courage.

irgendwer weiter unten hat mal "Kinect" genannt nur um ein beispiel zu nennen.

Innovation beinhaltet nicht nur etwas zu "erfinden" sondern das auch erfolgreich in den Markt zu integrieren bzw. mit dem Consumenten zu verbinden bzw. den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.

"Re-arranging existing ressources in a way they create higher utility and greater yields for their society" oder so ähnlich...

Ergo war meiner Meinung nach auch Windows in seiner Art und Weise innovativ, obwohl rein technologisch dreist kopiert. Die Art und Weise auf die es verbreitet wurde (mehr oder weniger Hersteller unabhängig) war revolutionär zu dieser Zeit und hat letztendlich auch Erfolg gebracht.

kinect zu nennen ist aber etwas dürftig, zumal bewegungssteuerung nichts neues mehr war, lediglich das wegfallen des controlers. zudem: spielzeug.

Sowas wuensche ich mir seit Jahren

einen Organizer/Kalender, bei dem ich mit Stift schnell schreiben kann und gleichzeitig online synchronisieren kann..

Wahnsinn - das waere ein Hit geworden...

Pfeiff auf den Stift und kauf ein iPad, Samsung Tablet, Xoom oder Playbook.

es gab mal sony clie.

naja

also, wenn ich mir das video so ansehe, dann bin ich ganz froh, dass das ding nicht fertig wurde. ein tablet, das keine email-funktion hat - kein wunder, dass bill gates da auszuckt. dieser seltsame mischmasch aus stift- und fingereingabe. ok - die funktionalitäten wären ja recht nett - nur ist die benutzung definitiv nicht intuitiv. die einarbeitungszeit wäre schon ordentlich. "monate von der fertigstellung entfernt" ist was anderes.

wäre sicher ien nettes technik-spielzeug geworden aber keine konkurrenz zu ios oder android.

Da muss ich widersprechen

da hat man bei dem Ding die Wahl zwischen Finger und Stift-bedienung - das ist eindeutig ein Plus, kein Manko. Weil intuitiv ist beides.

Wenn das wirklich so gelaufen waere wie im Video - mal umkreisen und rueberziehen, mal doppelt antippen und schon ist was gelb markiert - gefaellt.

War bisher kein allzu grosser MS-Fan, aber das Ding haette mir gedaugt.

Hoffe es kommt aehnlich wieder, vllt. mit den Kacheln von Windows Phone bzw. Windows 8 und ist dann auch gescheit synchronisiert mit Office, Skydrive und Smartphone.

email: "Als klar wurde, das Funktionen wie Email nicht im Fokus standen"
Email-fähig war das Ding schon. Im video werden ja Dinge herumgschickt - ich vermute das bezog sich nicht nur auf ein Lan.

Insgesamt wirkt dasVideo schon eindimensional, auf diese spezielle Art der Projektentwicklung ausgerichtet.

Auf der anderen Seite merkt man bei Android noch deutlich die herkunft vom handy. Nicht einmal das Clipboard funktioniert. Es ist kein / kaum Informationsaustausch zwischen den Programmen möglich.
Jeder Browser hat ein anderes Menü.

Als klar wurde, das Funktionen wie Email nicht im Fokus standen (dafür gebe es PCs und Smartphones), habe Gates "allergisch reagiert".

da versteh ich ihn aber ...

Ebenfalls. Schade um das Ding.

Und scheinbar, braucht es wirklich einen "Steve Jobs", der mit seinem Team die Weitsicht hat. So viele kluge Köpfe, da und dort, aber nur eine Firma hat's wirklich hinbekommen, letztendlich. Wobei, das Ganze wirkt schon wieder etwas einarbeitungsintensiver, als die logische und simple Bedienung des iPad. Wie eben vieles von MS, etwas verwirrend und überladen wirkt.

Microsoft ist schon innovativ, und die haben auch eine tolle Researchabteilung. Verhunzen tun's halt immer die Manager-Hirne, und ein bisschen mehr Mut tät auch nicht schaden.

wen wunderts..

fehlentscheidungen trifft ms ja zu genüge.
man möchte meinen, die entscheidungsträger versuchen ms so uninnovativ wie möglich dastehen zu lassen.. ich hab immer geglaubt, apple hätt sich das auf die fahnen geheftet, aber offenbar macht ms da schon selber nen sehr guten job(s).

Wunderbare Geschichte...

(Hört sich auch sehr plausibel an, ich gehe davon aus, dass sie auch wahr ist).

Diese Geschichte verdeutlicht den Mechanismus, wie Marktbeherrschung durch ein einziges Unternehmen den Fortschritt verlangsamt.

Gates wollte das Mail-Geschäft nicht gefährden: nicht mal mit einem Produkt aus eigenem Haus. Eigentlich richtig und vorausschauend (man denke nur an die Lizenzgebühren, die Microsoft für die Outlook-Anbindung von Android-Herstellern kassiert...)

Und trotzdem hat man bei Microsoft (wie schon so oft) den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen...

Es ist nur ein Beispiel, aber sollte Apple irgendwann nur einen Bruchteil der Produktpalette von Microsoft haben sollte, werden die gleichen Effekte auftreten.

Liegt in der Natur der Sache.

apple scheut sich aber eigentlich nicht sich selbst produkte zu kanibalisieren - wobei, die schaffen es meist, anderen mehr weh zu tun als sich selbst. auch eine leistung.
;-)

apple scheut sich aber eigentlich nicht sich selbst produkte zu kanibalisieren -

Bei dieser Produktpalette auch keine Kunst... Die Kunst besteht darin, mit DIESER Produktpalette so viel zu verdienen.

Das wird aber in den nächsten Jahren so nicht mehr funktionieren. Alleine die Tatsache, dass es Samsung in einem halben Jahr gelungen ist, an Apple in Sachen Smartphone Verkauf dermaßen flott vorbei zu ziehen müsste vielen Runzeln in die Stirn treiben.

Schade um das Ding ...

Aber da sieht man wieder was MS meiner Meinung nach von anderen Firmen (ja, auch Apple) unterscheidet. Das iPad hat sicher auch Mac Sales reduziert, das iPhone iPod Sales usw. Manchmal sollte man vielleicht einfach Innovation betreiben.

Tja .. was soll man da noch sagen? So schaut IMHO der Weg nach unten aus

Wenn so der Weg nach unten aussieht, möchte ich auch am Weg nach unten sein...

Jedes Quartal neue Gewinnrekorde, Verkaufsrekorde bei Windows 7. Riesenerfolg mit Kinect und XBox 360...
Der Consumertableteinstieg wurde eben von 2009 auf 2012 verlegt und statt "Courier" wird es dann eben Windows 8 Tablets geben. Microsoft kann die 3 Jahre ohne eigenes Tablet-OS leicht wegstecken. Ob die Entscheidung strategisch richtig war, wird sich imho erst nach dem Release von Windows 8 herausstellen.

Die Frage ist...

...ob sich Apple mit soviel neuer Konkurrenz halten kann. Das traurige iOS am iPad wirkt eher wie ein übergroßes Smartphone im Gegensatz zur Vision Microsofts.

Es wirkt auch im Vergleich zu Windows 8 mit seinen Live Tiles und Contracts und der Möglichkeit auch Desktop Anwendungen auszuführen, wie ein übergroßes Smartphone.

Ich hab

mir Windows 8 angeschaut und es kam mir das blanke Grausen, die tiles sind weder innovativ noch übersichtlich sie nerven eher. Mir ist ein Mischsystem ala icons und tiles/widgets so wie Android es hat bedeutend lieber.
Dazu kommt noch verschärfend dass per Default das Start Menü durch den grauenhaften Tiles overlay ersetzt wurde.
Ich hoffe die bessern da noch nach.

Du musst das auf nem Tablet testen.

Ich habe aktuell einen Asus eeeSlate EP121 und verwende die Windows Developer Preview darauf bereits produktiv. Könnte mir die Tiles und die Metro Oberfläche für die Fingersteuerung nicht mehr wegdenken. Ein paar Tage hatte ich auch das Samsung Tablet mit Windows 8, das war noch besser, weil dünner und längerer Akku. Aber klar: Am Desktop sind da noch einige Fragen offen, nur bisher gibt es ja noch nicht mal eine Beta Version, also mal abwarten...

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