Mehr Ärzte mit Schmerzdiplom gefordert

2. November 2011, 10:45
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Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft plädiert für eine bessere Ausbildung und flächendeckende Versorgung in der Schmerzmedizin

Salzburg - "In Österreich haben wir in der Schmerzmedizin eine problematisch Situation: Es gibt ausgezeichnete medikamentöse und nichtmedikamentöse Methoden der Schmerztherapie, und trotzdem profitieren Schmerzpatienten davon offensichtlich viel zu wenig", so Günter Bernatzky, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) zum Abschluss der Österreichischen Schmerzwochen.

Nach Patientenbefragungen liegt in Österreich der Anteil von Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, bei 21 Prozent, in absoluten Zahlen sind das etwa 1,5 Millionen Erwachsene. "Dass diese im Durchschnitt bis zu einer korrekten Diagnose 1,7 Jahre warten müssen, und dass zum Befragungszeitpunkt 18 Prozent der chronischen Schmerzpatienten nach wie vor keine korrekte Diagnose hatten, ist angesichts der guten Behandlungsmöglichkeiten aus schmerzmedizinischer und ethischer Sicht ein unhaltbarer Zustand", kritisiert Bernatzky.

Schmerzzentren

Es gibt derzeit in Österreich keine flächendeckende Versorgung im Bereich der chronischen Schmerzen. Zu fordern wäre laut Bernatzky deshalb die Errichtung von flächendeckenden Schmerzzentren nach den von der International Association for the Study of Pain (IASP) definierten Kriterien. Außerdem würden mehr Ärzte mit einem Schmerzdiplom benötigt. "Derzeit haben 530 Ärzte dieses Diplom. Es gibt 4 Kurse für das Erlangen der theoretischen Grundlagen für das Schmerzdiplom", so der Präsident der ÖSG.

Derzeit liegt die Behandlung von chronischen Schmerzen vielfach in den Händen von Ärzten, die dafür teilweise nicht ausgebildet sind und denen auch keine einheitlichen Kriterien vorliegen, unter welchen Bedingungen ein Schmerzpatient als Risikopatient zu sehen ist oder welcher Behandlungsweg individuell zielführend wäre. "Wir brauchen deshalb die Festlegung klar definierter Behandlungspfade für einzelne chronische Schmerzen", so Bernatzky.

Zu fordern ist aber auch die Anerkennung von chronischem Schmerz als eigenes Krankheitsbild, fordert der ÖSG-Präsident. Derzeit verbergen sich chronische Schmerzen oft hinter anderen Krankheitsbildern und Diagnosen wie Arthritis, Krebs oder Diabetes.

Regionale Ungleich-Versorgung

Auffällig ist auch eine sehr unterschiedliche Verteilung von verordneten Schmerzmedikamenten in Österreich. So werden etwa in Vorarlberg an weniger als 1 Prozent der Menschen solche Medikamente verschrieben, in Tirol, der Steiermark und dem Burgenland an 1 bis 3 Prozent, in Salzburg an 3 bis 5 Prozent, und in allen anderen Bundesländern 5 bis 10 Prozent. Im Durchschnitt werden an 4,17 Prozent der in Österreich lebenden Bevölkerung Schmerzmedikamente verschrieben. "Diese Unterschiede sind nicht plausibel und können wohl nicht der Ausdruck einer unterschiedlichen geografischen Verteilung von chronischen Schmerzen sein. Aus Umfragen ist bekannt, dass über Österreich verteilt Unterschiede im Auftreten von chronischen Schmerzen nur geringfügig schwanken", so Bernatzky abschließend. (red)

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