1 Jahr Kulturpolitik Rot-grün

Verrat der Prinzipien: Die Grünen als Lämmer

Analyse | 1. November 2011, 18:56
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    foto: screenshot/trenkler

    SP-Museum im Waschsalon des Karl-Marx-Hofes: finanziert mit Zustimmung der Grünen vom Steuerzahler.

Das erste Jahr rot-grüne Kulturpolitik in Wien

Wien - Vor knapp einem Jahr, Mitte November 2010, einigten sich die Sozialdemokraten mit den Grünen auf "gemeinsame Wege für Wien". Aus kulturpolitischer Sicht barg das Regierungsübereinkommen kaum Überraschungen: Der Juniorpartner brachte Schlagwörter wie Interkulturalität ein; die Sozialdemokraten beharrten darauf, dass der Betrieb der Vereinigten Bühnen Wien, wo die Grünen immer wieder Einsparpotenziale zu entdecken geglaubt hatten, "langfristig durch angemessene" Subventionen gesichert wird.

Aber man nahm sich schon einiges vor, zum Beispiel die Erschließung neuer privater Finanzierungsquellen - etwa über eine Stiftung für Gegenwartskunst. Auch sollte die vom Kulturamt im Vorfeld der Wahl ins Leben gerufene Plattform Wien denkt weiter "weiterentwickelt" werden. Die Aktivität der "Bloggers", darunter Alexander Horwath, Bettina Leidl, Lilli Hollein und Wolfgang Kos, war jedoch mit dem Wahltag zum völligen Erliegen gekommen. Ein Dreivierteljahr lang - von 20. Dezember 2010 bis 23. September 2011 - wurde kein einziger Text online veröffentlicht.

Derzeit ist www.wien-denkt-weiter.at bloß eine Plattform der Kulturpolitiker Andreas Mailath-Pokorny (SP) und Klaus Werner-Lobo (Grüne). Der Stadtrat stellte z. B. seine Viennale-Eröffnungsrede online, das Interesse dürfte sich jedoch in engen Grenzen halten: Kommentare gibt es zu keinem der fünf Mailath-Beiträge.

Leere Versprechen

Die Erstarrung macht sich aber auch bei einem ungleich wichtigeren Projekt bemerkbar. Im Regierungsübereinkommen heißt es unter dem Titel Wien Museum neu: "Wien erhält ein neues Stadtmuseum des 21. Jahrhunderts. Dieses neuartige Universalmuseum wird ein Zeichen moderner Architektur, ein Ort der Begegnung, eine neue Attraktion für die Stadt" - und, was den Grünen ganz wichtig ist, "in ökologischer Bauweise" errichtet. Bereits in der Präambel heißt es: "Kulturpolitik in Wien heißt auch Mut zum architektonischen Signal."

Der Mut, den Plan in die Tat umzusetzen, scheint aber zu fehlen. Bereits im August 2009 hatte Mailath angekündigt, dass er "bis zur Wahl" die Entscheidungsgrundlagen für einen internationalen Architekturwettbewerb vorbereitet haben werde. Dies stellte sich als ziemlich leeres Versprechen heraus: Auch mehr als ein Jahr nach der Wahl gibt es keine Entscheidung über den künftigen Standort für das Wien-Museum - und daher auch keinen Wettbewerb.

Wolfgang Kos, der Direktor des Wien-Museums, darf bloß weiterträumen: Noch bis 6. November werden am Karlsplatz unter dem Titel Platz für die Stadt Vorschläge für die Gestaltung des Schweden- und Morzinplatzes gemacht; klarerweise sind auch Entwürfe für ein Wien-Museum darunter.

Inaktivität aber ist Mailath-Pokorny-Werner-Lobo nicht zu attestieren. Es wurde gar ein Festival gegründet, das im Regierungsübereinkommen mit keiner Silbe erwähnt wird: die von den Grünen initiierte Wienwoche, die ab 2012 alljährlich im Herbst stattfinden soll. 84 Personen bewarben sich für die Leitung; Anfang Dezember werde die Entscheidung fallen.

"Ideell und politisch"

Verantwortlich für das Festival ist der Verein zur Förderung der Stadtbenutzung, der mit den Grünen eine Kooperationsvereinbarung abschloss: Die Partei unterstützt "das Projekt ideell und politisch, soweit sich das mit den grünen Grundwerten" vereinbaren lasse. Außerdem beteiligen sich die Grünen mit bis zu zwei Personen (darunter dem Kultursprecher) am Steuerungsteam. Die Wienwoche ist somit das, was für die SP das vom Wiener Kulturservice organisierte Donauinselfest und für die VP das Stadtfest ist. Als Start-up-Finanzierung erhielt der Verein zur Förderung der Stadtbenutzung heuer 100.000 Euro; ab dem nächsten Jahr soll das Festival mit rund einer halben Million Euro subventioniert werden. Ermöglicht wird dies durch Umschichtung: Man hat vor, die Mittel für das VP-Stadtfest auf 450.000 Euro zu halbieren.

Der SP-Kulturstadtrat braucht also kein "frisches Geld" in die Hand zu nehmen - und kann sich der Gefügigkeit der Grünen gewiss sein. Werner-Lobos Aufmucken in der Causa Matt (die Beschäftigung des Kunsthallendirektors sei bis zur restlosen Aufklärung der Vorwürfe aus Gründen der politischen Sauberkeit nicht tragbar) war denn auch nur von kurzer Dauer: Von einem Subventionsentzug will der grüne Kultursprecher nun nichts mehr wissen.

Viel schlimmer aber wiegt, dass die Grünen ihre Prinzipien verraten haben. Marie Ringler, von 2001 bis 2010 Kultursprecherin, hatte Jahr für Jahr die Subventionen für Donauinsel- und Stadtfest als verkappte Parteienförderung kritisiert. Zudem protestierte sie zusammen mit Marco Schreuder gegen die Zuschüsse für den Verein Sammlung Rotes Wien (Obmann: Ex-SP-Finanzstadtrat Sepp Rieder), der im Waschsalon des Karl-Marx-Hofes anhand von Devotionalien eine glorifizierende Dauerausstellung über das Rote Wien zeigt. Schreuder sprach vom "unverschämtesten Akt", Parteiinteressen zu finanzieren.

Nun aber sind die Grünen die bravsten Lämmer: Sie stimmten auch der Subvention für den Verein Sammlung Rotes Wien zu. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe 2. November 2011)

Kommentar posten
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cantanto
00
16.12.2011, 22:39
Das vorauszusehen:

Der Häupl gibt sich zwar nach Außen wie ein Prolet - um seine Kernwähler anzusprechen, ist aber ein hochintelligenter Mensch, dem die grünen Hascherln schlicht nicht gewachsen sind.

cantanto
00
16.12.2011, 22:37
Marie Ringler, von 2001 bis 2010 Kultursprecherin, hatte Jahr für Jahr die Subventionen für Donauinsel- und Stadtfest als verkappte Parteienförderung kritisiert.

Ja, wenn die S** einmal am Trog sitzt, dann lässt sie sich halt auch nicht mehr vertreiben....

cantanto
00
16.12.2011, 22:36
Kommentare gibt es zu keinem der fünf Mailath-Beiträge.

Was soll man zu diesem Inhalts leeren Gefasel auch kommentieren?

ino
00
3.11.2011, 09:17
noch ein festival, das niemand braucht

das kommt davon, wenn man poltik von pausenclowns wie diesem werner-bobo machen lasst.

Poldi Schrumpl
00
3.11.2011, 21:09

es gibt clowns die könen definitiv politik machen - siehe reikjavik.

aber es gibt auch clowns die können das nicht - siehe lobo. oposition und blog schreiben ist das eine - arbeiten das andere....

Rottweiler
11
2.11.2011, 17:24
Grün

Kaum am Trog, schon korrupt. MfG.

donna corleona
11
2.11.2011, 21:17
Grün

Leider nicht am großen Trog, sondern nur am kleinen Futternapf.
Sicherlich nicht korrupt. Sicherlich keine Verräter.
Aber eben in Wien nicht mehr Oppositionspartei. Und die Kompromisse sind der Preis, den auch jede andere Partei in der bestehenden Regierungskonstellation zu zahlen hätte.
Ob der Preis für die Regierungsbeteiligung zu hoch ist, wird noch des öfteren zu diskutieren sein.

die naive
35
2.11.2011, 14:04
Was könnte, sollte eigentlich

grüne Kultur-Politik sein, außer Verschleierte zu fördern.

-joB
23
2.11.2011, 14:09
die naiven aus ihrem sumpf zu ziehen, zb

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
12
2.11.2011, 12:03

thomas trenkler ist nach wie vor ein fan von marie ringler. leider konnte ich diese begeisterung nie nachvollziehen.

Erisian Liberation Front
00
2.11.2011, 13:26
Meine Güte

er war jung und er brauchte das Geld....

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
00
2.11.2011, 14:57

sie war jung und brauchte die gute nachred'.

Erisian Liberation Front
00
2.11.2011, 15:43
And so

stranger things never happened ;-)

thatslife
14
2.11.2011, 11:26
na sowas neues auch, in graz sinds ja schon viel weiter

z.b. früher habens bei uns in graz gegen jeden baum der im stadtgebiet gefällt wurde, obwohl die meisten dabei ja durchaus sinnvollerweise gefällt werden mussten weils morsch waren, protestiert.
seit sie hier in der koalition sind und die vizebürgermeisterin stellen wurden aber so viele bäume gefällt wie zuletzt vielleicht in der zwischenkriegszeit wo die leute holz zum heizen brauchten.
und das schöne ist ja, dass die rücker das alles verteidigt, etwa am sonnenfelsplatz, obwohl ein gutteil der bäume dort absolut unnotwendigerweise gefällt wurden.
selbes spiel bei stadtnahen firmen, früher protest, heute sitzen halt selbst drinnen.

sind die grünen erst mal in der regierung, sind sie auch um nix besser als övp, spö oder fpö.

Erisian Liberation Front
17
2.11.2011, 10:53
Passt doch

Sie wollten an den Trog.
Sie sind am Trog.

Was sollte die sonst interessieren?

arte
00
2.11.2011, 10:28
danke für den aufschlußreichen kommentar

und: leider, das war alles verhersehbar.
ist in der verkehrspolitik nicht anders.
und die multikultifrage hat ihnen die övp mit einem jungbobo abgenommen.
Stiftung für Gegenwartskunst: das wäre schön, aber für den wiener durchscxhnittswähler ein minoritätenprogramm, mit dem man dem gegner FPÖ gleich wahlkampfmunition mitliefert.
forderungen stellen und mit kündigung der koalition drohen: das ist nicht sache der grünen, leider.

jimmydean
00
2.11.2011, 13:38
ziemlicher blödsinn

die övp kämpft derzeit mit mehr abspaltungen, als die grünen je hatten... das kurz auch nur irgendetwas in punkto migration weitergebracht hätte ist auch kurz gesagt ein schmarrn.. man kann es eben niemand recht machen, würde man die ganze zeit nur streiten, käme wieder der spruch von den chaotischen grünen.

Peter Hammer 06
03
2.11.2011, 10:13
Suderei......

...nur weil Mailath dem Stadtfest die Mittel gekürzt hat.

A. Not
00
2.11.2011, 10:08

Ganz übel.

Arbeiter
01
2.11.2011, 10:07
Ein riesiger volkspädagogischer Auftrag für die Grünen!

Trotz Jahrzehnte langer Herrschaft der SPÖ und fortschrittlichem ORF verharrt das Volk noch überwiegend im dumpfen Vorurteil.

Doc PBCK
11
2.11.2011, 10:04
Machen die Grünen jetzt auch ein Stadtfest?

Oder hab ich's falsch verstanden?

Heinz Anderle
 
710
2.11.2011, 06:18
Herr Trenkler,...

... gehen Sie in den Waschsalon und schauen Sie sich dort die im Dollfuß-Anhaltelager Wöllersdorf von einem roten "Anhaltehäftling" geschnitzte Tobias Seicherl-Holzpuppe an, jener gegen das Rote Wien geifernden Spottfigur des Rabiatspießers.

Heute gibt es deren manche offenbar auch in grünem Mäntelchen, die es diesem zum Trotz dennoch nicht über die Größe eines Bobo-Seicherl hinaus bringen werden. Ich erlaube mir, ihre geistigen Ergüsse fortan nicht einmal zu ignorieren.

Freundschaft!

Dr. Heinz Anderle, Sozialdemokrat und Freigeist

arte
23
2.11.2011, 10:30
warum verbinde ich mit diesem namen

sehr blaune postings?

Heinz Anderle
 
00
3.11.2011, 05:34
Weil es am sinnerfassenden...

... Lesen scheitert?

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

trollvottel
10
2.11.2011, 15:25

Ein altes, bildungsfernes Provinz-Afferl halt, sonst hätte er es ja nicht nötig junge gebildete Stadtbewohner zu beschimpfen ...

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