Eurozone in der Krise

Kein Europa ohne Parlamente

Kommentar der anderen | Josef Cap, 1. November 2011, 18:34

Erwiderung auf einen Kommentar von Eric Frey - Von Josef Cap

Erwiderung auf einen Kommentar von Eric Frey - unter dem Eindruck der Botschaft des griechischen Premiers, das beim Eurogipfel beschlossene Rettungspaket für Hellas einer Volksabstimmung unterziehen zu wollen.

***

Der vergangene Eurogipfel hat wichtige Schritte zur langfristigen Stabilisierung der Eurozone und damit zur Sicherung unseres Wohlstands, unserer Arbeitsplätze und der sozialen Sicherheit gesetzt. Die Diskussion über die zukünftige Architektur der Eurozone steht jedoch erst am Anfang. Eine entscheidende Frage wird dabei sein, wie es gelingen kann, die neuen Mechanismen mit ausreichender demokratischer Legitimation zu versehen. Ohne eine solche - davon bin ich überzeugt - wäre der Anfang vom Ende des europäischen Projekts besiegelt, da dieses auf Dauer nicht ohne Rückhalt in der Bevölkerung bestehen kann.

Eric Frey hat in seinem Kommentar vom 29. 10. die nationalen Parlamente als Hindernis für die Krisenbewältigung dargestellt. Was er dabei zu vergessen scheint, ist, dass nicht der deutsche Bundestag, sondern die anfangs zögerliche Politik der deutschen Bundeskanzlerin und ihr Schielen auf parallel stattfindende Landtagswahlen in deutschen Bundesländern und die unterschiedlichen Interessenlagen zwischen ihr und dem französischen Staatspräsidenten für das anfangs schleppende Krisenmanagement verantwortlich waren.

Joschka Fischer hat demgegenüber an dieser Stelle in derselben Ausgabe des Standard klargemacht, dass weder EU-Kommission noch Europäisches Parlament für eine demokratische Legitimation im notwendigen Ausmaß sorgen können. Es wird wohl kaum verwundern, dass ich in diesem Punkt Joschka Fischers Position für zutreffend halte. Zum einen haben Kommission und Europäisches Parlament in den vergangenen Wochen und Monaten de facto bei den entscheidenden Fragen der Krisenbewältigung kaum eine Rolle gespielt. Zum anderen muss, wenn nunmehr zur Diskussion steht, die derzeitigen Strukturprobleme der Eurozone durch eine stärkere Zentralisierung im Bereich der Budget- und Finanzpolitik zu lösen, der Rolle der nationalen Parlamente entscheidende Bedeutung zukommen. Die Budgethoheit der Parlamente hat sicherzustellen, dass die von der Bevölkerung des jeweiligen Staates geleisteten Steuern auch im Sinne der Bevölkerung verwendet werden. Die direkte Verbindung zwischen Bevölkerung und Budgetpolitik so zu lösen, indem Entscheidungsbefugnisse tendenziell immer mehr an Regierungen beziehungsweise neue nicht ausreichend demokratisch legitimierte Gremien übertragen werden, stößt in der europäischen Bevölkerung auf wachsende Ablehnung. Zu Recht: Denn Diskurs und Öffentlichkeit müssen auch in Zukunft unentbehrliche Elemente einer modernen Demokratie bleiben.

Gegen "Sachzwang-Rhetorik"

Daher müssen Mechanismen gefunden werden, die der derzeitigen Verfasstheit der Europäischen Union als Zusammenschluss souveräner Staaten Rechnung tragen. Es wird auch weiterhin Aufgabe der nationalen Parlamente bleiben müssen, die Entscheidungen auf europäischer Ebene demokratisch zu legitimieren und bei grundlegenden Entscheidungen sicherzustellen, dass die Bevölkerung direkte Mitsprachemöglichkeiten erhält.

Auch wenn es Abläufe weiter komplizieren, muss es im besonderen Falle Griechenlands dem griechischen Parlament vorbehalten bleiben, in einer dramatischen Situation wie dieser - mit weitreichenden Folgewirkungen für die Bevölkerung - eine Volksabstimmung in Erwägung zu ziehen.

In der aktuellen Diskussion gilt es aus meiner Sicht, der Sachzwang-Rhetorik der Finanzmarktjongleure entgegenzutreten, der zufolge die Einbeziehung der Parlamente die Krisenbewältigung verhindern würde. Eine solche Behauptung ist in ihrem Kern demokratiefeindlich und führt in der Konsequenz dazu, dass zunehmend einige wenige Entscheidungen mit Verbindlichkeit für alle treffen. Berechtigt ist allerdings die Frage, ob die nationalen Parlamente ausreichend auf die neuen Herausforderungen vorbereitet sind. Denn wer für sich beansprucht, Entscheidungen zu treffen, muss sich auch der Verantwortung bewusst sein, die diese mit sich bringen.

Am Euroschutzschirm lässt sich dies besonders gut verdeutlichen: Während der derzeitige Euroschutzschirm EFSF über Garantien arbeitet und so tatsächliche Zahlungen Österreichs weiterhin der parlamentarischen Genehmigung bedürften, wird mit der für 2013 geplanten Errichtung des - dauerhaften - Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) die Möglichkeit geschaffen, dass die österreichische Finanzministerin im Einklang mit ihren europäischen Amtskollegen finanzielle Verpflichtungen für Österreich eingeht. In diesem Punkt wird die parlamentarische Mitwirkung analog zur bestehenden parlamentarischen Mitwirkung in EU-Angelegenheiten zu regeln sein. Im Bewusstsein, dass Maßnahmen zur Stabilisierung der Eurozone unter Umständen sehr rasche und komplexe Entscheidungen erfordern, wird es durchaus möglich sein, dafür praktikable Verfahren zu finden.

Lösungen für die aktuellen Probleme der Eurozone liegen im ureigenen Interesse Österreichs, da unser Wohlstand zu wesentlichen Teilen von unserer Integration in Europa abhängig ist. Es muss daher auch niemand Angst vor der Einbindung des Parlaments in europäische Entscheidungsprozesse haben. Der dadurch erzielbare Vorsprung an demokratischer Stabilität rechtfertigt allemal einige Tage Verzögerung in den Entscheidungsprozessen. Denn schlussendlich werden Maßnahmen, die keinen Rückhalt in der Bevölkerung haben, nicht bestehen und nur dazu führen, dass die europäische Einigung - mit allen damit verbundenen Konsequenzen - scheitert. (Josef Cap, DER STANDARD, Printausgabe, 2.11.2011)

JOSEF CAP ist Nationalratsabgeordneter und Klubobmann der SPÖ.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2
Dalien
 
01
2.11.2011, 14:54
Frey + Cap!

Die Nachfolger von Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer

postpseudointellektuelles Nirwana.

slow motion
00
2.11.2011, 15:10
Tun´S Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer nicht beleidigen, bitte !

Armin Bierbauer
00
9.11.2011, 11:00

Egal, die heissen in der New World Order sowieso Flintstone und Rubble.

slow motion
00
2.11.2011, 14:33
Echt fad ....

Der Kommentar von Eric Frey war wenigstens kontroversiell, interessant und nachdenklich machend, während die Reaktion darauf nur Leere erzeugt ....

santa fe
 
60
2.11.2011, 14:05

hohle floskeln eines ghostwriters für einen zombie-politiker ohne überzeugung, leidenschaft, verantwortungsgefühl. ein beispiel für die beamtete kollaborations-fettschich der FI (finanzindustrie)t auf einer verarmenden gesellschaft.

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN für alle,

die schweizer sozialisten sind aufgewacht und haben es in ihr parteiprogramm aufgenommen. in österreich verfault die sozialdemokratie in alk-eingeölter dekandenz.

santa fe
 
00
2.11.2011, 15:27

es sollte fettschichT heissen und dekadenz. diese beiden im zusammenhang so wichtigen wörter müssen korrekt geschrieben sein.

ino
12
2.11.2011, 14:25
die hohle floskeln schleuder nummer eins

in diesem forum bist immer noch du selber mit deinem unmotivierten gestammel, das du auf nachfrage nicht einmal argumentieren kannst.

die schweizer sozialisten sind bestimmt nicht vor dem triefenden pathos und den angestaubten platitüden deines kalibers in die knie gegangen. mit deinen weitgehend intelligenzfreien postings in komplett unpassenden kontexten dessavouierst du eine durchaus überlegenswerte idee ohne es zu bemerken. wenn du deine vermutlich medikamentöls aufgepeitschten euphorie nicht mehr in den griff kriegst, wechsel mal den arzt!

santa fe
 
10
2.11.2011, 14:42
"durchaus überlegenswerte idee"

dafür dürfen sie mich seitenlang beschimpfen.

vi-de dot com
 
00
2.11.2011, 16:26
"überlegenswert"

ist alles was machbar wäre. das bge ist machbar, aber nicht sinnvoll weil das preis und lohnniv derart nachziehen würde dass das bge wertlos wäre, es sei denn man würde es an das durchschnittseinkommen koppeln, was aber keiner fordert bzw wäre die forderung nicht erfüllbar.

sprich: bge einführen oder nicht ist egal: es hat keinen effekt. auf das ist eben jeder draufgekommen der sich sowas mal überlegt hat und nicht nur phrasen nachplappert ;)

deswegen wohl 'überlegenswert'.

santa fe
 
00
2.11.2011, 19:30

nach ihrer logik ist auch jede lohnerhöhung sinnlos, und sie haben recht. die löhne können die galoppierende inflation JETZT nicht einholen, wodurch die reallöhne seit jahrzehnten sinken und die gewinne der FI besonders auch durch die angeblichen bailouts ins unermessliche steigen. die politiker sind gekauft und sehen zu.

wenn eine mehrheit den gesetzgeber zur einführung des BGE zwingt, hat dieser endlich durch antinflationäre begleitmassnahmen sein BGE-gesetz zu schützen, falls es die FI wie üblich durch inflationsschübe kaputtmachen will.

vi-de dot com
 
00
3.11.2011, 08:39
ich widerspreche nicht: eine lohnerhöhung in der höhe der inflation

ist auch nur eine kompensation um den status quo zu halten. und? was dran ist verwunderlich?

und das szenario das das bge sinnlos macht ist leider komplexer als man hier niederschreiben kann, aber insich leider logisch.

LGM
01
2.11.2011, 20:13

Sie reden von einer gallopierenden Inflation, wo leben Sie bitte? In unseren Breiten kann das ja wohl nicht sein.
Außerdem ist das alles ein bisschen komplizierter, als Sie sich das vorstellen. Nehmen Sie z.B. Japan, da hat offenbar die FI versagt und die hatten seit den 90ern fast durchgängig Deflation. Das müsste dann wohl das wahre Paradies sein, oder? Oder doch nicht?

LGM
00
2.11.2011, 23:30

Sie wissen schon, dass es Aufgabe der EZB ist, die Inflation mittelfristig um +/- 2% zu halten, also sicherzustellen, dass sie weder zu hoch, noch zu niedrig ist?
3,6% momentan liegen völlig innerhalb dieser Bandbreite, wenn das nicht zu lange anhält. Mittelfristig für die EZB heißt, dass kein fine tuning innerhalb von Wochen oder ein paar Monaten stattfindet.
Eine galloppierende Inflation schaut aber ganz anders aus, davon spricht man ab 20%!

santa fe
 
00
2.11.2011, 18:48

solange sie nicht behaupten, sie hätten sich wirklich über das BGE informiert, ist ihr statement durchaus legitim.

WarumNennenWirEsNichtVorfreude?
00
2.11.2011, 13:45

Danke, dass dieser unsägliche Artikel des an sich sympathischen aber in wirtschaftsfragen hart an der umnachtung schreibenden herrn frey hier nicht unwidersprochen bleibt.
wenn rede und handeln eines herrn cap nicht so einen massiven gap hätte könnte man ihn vielleicht sogar mal (nach 30 Jahren wieder) wählen...

ino
00
2.11.2011, 13:30
nationale parlamente

haben ein nationales mandat von nationalen wählern und wollen von diesen wiedergewählt werden. warum sollte also ein beschlusss im nationalrat die europäischen zusammenhänge berüchsichtigen?

das nationale budget muss ja auch nicht von den landtagen abgesegnet werden.

früh
00
2.11.2011, 13:24
Manchmal ist es gut

wenn man sich die Mühe macht und Zeit nimmt auch Selbstverständliches auszusprechen. In diesem Sinn finde ich das sehr OK vom Herrn Cap!

Staatssekretär
00
2.11.2011, 13:20
Man muss auch den subjektiven Zugang bedenken...

Cap spricht als österr. NR-Abgeordneter für die nationalen Parlamente. - Merkel, Sarkozy ect. sprechen für die schnelle Handlungsfähigkeit von Regierungen. - Karas, Swoboda argumentieren aus Sicht des EU-Parlaments...

Und Eric Frey, mmm - vielleicht einfach ein grundsätzliches Bedürfnis nach Autoritäten, soll ja vorkommen.

slow motion
00
2.11.2011, 15:11
Ich glaube nicht, daß der Beitrag was mit Cap´s subjektiven Zugang zu tun hat ...

vi-de dot com
 
00
2.11.2011, 12:02
hat da jemand

angst um seinen job?

hey .. das ist globalisierung .. die kleinen zweigstellen (die vorher mal eigene kleine buden waren, bis sie sich 'einen starken partner' gesucht haben und gefressen wurden) werden geschlossen und in eine konzernzentrale entscheidet alles zentral. so gehts uns hier draussen in der privatwirtschaft schon lange ..

willkommen in unsrer welt herr nationalrat.

glitsch
00
2.11.2011, 11:46
Den Cap ausgegraben um die Leser zu beruhigen?

Wirkt zumindest so.

ino
00
2.11.2011, 11:26
Kommission und Europäisches Parlament haben in den vergangenen Wochen und Monaten de facto bei den entscheidenden Fragen der Krisenbewältigung kaum eine Rolle gespielt.

wie anders aber unser nationalrat, auf den die ganze welt hört.
aufwachen, pepperl!

warum sollen fragen auf eu-ebene von nationalen parlamenten entschieden werden? muss dem budget in schnitzelland etwa jeder landtag seinen sanktus geben? nein. und warum? weil die abgeordneten nur ihren wählern verpflichet sind und nur deren interessen vertreten, wir aber gremien brauchen die die interessen aller eu-bürger verhandeln und nicht nur jene der alpenrepublikaner. eu-politik braucht eu-weite entscheidungskompetenzen, sonst lassen wir es besser. solange jeder zwetschgenkrampus seine partikularinteressen in den vordergrund spielen kann (siehe finnland, siehe slowakei) wird keine funktionierende lösung auf den tisch kommen.

Lupus67
13
2.11.2011, 10:49
hähä

wer glaubt dass DIESES parlament noch den "demokratischen rückhalt" der bevölkerung hat? bei allen problemen die die deutschen sonst haben. aber wenn deren politiker in die nähe von korruption, bestechung oder "sonstigen" verwicklungen kommen, nehmen sie wenigstens den hut.während sich in österreich GERADE DANN auf die "immunität" berufen wird.

und einen verein, der befehle der eu einfach ungefiltert zum nachteil der bevölkerung "weitergibt" , während er gleichzeitig schaut nur keinem mächtigen oder finanzkräftigen auf die zehen zu steigen............ist so notwendig wie eine gestöpselte telefonvermittlungsstation in zeiten der computer.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.