Hauptzeuge im Jackson-Prozess belastet Angeklagten

1. November 2011, 14:51
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Sachverständiger räumt Fehler von Leibarzt Murray ein

Los Angeles - Im Prozess um den Tod von Michael Jackson hat die Verteidigung einen Rückschlag erlitten: Im Kreuzverhör mit der Staatsanwaltschaft belastete ihr Hauptzeuge am Montag selbst den Angeklagten. Auf Nachfrage räumte der medizinische Sachverständige Paul White vor Gericht eine Reihe von Versäumnissen von Jacksons Leibarzt Conrad Murray ein.

White sagte unter anderem aus, er selbst hätte nach Jacksons Zusammenbruch rascher den Notruf gewählt und Hilfe gerufen. Auch hätte er selbst niemals "in Betracht gezogen", Jackson das Narkosemittel Propofol als Einschlafhilfe zu verabreichen, wie Murray dies auf Verlangen des Popstars jede Nacht getan habe.

Auf die Frage von Staatsanwalt David Walgren, ob es an Jacksons Todestag "Momente" gegeben habe, an denen Murrays Pflege nicht den ärztlichen Standards entsprochen habe, antwortete der renommierte Narkosespezialist mit "Ja". Am Freitag hatte White noch die These der Verteidigung unterstützt, wonach sich Jackson die Überdosis Propofol selbst gespritzt haben könnte.

Geld für Aussage

Im Kreuzverhör räumte der Propofol-Spezialist zudem ein, für seine Aussage vor Gericht von der Verteidigung bisher 11.000 Dollar (7.857 Euro) erhalten zu haben und noch mehr Geld zu erwarten. Er erinnerte daran, dass sein Tarif als Sachverständiger bei 3.500 Dollar pro Tag liege. Der Sachverständige der Anklage, Steven Shafer, hatte nach eigenen Angaben für seine Aussage kein Geld genommen.

White war eigentlich als letzter Zeuge eingeplant. Nach seiner Aussage kündigte die Verteidigung jedoch an, am Dienstag noch einen weiteren Sachverständigen in den Zeugenstand zu rufen. Die Anklage will zudem ihren eigenen Experten Shafer erneut befragen. Vor der Entscheidung der Geschworenen stehen dann noch die Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung aus.

Murray, der sich sonst nur selten persönlich zu Wort meldet, deutete unterdessen an, dass er selbst auch noch in den Zeugenstand treten könnte. "Ich habe meine Entscheidung noch nicht getroffen", sagte er. "Es hängt vom Verlauf des Verfahrens ab." Bis vor wenigen Tagen hatten Prozessbeobachter eine Aussage Murrays noch völlig ausgeschlossen. Die Anklage wirft Murray fahrlässige Tötung vor, im Fall eines Schuldspruchs drohen ihm bis zu vier Jahre Haft. (APA/AFP)

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