Regierung lehnt Einführung freiwilliger Kirchensteuer ab

31. Oktober 2011, 14:05

Vorschlag von katholischen Bischöfen zurückgewiesen - "Haben wichtigere Probleme"

Warschau - Die polnische Regierung hat sich gegen die Einführung einer freiwilligen Kirchensteuer ausgesprochen. "Wir haben momentan wichtigere Probleme", sagte Finanzminister Jacek Rostowski dem Radiosender ZET am Wochenende. Er wies damit einen Vorschlag der katholischen Bischofskonferenz zurück, demzufolge die polnischen Steuerzahler einen Prozent ihrer Abgaben einer selbst gewählten Religionsgemeinschaft widmen können sollen. Rund 95 Prozent der Polen sind katholisch.

Der Minister erklärte, die Finanzkrise in Europa mache eine Finanzierung des Vorschlages unmöglich. "Wir müssen an die finanzielle Absicherung des Staates in den kommenden drei Jahren denken", sagte Rostowski. Der Vorschlag hätte der Kirche nach Ansicht von Experten eine zusätzliche Summe von 600 Millionen Zloty (rund 138 Mio. Euro) aus Steuergeldern zugeführt. Im Gegenzug schlugen die Bischöfe die Abschaffung eines "postkommunistischen Reliktes" vor - dem staatlichen Kirchenfonds.

Der von der kommunistischen Regierung im Jahr 1950 gegründete Kirchenfonds wird aus dem Staatsbudget finanziert. Die Zuschüsse daraus an die Kirchen betrugen zuletzt rund 100 Millionen Zloty (23,1 Mio. Euro) pro Jahr. Der Vorschlag der Kirche für die neue Steuer wurde von Politikern aller Parteien mit Ausnahme der rechtskonservativen PiS (Recht und Gerechtigkeit) kritisiert.

Polnische Bürger haben seit längerer Zeit die Möglichkeit, bei der jährlichen Steuererklärung ein Prozent ihrer Einkommenssteuer einer gemeinnützigen Organisation zu widmen. Nach dem Vorschlag der Kirche sollten die Polen zusätzlich ein weiteres Prozent einer selbst gewählten Kirche zuführen können. Mit dem Vorschlag wolle die Kirche auch die gesellschaftliche Kritik an der Verbindung von Staat und Kirche abschwächen, erklärten Kirchenvertreter.

Eine Abschaffung des Kirchenfonds forderte die antiklerikale "Bewegung Palikots", die bei der Parlamentswahl im Oktober 10,02 Prozent der Stimmen erreichte und im Parlament damit zur drittstärksten politischen Kraft avancierte. (APA)

 

Kommentar posten
23 Postings
Lichtfreak
00
1.11.2011, 16:01
Nicht im Sinne des Papstes!

Der will sich ja vom Staat zurückziehen ...

Voll in die Kaldaunen!
00
1.11.2011, 15:36
Viele Polen arbeiten in Österreich,

auch als katholische Pfarrer. Hier verdient es sich ganz gut. Und weil dem Bischof ein offiziell Zölibatärer noch allemal lieber ist als etwa ein verheirateter einheimischer Priester, kann man seine Pfarre auch ziemlich vernachlässigen und oft nach Polen abdampfen ...

ganzsichernicht
 
00
1.11.2011, 12:25
...wie sicher alle wissen, ist nur in österreich diese abgabe üblich...

...ein relikt von adolf hitler. der wollter der kirche eins auswischen und hat diese "strafsteuer" eingeführt, damit alle menschen ihn als "göttlicher führer" sehen...- der nochdazu dann "gratis" war. und heute? die kirche scheißt auf "gehört sich", und denkt nichtmal dran, diesen nonsens abzuschaffen...also: man sollte schon wissen worauf diese kirchensteuer beruht, bevor man überhaupt daran denkt.....

Peter Pan5
 
30
1.11.2011, 10:41
Warum gibt es in Polen keine islamische Einwanderung?

Liegt es daran, dass die Polen den Wienern bei der Türkenbelagerung zu Hilfe kamen?

e h
03
1.11.2011, 10:15
Interessant

In einem Land mit 95% Katholiken bekommt eine antiklerikale Partei 10% der Stimmen. :)

Raptor Jesus
00
5.11.2011, 20:53
Bei 49% Wahlbeteiligung und wenn jeder Nichtkatholik Wählen gegangen ist

Haut das wunderbar hin.

e h
00
1.11.2011, 10:14
Interessant...

Der Steiner
00
1.11.2011, 00:08

Ja sieh sich das einer an. Nach dem Commitment der EU gegenüber ist das die zweite Nachricht aus Polen, bei der ich stolz wäre, würde sie aus Österreich kommen.

ravenna
31
1.11.2011, 09:17

Ja, das wäre wirklich tolllll, wenn man jeden Österreicher dazu zwingen würde, jedes Jahr 1% seiner Einkünfte an irgendeinen Religionsverein zu schenken.....

Abgeschafft gehörte die steuerliche Absetzbarkeit von Kirchenbeiträgen in Österreich.

Der Steiner
00
1.11.2011, 11:51

Eigentlich sollte jede staatliche Subvention für religiöse Institutionen abgeschafft werden. Aber hört die regierung auf mich....

ravenna
00
1.11.2011, 13:34

Na immerhin sind wir beide uns da einig. Schon mal ein Anfang. Vielleicht finden wir noch einen Dritten. :-)

Der Steiner
00
1.11.2011, 14:30

Ja, ein/e Bundeskanzler/in mit absoluter Mehrheit hinter sich würde als drittes gut passen. *träum*

StF753
12
31.10.2011, 22:38

Das die weitere Unterwanderung gerade in Polen scheitert :). Ich bin begeistert :).

Für strikteste Trennung von Staat und Religion.

cosmo polytics
13
31.10.2011, 20:24
Kirchensteuer ist illegal!

genauso wie die Gesetze die dazu führen!

Hlsebastian
00
31.10.2011, 20:09
Eine Abschaffung dieses Kirchenfonds

wäre ein Schritt zu einer Entflechtung von Staat und Kirche - eine freiwillig zu widmende Kultursteuer (nach Modell von Italien und Spanien) wäre der Ausweg gewesen. Offensichtlich sind die polnischen Politiker an einer staatlichen Kontrolle der Kirche interessiert.

Wladimir Burdajewicz
 
00
1.11.2011, 09:15
Eine Abschaffung dieses Kirchenfonds

Ich habe den Eindruck, dass Sie den Bericht nicht gelesen oder nicht verstanden haben. Da ist die Rede von "Der Vorschlag hätte der Kirche nach Ansicht von Experten eine zusätzliche Summe von 600 Millionen Zloty (rund 138 Mio. Euro)" und "Nach dem Vorschlag der Kirche sollten die Polen zusätzlich ein weiteres Prozent...." zusätzlichen Einnahmen der Kirche. Ein Trog ohne Boden.

Raphael Hythlodeus
110
31.10.2011, 16:58
wer hindert die leute, ein, zehn oder auch hundert prozent ihres einkommens an die kirche zu überweisen? wozu brauchen die katholen da den staat?

ich stimme aber überein, dass der kirchenfonds gestrichen werden sollte. ersatzlos.

Wladimir Burdajewicz
 
00
1.11.2011, 09:31
wer hindert die leute, ein, zehn oder auch hundert prozent ihres einkommens an die kirche zu überweisen? wozu brauchen die katholen da den staat?

Leider aus dem Artikel kommt das nicht hervor, aber es handle sich nicht um eine Freiwilligkeit der zahlenden Bürger, sondern Freiwilligkeit an welche Kirche wird ein % des Einkommens (eigentlich Kirchensteuer) abgeführt. In Polen außer Röm/Kath sind alle denkbare Kirchen vertreten (Muslime, Orthodoxen/Rus, Evangelisch..... Also es handelt sich eigentlich um eine "zwingende" Kirchensteuer, die die Regierung abgelehnt hat.

Hört auf mich
00
1.11.2011, 08:59

Bitte Artikel lesen!
Es geht um ein Prozent der Einkommenssteuer!

ravenna
12
1.11.2011, 09:18

Bitte das Posting lesen und versuchen, zu begreifen!

Andreas Hofer10
00
31.10.2011, 22:24

Der Kirche gehoert jeder staatliche Zuschuss gestrichen. Ersatzlos. Und wer der Kirche ein Geld geben will, der soll das ruhig tun.

Stefanxy
01
31.10.2011, 19:10
Es geht nicht um das Nettoeinkommen, sondern um die eigentliche Einkommenssteuer, davon können die Polen 1 % dem Staat nehmen und jemand anderem zukommen lassen.

O5
22
31.10.2011, 18:45

Die Kirche weiß eben ganz genau dass sie mit aktiven Spenden VIEL weniger bekommen würde als durch automatisierte Steuerabzocke.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.