Körperexperimente

30. Oktober 2011, 20:26
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Die Wirkung von Pferdeblut im Menschen hat die französische Biokünstlerin Marion Laval-Jeantet ausprobiert

Die Wirkung von Pferdeblut im Menschen hat die französische Biokünstlerin Marion Laval-Jeantet ausprobiert: In drei Jahren ließ sie sich alle Arten von Antikörper verabreichen und gab sich schließlich einen Spritzencocktail mit allen. Als Folge traten Schlafstörungen, Vorstellungen von starker körperlicher Kraft, physische Paranoia auf, erzählt Laval-Jeantet. Sie habe sich wie der leibhaftige Zentaur gefühlt.

Laval-Jeantet ist Vertreterin der "Bio-Art", einer Kunstrichtung, die biotechnologische Verfahren zum Gegenstand von Performances und Ausstellungen macht. Robert K. Styblo hat für die ORF-Sendung Artgenossen, am Montag im Kulturmontag ab 22.30 Uhr, Künstler dieser faszinierenden und gleichzeitig schockierenden Schule begleitet. Verunsichern dürfte etwa der Genomkünstler Paul Vanouse, der in einem aufwändigen biotechnischen Verfahren die Unverwechselbarkeit des DNA-Fingerabdrucks infrage stellt. Der Biologe Joe Servis arbeitet an bakteriellen Schaltkreisen, denn: "Ein Künstler muss ein Fenster zur Welt aufmachen", sagt Servis. Genmanipuliertes Moos auf das Abbild seines Gehirns trug der Biokünstler Jun Takita aus Paris auf und schuf damit eine baumgleiche Skulptur. Takita will das Wesen der Menschen hinterfragen, um die Entwicklung von Gärten voranzutreiben.

Ikone der Kunstrichtung ist der australische Biokünstler Stelarc. Er beschäftigt sich mit der Erweiterung und Überwindung von körperlichen Grenzen und ist der Meinung, dass der menschliche Körper überflüssig, unzureichend, leer ist. Offenbar um der Leere entgegenzuwirken, ließ sich Stelarc 2006 ein Ohr in seinen Unterarm implantieren: "Für Leute an anderen Orten." Stelarc hat sicher recht: Zuhören schadet nicht. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 31.10.2011)

  • Faszinierend und gleichzeitig schockierend: Biokünstler Stelarc ließ sich ein Ohr in seinen Unterarm einpflanzen.
    foto: orf

    Faszinierend und gleichzeitig schockierend: Biokünstler Stelarc ließ sich ein Ohr in seinen Unterarm einpflanzen.

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