Taliban strafen US-Militärs Lügen

30. Oktober 2011, 19:57

Anschlagswelle in Kabul steht im Gegensatz zu optimistischen Lageberichten

Neu-Delhi/Kabul - Malt die Nato die Lage in Afghanistan rosiger als sie ist? Die Serie spektakulärer Anschläge in Kabul reißt nicht ab. Erneut gelang es den Taliban, mitten in der schwer gesicherten Hauptstadt zuzuschlagen und einen Militärbus der Schutztruppe Isaf in die Luft zu jagen. 17 Menschen starben - zwölf US-Soldaten, ein kanadischer Soldat und vier Afghanen. Es war angeblich die tödlichste Attacke auf die Isaf in Kabul seit dem Sturz der radikalislamischen Taliban im Jahr 2001.

Der Selbstmordattentäter hatte am Samstag seinen mit 700 Kilogramm Sprengstoff beladenen Wagen in einen Isaf-Bus gerammt. Der Anschlag ereignete sich auf der Darulaman Straße, die die Nato-Basen in der Innenstadt mit dem militärischen Trainingszentrum verbindet und oft von der Isaf benutzt wird. Der schwergepanzerte, 13 Tonnen schwere Bus vom Typ RhinoRunner wurde durch die Wucht der Detonation meterweit weggeschleudert.

Isaf-Kommandant General John R. Allen zeigte sich erschüttert über die Opfer, deutete den Anschlag aber als Verzweiflungstat der Militanten. Diese wollten "die Tatsache vertuschen", dass sie an Boden verlören, meinte Allen.

Diese Ansicht wird allerdings von den wenigsten Afghanen geteilt. Immer weniger glauben noch, dass die Strategie der Nato aufgeht, die Taliban mit Militärgewalt in die Knie zu zwingen. Und es war nicht der einzige Anschlag an diesem Tag. In der Provinz Kandahar erschoss ein afghanischer Rekrut drei australische Soldaten. In der Provinz Kunar sprengte sich eine Selbstmordattentäterin in einer Burka vor dem Büro des Geheimdienstes NDS in die Luft. Vier Menschen wurden verletzt.

Bereits in den Vormonaten war Kabul immer wieder Ziel von Terrorattacken geworden. Die Anschlagswelle steht in krassem Kontrast zu den eher optimistischen Lageberichten der US-Militärs, die erst jüngst verkündet hatten, dass die Zahl der Attacken seit Mai sinke. Und sie nährt Zweifel am Abzugsplan des Westens. Dieser will die Verantwortung für die Sicherheit schrittweise den Afghanen übertragen, damit die meisten ausländischen Soldaten bis Ende 2014 abziehen können.

Experten warnen, die afghanischen Sicherheitskräfte seien nicht reif für diese Aufgabe und von den Taliban infiltriert. Der Anschlag zeigte auch erneut, wie schlecht die Beziehungen zwischen Kabul und Washington inzwischen sind. So bedauerte Präsident Hamid Karsai zwar den Tod der vier Afghanen. Die US-Todesopfer erwähnte er aber mit keinem Wort. Vergangene Woche hatte Karsai in einem Interview sogar gewarnt, falls die USA Pakistan angriffen, werde Kabul aufseiten Islamabads stehen. (Christine Möllhoff, DER STANDARD-Printausgabe, 31.10./1.11.2011)

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Terabiter
00
3.11.2011, 22:35

Die Menschen in der Welt müssen sich selbstbestimmt sein und ihre konflikte selbst lösen. Vor paar hundert jahren haben die Engländer den afghanen erzählt das sie ihnen zu gehorchen haben. Später kamen die Russen mit ihrem Kommunismus und nun die amis mit ihrem ach so toll funktionierendem kapitalismus. In hundert jahren werdet ihr woll auch die demokratie verfluchen und euch entschuldigen dann kommt ihr mit dem nächsten mist an.

sanginius
13
31.10.2011, 13:27
17 Tote

gibts bei jedem ordentlichen Drohneneinsatz

zimbo
 
20
31.10.2011, 19:54
1 zu 10 ist die angebliche Erfolgsrate.

So gesehen haben die Afghanen den "double strike".

soseies
25
31.10.2011, 11:30

vor kurzem kam ein mir bekannter, nach drei monatigem einsatz aus mazar-i scharif zurück...

u. a. hat er dort die transport und rettungshubschrauber bei der landung "eingewiesen" oder wie man das in der fachsprache nennt....

nach seinen aussagen kamen dort täglich zig tote und schwerstverwundete nato-soldaten an...

nur für den bereich um mazar-i scharif flogen zwei hubschrauber ununterbrochen rettungs- und bergungseinsätze...

und das im ruhigen norden...

was das bezogen auf ganz afghanistan bedeutet kann sich wohl jeder denken....

und das es nur einen bruchteil der toten nato-soldaten in die msm "schaffen"

Morpheus
105
31.10.2011, 10:55

Es ist traurig, dass hier so viele aufgrund ihrer politischen Ressentiments gegen die USA den Kampf der ISAF für die Durchsetzung von Menschenrechten in Afghanistan pauschal verurteilen.

Leider kann man ein derart großes Land nicht in 10 Jahren "umerziehen". Die Frage, die sich mir stellt, ist: Was tun, wenn in einem Land die Mehrheit der Bevölkerung die Verletzung von Menschenrechten und die Ermordung von Andersdenkenden toll findet?

Von denen, die gegen den ISAF-Einsatz posten, würde ich gerne mal einen Vorschlag hören, wie man staatliche Verfolgung und Ermordung in Afghanistan sonst verhindern soll.

notsostandard
01
2.11.2011, 05:43
Morpheus,machen wie die Russen .....

abziehen mit eingezogenen schwanz.

Denen war es schneller klar ,dass sie nicht erwuenscht waren.

Und mit recht,was hat der westen zu tun in afghanistan?

Sich als friedensengel aufspielen,da lacht ne kuh !?!?!?.

Die verhaeltnisse haben sich nicht verbessert mit dem ami militaereinsatz,man luegt, man demokratisiert und mordet weiter.

Das stimmt natuerlich auch fuer die anderen "helden",mitbeteiligt.

That Guy...
 
02
31.10.2011, 15:20

Ich sehe den ISAF-Einsatz sehr differenziert und von Anbeginn an wurde die Situation falsch eingeschätzt und viele Fehler begangen, Zusagen und Versprechen gegenüber einzelnen Gruppen gebrochen und so viele Chancen nicht genutzt.

Nach 10 Jahren hätte man schon viel viel weiter sein können - die Hauptschuld sehe ich dabei an einem Abwenden von Afghanistan (insb. der USA, potentieller Geldgeber und der Medien) in Folge des Irak-Kriegs.

Bei ihrer letzten Frage stehe ich leider an - darauf fällt mir keine schlüssige Antwort ein. Was wäre ihr Vorschlag um der enttäuschten und geschundenen afghanischen Bevölkerung zu helfen?

Igor Gassner
20
31.10.2011, 12:24
Ich seh ja auch di USA eher positiv

aber man darf nicht vergessen schon die Briten kamen mit diesem Propagadagefasel Retter Zivilisation jetzt halt Retter der demokratie usw und meist standen massive Wirtschaftsinteresse dahinter und gerettet wurde maximal das Pfeifenspitrzl der Queen oder im Falle der USA der Pinscher des Präsidenten.

Kpt.Blaubart
27
31.10.2011, 12:18
Kontra

Sie vergessen die Staatliche Tötung in den USA, oder? Das ist Ihrer Meinung nach legitim.

Nato hat Lybien 6 Monate bombadiert und wir wurden nicht über einen EINZIGEN Zivilen Opfer informiert.
Der Machtwechsel hat dazu geführt, dass nun die Anhänger von Gaddafi in Massengräbern verschwinden, aber solange das Öl zu uns fließt, that's it.

Afghanistan wurde aufgrund falscher Tatsachen angegriffen und besetzt. Der jetzige Präsident wurde durch die Westmächte ein weiteres mal im Amt bestätigt, Wahlergebnis hat dazu nicht beigetragen.

Ich könnte noch Stunden tippen, aber viele wie Sie sind resisdent und glauben nur der DPA und Reuters.

John Malkovich
11
2.11.2011, 10:54

inwiefern wurde Afghanistan aufgrund falscher Tatsachen angegriffen und besetzt?!

Berta Müller
00
2.11.2011, 12:41
Weil der Anschlag mit Afghanistan so gut wie nichts zu tun hatte

Die Attentäter waren Saudis, lernten Fliegen in den USA, wurden, soweit dies bekannt wurde, von Saudis finanziert, der Hauptattentäter Atta wohnte 10 Jahre vor dem Anschlag in Deutschland und zu allem Überdruß hat kein einziger Afghane einen Anschlag auf die westliche Welt verübt.
Dass Osama als damaliger Freund der USA den Afghanen als mitkämpfender Gast zufgeführt wurde und dann als Gast dort Aufenthalt nehmen durfte,schlecht? Die Afghanen velangten Unterlagen, bevor sie OSAMA ausliefern wollte. Für unser Rechtsstaatverständnis war das zuviel verlangt. Wir wollten Blut sehen. RACHE tönte es aus 300 Millionen Ami Kehlen.

eclecticon
16
31.10.2011, 11:31

Frage: Haben SIE auch den russischen Einmarsch in AFG begrüßt?

Damals hats auch alles gegeben - von der Sicherheit bis zu Mädchenschulen. War aber opportuner die bösen Kommunisten durch radikale Muslime zu bekämpfen.

Insofern ist der NATO-Einsatz von vornherein 'tainted'... Plus - der Westen stützt ein durch und durch korruptes Regime... Plus - ich seh nichts von Aufbau oder Demokratisierung oder sonstwas.

Ich persönlich glaube nicht, dass die Menschenrechte auf der Agenda der NATo mehr als 'nice to have'-Status haben.
Und wenn doch - dann wär das was jetzt dort abläuft ein äußerst äußerst inkompetenter Ansatz.

Alles in allem - Kritik ist mehr als angebracht.

Gendo
12
1.11.2011, 13:11

Eins ist klar für Afganistan wäre es besser gewesen wenn die Kommunisten gewonnen hätten!

Lupus67
21
31.10.2011, 09:44

ist es nicht völlig egal wie die verhältnisse tatsächlich sind?
die amis wollen weg, weils an "anderen orten" für ihre art "freiheit und demokratie" kämpfen wollen. deshalb HAT dort einfach alles in ordnung zu sein. genauso wie am balkan, wo tatsächlich sich alles radikal verschlechtert, und trotzdem "alles in ordnung" einfach verordnet wird.

HB1230
22
31.10.2011, 05:44
Es war angeblich die tödlichste Attacke auf die Isaf in Kabul seit dem Sturz der radikalislamischen Taliban im Jahr 2001.

Absurd zu behaupten die Taliban wären besiegt. Sie waren zu keinem Zeitpunkt "besiegt". Sie bekommen immer mehr Zulauf. Bei den radikalen Islamisten in den Reformstaaten haben sie zur Zeit leichtes Spiel sich zu formieren.

Gendo
00
31.10.2011, 10:31

Nun, ich würde mal empfehlen die Geschichtsbücher auf zu schlagen. Der hier oft zum Vergleich herngezogene Vietnamkrieg ist sehr lehrreich.
Die Nieder lage in Vietnam für die USA wird oft mit der Tet Offensive in Verbindung gebracht und das ist auch korrekt. Die Offensive zeigte schienbar die Ungewinnbarkeit des Krieges. Aber was man heute weiß ist das er militärisch das Gegenteil zeigte, der VietK. war zu diesem Zeitpunkt in Bedrengniss und dannach am Rande des Kollaps.
Die Taliban scheinen daraus gelernt zu haben, sie können keinen Boden gut machen, sie müssen Propgandersiege einfahren (militärisch völlig bedeutungslose) und sie werden bekommen was sie wollen.

Cymbalist
03
31.10.2011, 00:02
Deutschland hat dort ein klare Mission zu erfüllen

Ich fordere, dass Deutschland seine Armee weiterhin im Hindukusch stehen lässt, um dort die Freiheit der EU zu verteidigen.

Adam Markus
11
30.10.2011, 22:54

Dieser General John R. Allen scheint ähnlich lustige Sprüche zu verfassen, wie ein gewisser General Paulus, anno 1943.

Martin Müller10
 
117
30.10.2011, 20:22
Der NATO-Einsatz in Afghanistan ist auf voller Linie gescheitert!

Sobald die ISAF abzieht haben die Taliban wieder das Sagen. Dafür 10 Jahre Krieg und Zerstörung wahrlich eine Meisterleistung!

h 90
112
30.10.2011, 21:35

Scheitern ist eine Frage was man als Ziele definiert.
Wenn moeglichst viel Umsatz fuer die Waffenindustrie und die eigene Beteilung daran das Ziel ist, dann wars ein Erfolg.

That Guy...
 
94
30.10.2011, 20:56

Was würden sie vorschlagen um der breiten Masse der Menschen in Afghanistan zu helfen?

Insbesondere in Hinblick etwa solche Menschen die hier vorgestellt werden und ihr Leben voraussichtlich radikal ändern müssten: http://derstandard.at/r12773388... -mon-amour

peace & love
23
31.10.2011, 11:38
'Was würden sie vorschlagen um der breiten Masse der Menschen in Afghanistan zu helfen? '

frage : würden Sie auf derartige 'hilfe' nicht auch gerne verzichten ???

die beste hilfe : 'raushalten, abflug.

That Guy...
 
21
31.10.2011, 14:53

"frage : würden Sie auf derartige 'hilfe' nicht auch gerne verzichten ???"

Antwort: Ich beziehe mich hier nicht darauf was die UNO oder "der Westen" falsch oder richtig gemacht haben, sondern frage NUR was SIE in ZUKUNFT vorschlagen würden um der afghanischen Bevölkerung zu helfen.

Sie würden also abziehen und es dabei bleiben lassen? Keine finanzielle Unterstützung, kein Austausch, keine verpflichtende VISUM-Vergabe an flüchtende Afghanis?

Heavyweather
01
31.10.2011, 00:26

Statt Militärausgaben sollte Geld in Bildung investiert werden...vor allem in Afghanistan.
Es ist keine große Hilfe jemanden einfach zu bekämpfen, man muss den Menschen Perspektiven bieten.

Pierre d´Aubusson
01
31.10.2011, 10:11

Da hättens ja gleich die Russen unterstützen können, die haben das probiert. Ist aber schiefgegangen. Wahrscheinlich ist es die falsche Strategie.

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