Balkan-Wahhabiten mit Kontakten in Wien

30. Oktober 2011, 18:33
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Jener Mann, der vergangenen Freitag Schüsse auf die US-Botschaft in Sarajevo abfeuerte, pflegt Kontakte zu den Wahhabiten in Gornja Maoča, die wiederum enge Verbindungen zu der Szene in Wien haben

Sarajevo - In wahhabitischen Kreisen hat er den Spitznamen Abuharam. Der 23-jährige Mevlid J., der am Freitagabend in Sarajevo Schüsse auf die US-Botschaft abfeuerte und einen Polizisten und sich selbst verletzte, überfiel 2005 in Wien-Alsergrund eine Bank. Er wurde gefasst und verurteilt. 2008 wurde Mevlid J. abgeschoben und mit einem zehnjährigen Aufenthaltsverbot belegt.

In Bosnien-Herzegowina erscheint es vielen logisch, dass der Mann in Wien Kontakte zu Islamisten vom Balkan unterhielt. Wien gilt als einer der Zentren dieser Szene. Für das österreichische Innenministerium sind diese Kontakte aber nicht belegt. Sicher ist, die Spuren des Verdächtigen führen in das Wahhabiten-Dorf Gornja Maoča im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina. Und zwischen Gornja Maoča und der wahhabitischen Szene in Wien gibt es zahlreiche Verbindungen. Mevlid J. selbst kommt aus Novi Pazar im serbischen Teil des Sandschak. Dort wurden am Samstag 17 Personen vorübergehend festgenommen und Militäruniformen, Messer und Bücher beschlagnahmt.

Spuren nach Gornja Maoča

Doch die bosnischen Behörden konzentrieren sich auf Gornja Maoča, wo sich seit Jahren bärtige Männer - auch aus dem Sandschak - im Wald verschanzen. Mevlid J. soll bei Nusret I. gelebt haben, dem Führer der Wahhabiten in Gornja Maoča. Bosnische Medien berichten, seine Dokumente wurden dort gefunden. Mevlid J.'s Frau wurde am Wochenende von der Polizei in einem Nachbardorf aufgestöbert. Die Gruppe rund um Nusret I. mit engen Kontakten nach Österreich, lehnt Säkularismus und Demokratie ab.

Bosnische Medien spekulierten immer wieder, dass die Wiener "Gemeinde" die "guten Freunde" in Gornja Maoča finanziell unterstützen. Experte Vlado Azinović von der Universität Sarajevo verweist auf zwei wichtige Salafiten-Gruppen in Wien, eine im 7. Bezirk rund um Nedžad B. und eine im 12. Bezirk rund um den Prediger Muhamed P. Laut dem bosnischen Fernsehen FTV hielt Mevlid J., nachdem er Österreich verlassen hatte, Kontakt zu Muhamed P. Die Verbindungsperson soll ein anderer Wahhabit names Goran P. gewesen sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass bosnische Wahhabiten Aufsehen erregen. 2006 wurde Sabahudin F. wegen Anschlagsplänen verhaftet. Er hatte ebenfalls in Österreich gelebt. 2007 versuchte ein Bosnier Sprengstoff in die US-Botschaft in Wien einzuschleusen.

2009 wurde eine Gruppe in Bosnien-Herzegowina wegen Terrorismusverdacht überführt. Muhamed R., der Bruder des Anführers Rijad R., war unter dem Verdacht festgenommen worden, illegal Waffen von Österreich nach Bosnien-Herzegowina gebracht zu haben. Im März 2010 verübten Personen, die Verbindung zu dieser Gruppe hatten, einen Anschlag auf die Polizei in Bugojno.

Nach dem Anschlag von vergangener Woche auf die US-Botschaft wollen nun Beamte des FBI nach Sarajevo kommen. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD-Printausgabe, 31.10./1.11.2011)

  • Der Wiener Prediger Muhamed P. verkauft seine Audiobotschaften nicht nur in Bosnien-Herzegowina.
    foto: youtube

    Der Wiener Prediger Muhamed P. verkauft seine Audiobotschaften nicht nur in Bosnien-Herzegowina.

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