Jo-Wilfried Tsonga sicherte sich den Titel in der Wiener Stadthalle - Er bezwang Del Potro in drei Sätzen
Wien - Mehr an internationaler Qualität hätte die Wiener Stadthalle am Sonntag nicht aufbieten können. Die Nummer zwei der Erste Bank Open, der 23-jährige Juan Martin del Potro, forderte die Nummer eins, den 26-jährigen Publikumsliebling Jo-Wilfried Tsonga. Dennoch verirrten sich nur 3500 Zuschauer zum Showdown. Die beiden Topstars nahmen es dem Publikum aber nicht übel, in einem sehenswerten Finale setzte sich Tsonga nach 2:28 Stunden mit 6:7 (5), 6:3, 6:4 durch. Es war im vierten Duell sein erster Sieg über den Weltranglisten-15. aus Argentinien.
"Es war sehr schwierig. Er hat wirklich großartig gespielt" , sagte Tsonga, der gleich 25 Asse servierte. "Nach dem Tiebreak war es hart, wieder ins Spiel zurückzukommen." Der siebente ATP-Titel bringt dem Weltranglisten-Siebenten nicht nur 104.850 Euro an Preisgeld, sondern auch 250 Punkte. Im für die Teilnahme am World-Tour-Finale maßgeblichen Ranking stößt der 26-Jährige auf Rang sieben vor.
Turnierdirektor Herwig Straka zog schon vor dem mager besuchten Traumfinale eine zufriedene Bilanz. "Sportlich hätte es nicht besser laufen können. Mit der Ausnahme, dass wir imFinale natürlich gerne eine österreichische Beteiligung gehabt hätten. Aber das können wir uns nicht jedes Jahr wünschen." Jürgen Melzer, der die vorangegangenen beiden Auflagen gewonnen hatte, war diesmal nicht über das Viertelfinale hinausgekommen. Melzers Niederlage gegen den Südafrikaner Kevin Anderson, der seinerseits von Del Potro verabschiedet wurde, war seine erste in der Wiener Stadthalle nach neun Siegen en suite.
50.000 Zuschauer haben sich in der Turnierwoche für Tennis entschieden. Eine Zahl, mit der laut Straka auch ATP-Bewerbe einer höheren Kategorie zufrieden wären. Das Abschiedsspiel von Thomas Muster gegen Dominic Thiem am Dienstag hatten sich 8000 Fans gegeben. Doch auch abseits der Lokalmatadore zeigte sich der Turnierdirektor von der Besetzungspolitik - trotz kurzfristiger Absagen wie der Top-20-Spieler Viktor Troicki und Richard Gasquet - überzeugt.
Ein Anreiz, wieder einen absoluten Topstar nach Wien zu locken, sei auch die für ein Turnier der 250er-Kategorie vergleichsweise hohe Dotation von 650.000 Euro. Straka: "Wir wollen auch in Zukunft ganz weit vorne fischen. Ein Top-3-Spieler wäre wichtig." 2013, wenn die ATP-Verträge mit den Turnieren der 500er-Kategorie auslaufen, könne man sich zudem um ein Upgrade bemühen - wenn alle Umstände passen.
Davor kommt aber noch 2012. Und Hauptsponsor Erste Bank hat sich nach der Premiere noch nicht entschieden, das Engagement fortzusetzen. Straka versicherte aber nach Gesprächen mit den Geldgebern: "Man ist vom Turnier beeindruckt gewesen."
Doppel Peya/Marach
Der Doppelbewerb hatte nebst hochklassigen Partien auch die Erkenntnis zu bieten, dass Österreich mit einer Weltklasse-Paarung in das Olympia-Jahr 2012 geht. Der 31-jährige Wiener Alexander Peya tut sich nach der Trennung vom Deutschen Christopher Kas mit dem zweifachen Masters-Teilnehmer Oliver Marach zusammen. "Ich bin glücklich, dass er sich so entschieden hat" , sagte der gleichaltrige Steirer, der schon länger auf Partnersuche war. "Natürlich hat Olympia eine Rolle gespielt" , kündigte Peya ein großes Ziel an. Diese Woche tritt Peya beim Turnier in Basel noch einmal mit Kas an. Jürgen Melzer trifft bei den "Swiss Indoors" in der ersten Runde auf den 22-jährigen US-Amerikaner Donald Young. (krud, DER STANDARD Printausgabe, 31.10.2011)