Aussetzung der Wehrpflicht

Internes Papier: Bedenken gegen Pilotprojekte von Darabos

30. Oktober 2011, 10:41

Pläne laut internem Papier rechtlich und finanziell nicht gedeckt - Laut SPÖ alles in Ordnung

Wien - Die von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) geplanten Pilotprojekte zur Aussetzung der Wehrpflicht sind nach Einschätzung von Experten des Ministeriums selbst rechtlich und finanziell nicht gedeckt. Das geht aus einem der APA bekannten internen Papier der Sektion I hervor. Auch Pläne des Ministers zu einem Umbau des Generalstabs und eine Ministerweisung mit dem Titel "Aussetzung der Wehrpflicht und Umstellung auf ein Freiwilligenheer" sorgen beim Militär und in der Politik für Befremden und Irritationen. Die SPÖ bezeichnete den Beitrag als Teil des "Standard-Prozedere" und weist die "Anschüttungen der ÖVP" zurück.

Die Expertise aus der Sektion I zu den geplanten Pilotprojekten hat es in sich: Sie besagt nicht nur, dass für die Projekte kein Geld da ist, sondern dass diese auch rechtlich nicht gedeckt sind. Für die von Darabos vorgesehen Prämien von 5.000 Euro für Milizsoldaten stehen derzeit "keine entsprechende Mittel zur Verfügung". Eine Prämie könne zudem ohne gesetzliche Änderung derzeit nur als Anerkennung für tatsächliche erbrachte Leistungen, nicht aber als Anreiz ausgezahlt werden. Es wird auch zu bedenken gegeben, dass die Milizsoldaten nach dem Darabos-Modell viel öfter üben müssten, für niedrigere Ränge derzeit gesetzlich aber nur 30 Übungstage vorgesehen sind.

Auch für den Ersatz der Grundwehrdiener, die bisher als Systemerhalter verwendet wurden, sind die finanziellen Mittel nicht vorhanden. Kostet ein Wehrdiener derzeit rund 300 Euro pro Monat, muss für seinen Ersatz durch einen Soldaten im Ausbildungsdienst mit Kosten in dreifacher Höhe gerechnet werden. Gleichzeitig können Soldaten im Ausbildungsdienst aber eigentlich nicht als Systemerhalterersatz verwendet werden, weil der Gesetzgeber eben diesen Ausbildungsdienst für Ausbildungszwecke geschaffen hat.

SPÖ: Weisung betrifft nur Projekte

Für Kopfschütteln sorgt auch eine aktuelle Ministerweisung mit dem Titel "Aussetzung der Wehrpflicht und Umstellung auf ein Freiwilligenheer". Schließlich hat Darabos keinen Auftrag zur Aussetzung der Wehrpflicht bekommen, dafür gibt es in der Koalition bekanntlich keine Mehrheit. Die SPÖ weist das zurück. Erstens stehen die zitierten Passagen nicht im Titel der Weisung selbst und zweitens gehe es nicht um eine generelle Aussetzung der Wehrpflicht, sondern nur um die Pilotprojekte und diese sieht die SPÖ durch das Regierungsprogramm gedeckt.

Die SPÖ bezieht sich dabei auf drei Passagen im Regierungsprogramm: Darin werden eine "Modernisierung und Professionalisierung der Miliz im Rahmen der Umsetzung der Bundesheerreform", eine Reduktion der "Verwendungen im Bereich der Systemerhaltung auf ein Mindestmaß" und die Bewältigung der "neuen Aufgaben nur durch bestens ausgebildete Soldaten und Soldatinnen und hochqualifizierte Spezialisten und Spezialistinnen" angestrebt.

SPÖ wehrt sich gegen "Anschüttungen" der ÖVP

SPÖ-Wehrsprecher Stefan Prähauser hat am Sonntag auch die "Anschüttungen" der ÖVP gegen Verteidigungsminister Norbert Darabos zurückgewiesen. Die von ihm initiierten Pilotprojekte seien sowohl rechtlich als auch durch das Regierungsprogramm gedeckt, erklärte er in einer Aussendung. Prähauser attestierte der ÖVP Nervosität. "Der Koalitionspartner hat Angst davor, dass die Pilotprojekte funktionieren."

Der Beitrag der Zentralsektion zu den Planungen der Pilotprojekte gehöre zum Standard-Prozedere, betonte der SPÖ-Wehrsprecher. Dadurch würden Fehler vermieden und mögliche Herausforderungen aufgezeigt. Die von Darabos eingeleitete Reform des Ministeriums begrüßt Prähauser. Dass der Verteidigungsminister eine Weisung mit dem Titel "Aussetzung der Wehrpflicht und Umstellung auf ein Freiwilligenheer" gegeben hätte, entspreche nicht den Tatsachen und sei "schlicht absurd".

"ÖVP offenbar nervös"

Auch das Verteidigungsministerium hat sich am Sonntag gegen die Angriffe der ÖVP im Zusammenhang mit der Wehrpflicht gewehrt. Diese sei "offenbar sehr nervös und hat Angst, dass die Pilotprojekte funktionieren, sonst würde sie hier nicht derart wild um sich schlagen", hieß es in einem von Pressesprecher Stefan Hirsch verschickten Papier. Das BZÖ kritisierte in einer Aussendung die "rot-schwarze Schlammschlacht".

Für das Ministerium sind die Pilotprojekte durch das Regierungsprogramm gedeckt, das Interesse bei der Truppe sei groß. Eine Weisung des Ministers mit dem Titel "Aussetzung der Wehrpflicht und Umstellung auf ein Freiwilligenheer" gebe es nicht, diese Behauptung sei falsch. Außerdem werde nicht der "Generalstab" umstrukturiert, sondern die gesamte Zentralstelle, und dabei lasse man sich nicht von "Reformverweigerern und Besitzstandsbewahrern" beirren. (APA)

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fex1
00
20.12.2011, 20:02
So ein Kasperl

Echt? Bedenken gegen die Vorschläge vom Norbert? Warum nur...?

Wo ist mein Geld
00
7.11.2011, 10:13
Ein "Pilot"-projekt?

.... klar bei den Piloten handelt es sich ausschließlich um Berufssoldaten. Da hat D. wieder leichtes Spiel.

erkelteter tiger
05
1.11.2011, 21:26
darabos wird einfach nicht (mehr) respektiert,

nach der 180° wende auf befehl von häupl und krone hat er den letzten funken glaubwürdigkeit verloren

ein zauderer der jedes wort 5 mal abwägt um nicht irgendjemand auf die füße zu treten, muss von einem tag auf dem anderen das gegenteil vertreten?

das kann nicht gut gehen

Folgendes...
 
03
3.11.2011, 09:00
Darabos hat schon von Anfang an ein Glaubwürdigkeitsproblem...

Es gab ja schon einige Minister, die keinen Wehrdienst abgeleistet haben. IMHO störte das keinen Soldaten - ein Minister hat ja andere Aufgaben als zu kämpfen.

Aaaaber: Darabos war der erste Minister, der aus GEWISSENSGRÜNDEN den Wehrdienst verweigerte. Damals war es ihm - aus diesen Gründen - unmöglich, eine Waffe anzugreifen... Selbst wenn seine Frau vergewaltigt werden würde. Heute hingegen hat er kein Problem, den Waffeneinsatz von Zigtausend zu befehlen?

Das ermöglicht 2 Interpretationen:
1.) Er hat sein Gewissen nach Jahren in der SPÖ verloren. und/oder
2.) Er hat damals _gelogen_, um sich vor dem Wehrdienst zu drücken.

Beide Möglichkeiten sind nicht ideal für einen Minister.

ceiberweiber.at
10
3.11.2011, 10:48
ach, das glaubwürdigkeitsproblem haben viele!

ich zum beispiel - als darabos zivi war, habe ich mich politisch engagiert - heute schreibe ich über politik, dh versuche, die perspektive mehrerer parteien nachzuvollziehen.
oder ein politiker, der früher für akws war und heute dank besserem wissen dagegen ist.
oder jemand, der vor vielen jahren auf ein studium verzichtete, um zu arbeiten, später dann aber doch draufkam, dass ein abschluss nicht so schlecht wäre.
allen ist gemeinsam, was für alle menschen gilt: das ihr lebensweg nicht gradlinig von der matura bis zur zeit 25, 30 jahre später verläuft, dass man dazulernt, dass früheres für spätere aufgaben ganz gut geeignet ist, dass man immer genau dort ist, wo man sein soll - vielleicht vom schicksal dorthingestellt.

Folgendes...
 
01
8.11.2011, 14:08

Ein Gewissen ist nun aber nicht austauschbar oder von heute auf morgen änderbar... Also Qualitativ etwas ganz anderes als eine Meinung.

bully bullson
02
3.11.2011, 11:16
"...dh versuche, die perspektive mehrerer parteien nachzuvollziehen..."

...bei diesem täglichen Versuchen scheitern Sie aber kläglich...

..außer Bertis-/SP-/Kronenzeitungsperspektive findet sich gar nichts in Ihren Postings!;-)

ceiberweiber.at
10
3.11.2011, 23:33
stimmt :-)

ich kann zb nicht nachvollziehen, wieso darabos - aber damit ist er in der regierung nicht allein - nicht für die aiflösung des konkordates ist. ich weiss schon, er ist einer von denen, für die es nur einen gott gibt, den herren gott, dennoch....

Folgendes...
 
02
3.11.2011, 09:05
Auch sonst ist seine Performance mager...

Wenn er sich _für_ sein Ministerium einsetzen würde, wäre ja noch alles ok.

Was man ihm anrechnen kann:
- er will viel bewegen
- er tritt entschlossen gegen Rechtsradikale auf.
Ich persönlich finde die beiden Eigenschaften zwar wichtig - aber sie alleine reichen IMHO noch nicht aus.

Anscheinend will er einerseits Kosten sparen - das ist etwas anderes als die Effizienz zu steigern (was seine Mitarbeiter wohl wollen)... und andererseits die politischen Wiederwahlziele seiner Partei erfüllen.

Es wirkt also so, als ob er sich weder seinem Ministerium, noch den Staatsbürgern verpflichtet fühlt - sondern ausschließlich seiner Partei. Das könnte auch seine Abschirmung vom Generalstab erklären. Schade.

Folgendes...
 
02
3.11.2011, 09:11
Wenn derselbe Darabos also...

... seine Energie, seinen Elan, ... _für_ sein Ministerium einsetzen würde - wäre er wohl ähnlich beliebt wie Lichal seinerzeiten. Es ist wirklich schade, dass Darabos seine Fähigkeiten für seine privaten Ziele anstatt für das System einsetzt.

Der Treppenwitz ist nun, dass seine Wehrpflichtdebatte nun nicht einmal seiner Partei nutzt - sondern eine Lose-Lose-Situation entstanden ist... Aus der er wohl nicht mehr leicht rauskommt. Ein nochmaliger Schwenk seiner Meinung könnte zwar sinnvoll sein - nur würde er den letzten Rest von Glaubwürdigkeit verlieren... Drum wird er es also mal wieder aus privaten Gründen nicht tun. Ewig schade um einen an sich sehr engagierten und cleveren Mann.

ceiberweiber.at
20
3.11.2011, 10:51
lichal?

lichal war beliebt, weil er das menschen- und männerbild der sehr konservativen vertritt. aber mit einer modernen gesellschaft, in der auch das heer seine rolle neu definiert, hat er nichts zu tun. das heer ist im bereich sicherheit nur ein akteur von vielen (in österreich, es ist in anderen ländern auch so), steht aber auch bei auslandseinsätzen vor anderen herausforderungen (die sich in der zeit nach lichal stark zu ändern begonnen haben). darabos wäre wirklich schwach und unglaubwürdig, würde er einen auf lichal machen, statt norbert darabos zu sein.

Folgendes...
 
01
8.11.2011, 14:06
Lichal...

- Setzte sich für eine Stärkung des Heeres ein
- setzte durch, dass die Milizstruktur des Heeres in die Verfassung kommt
- kümmerte sich um das Umsetzen der Spanocci-Doktrin...

Also ihm eine mangelnde Ausrichtung des BH vorzuwerfen, finde ich fehl am Platze.

ceiberweiber.at
40
2.11.2011, 08:13
lauter falschinformationen

oder plappern sie einfach nach?
darabos hat nach dem häupl-sager keine festlegung getroffen, erst wie modelle entwickelt, berechnet, analsyiert wurden. es gibt vor jänner 2001 (präsentation der modelle einschliesslich dessen, das bevorzugt wird) keine darabos-aussage, dass die wehrpflicht unbedingt abgeschafft werden muss.

erkelteter tiger
03
2.11.2011, 15:02
der ausgang der "analyse"

war nicht offen, man hatte das ergebnis und wollte eine nachträgliche herzeigbare erklärung dafür,
was mmn nicht gelungen ist

darabos war immer ein überzeugter wehrpflichtbefürworter, und niemand nimmt ihm den schwenk ab, da kann er hundert modelle vorlegen

darabos ist der bravste parteisoldat, er ist vielleicht in der 2. reihe ein guter, aber als chef nicht anerkannt,
vor allem auch innerhalb der spö, übler verarscht kann man ja fast nicht werden

bully bullson
03
2.11.2011, 10:11
...mit der Frage "wer was nachplappert" wäre ich an IHRER Stelle extrem vorsichtig...;-))

ceiberweiber.at
20
2.11.2011, 11:55
sehen wir doch mal....

was ihnen dazu einfällt, in eigenen worten bitte:

coherent coordinated complementary

(auch 3c genannt)

bully bullson
02
2.11.2011, 15:07
2. Versuch:

...auf der Enquette im Dezember letzten Jahres sagten alle Vertreter der Länder ohne Wehrpflicht (also mit Berufsarmeen), dass es Überalterungsprobleme (und/oder) Rekrutierungsprobleme gibt UND das es sicher TEUERER ist....

...aber die Belgier, Slowaken oder Schweden verstehen ja davon nichts, oder!?:-)

...Ihr Argument, das der GWD 200 Mio kostet (die man sich dann ersparen würde) ja, abzüglich der Leistungen (Kasernenreinigung, Küche, Autoreparaturen etc) die DAZUGEKAUFT werden müssen und abzüglich von rund 70 - 80 Mio für den Ersatz des Zivildienstes...

Frage...wieviel wird dann noch von den 200 Mio "übrig bleiben"!?!?

Antwort: NIX...weniger als nix..es wird ein Minus geben!

ceiberweiber.at
21
2.11.2011, 17:13
sie schnallen nix, oder?

der begriff sollte ihnen vertraut sein, wenn sie behaupten, sich mit den veränderungen im bereich sicherheitspolitik befasst zu haben. das sind anforderungen, die auch für uns relevant sind - und die wir kaum erfüllen können, wenn wir vor allem nicht miliitärisch ausbilden etc.

bully bullson
02
3.11.2011, 11:52
..meine Frage lautete aber, wieviel dann noch übrig bleibt von "Ihren" 200 Mio, mit denen Sie die Berufsarmee finanzieren wollen...

....ich schnall schon, dass Sie - wenn Sie argumentativ in der Ecke stehen - dann einfach Floskeln dreschen..(genauso wie Ihr Idol eben:-)

ceiberweiber.at
10
3.11.2011, 13:08
sie haben die basics nicht

sicherheitspolitisches umfeld, geostrategie, neue herausforderungen..

bully bullson
02
3.11.2011, 16:30
2. Versuch:

...lauter tolle Worte, die Sie da posten...eine Antwort auf meine Frage (wie soll das ganze finanziert werden!?!?) ist´s aber nicht....

..und die 200 Mio die der GWD kostet, die vergessens mal, von denen wird (nach Zukauf aller Systemerhjalterleistungen und den Mehrkosten für den ZD Ersatz) nichts mehr über bleiben...(und das sagen ja auch die anderen Länder: Es wird teurer..!)

...also..Gnädigste...wie finanziern wir´s!?

..und bitte keine "geopolitischen oder sicherheitsstrategischen" Ausflüchte...;-)

ceiberweiber.at
10
3.11.2011, 17:27
wenigstens die truppenstärke islands....

bittebitte :-)

schliesslich sind wir ja auch in der pfp :-)

verschwörer.at
02
3.11.2011, 19:01

Wissen Sie das als angebliche "Expertin" nicht selbst? Island entsendet ziviles Personal in mil Nato Strukturen, so wie auch das öBH Soldaten in zivile Missionen entsendet. Die Kontingentstärke der Isländer variiert, so wie auch jene der Österreicher.

Und zur anderen Frage: 1954.

Also was soll das? Müssen Sie hier im Kommentarbereich Fragen stellen? Wissen Sie das nciht selbst als angebliche "Expertin"?

ceiberweiber.at
10
3.11.2011, 23:30
ups, das expertlein....

bin noch ganz beeindruckt von den metatags bei dmos.info:

dm's open source information portal offers a weekdaily brief on comprehensive security and is home of open intellipedia

OSINT, OSINF, open source, information, intellipedia, comprehensive security, intelligence, terrorism

was hat ihnen eigentlich opensource.gov getan?
sind sie den "bösen buben" neidig, dass die das spiel beherrschen?

intelligence hat immer auch mit intelligenz zu tun, herrlein mühlböck.

verschwörer.at
02
3.11.2011, 23:35

>intelligence hat immer auch mit intelligenz zu tun,

Allerdings. Das schliesst Sie dann ja wohl aus.

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