Games: Umbenennen und Umnieten

29. Oktober 2011, 12:29
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Warum Spieler Moral haben und Teenager Angst vorm TV

Wäre er Politiker, wäre Lawrence Kuttner wahrscheinlich schon US-Präsident. Denn sein Konzept ist simpel: Als Wahlwerber würde er die Arbeitsplatz- und Wirtschaftsmisere völlig ignorieren und stattdessen das Verbot der von den Massenmedien als Gewaltspiele titulierten Games wie die Grand-Theft-Auto-Serie fordern.

Mythos "Spiele machen Nachwuchs zu Killermaschinenen"

Bei der F.R.O.G.-Konferenz im Rahmen der Game City lieferte der Autor von "Grand Theft Childhood" aber auch gleich seine Sicht der Dinge: Dass es nämlich ein Mythos sei, dass Spiele mit brutalen Inhalten den Nachwuchs zu Killermaschinen machen.

"Die Teenager wissen, dass es nicht wahr ist. Aber es gibt sehr wohl Untersuchungen, wonach sie TV-Nachrichten ängstigen, da dort die Kriege und Katastrophen eben in der Wirklichkeit passieren", führte er aus.

Verzicht auf Wort "Spiele"

Eine Lösung, um das Image der Spiele zu verbessern, ist seiner Überzeugung nach ein Verzicht auf das Wort "Spiele". Denn ein Flugsimulator werde schließlich auch nicht als solches bezeichnet. Eine derart neue Verpackung könne dazu beitragen, Verbotsreflexe bei Politikern zu verhindern.

Allerdings: Auch wenn die Spieler wissen, dass es nur ein Spiel ist, stehen sie manchmal vor moralischen Problemen, fand Sebastian Ring in seiner Diplomarbeit an der Münchener Hochschule für Philosophie heraus. Er analysierte Online-Foren, in denen sich Spieler von Grand Theft Auto 4 untereinander austauschten. Seine Erkenntnis: Die Spieler machen sich Gedanken über das Schicksal der Spielfiguren und ihr eigenes Handeln. "ich fühl mich richtig mies das ich dwayne umgenietet habe" (sic), schreibt beispielsweise einer.

Beunruhigend reale Geräuscheffekte

Apropos umnieten: Battlefield 3 (EA, ab 40 Euro, ab 16) hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten. Fast schon beunruhigend reale Geräuscheffekte, grafisch fein herausgearbeitete Orte und in die Spielwelt ziehende Multiplayer-Modi (die aber die umstrittene Aktivierungssoftware Origin erfordern) zeigen, dass der Hype im Vorfeld nicht nur Schaumschlägerei war. (Printausgabe/DER STANDARD, Michael Möseneder, 29.10.2011)

  • Mit und ohne Fahrzeug, zu Lande und zu Fuß: Battlefield 3.
    foto: der standard

    Mit und ohne Fahrzeug, zu Lande und zu Fuß: Battlefield 3.

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