Nach Schussattentat auf US-Botschaft: Täter leicht verletzt - Angebliche Kontakte nach Österreich
Belgrad/Sarajevo - Der serbische Polizeidirektor Milorad
Veljovic hat nach dem Anschlag auf die US-Botschaft in Sarajevo vom
Freitag die Festnahme von 17 Personen im Sandschak, der Region im
Südwesten Serbiens, bestätigt. Einer der Festgenommenen stammt laut
Veljovic aus Bosnien. Gegenüber der bosnischen Presseagentur SRNA
sagte er, dass er nicht überrascht wäre, sollte es sich
herausstellen, dass die festgenommenen Personen in Serbien eine
ähnliche Aktion vorbereitet hätten wie in Sarajevo.
Alle festgenommenen Personen stünden in bestimmter Weise mit dem
Attentäter von Sarajevo in Verbindung, präzisierte Veljovic. Die
Identität der Festgenommenen konnte er nicht angeben. Nach seinen
Angaben wurden in der heutigen Polizeiaktion im Sandschak von der
Polizei 18 Computer und Laptops, 20 Handys, mehr als 1.800 CDs,
diverse Literatur, etwa 30 Tonbänder, rund 50 SMS-Karten, fünf
Tarnanzüge, eine Kamera, drei größere Messer, eine Säbel und anderes
mehr sichergestellt.
Der Chef einer der zwei führendsten bosnischen Parteien, Zlatko
Lagumdzija, forderte am Samstag alle Parteien im Lande auf, sich im
Ringen gegen eine jede Form des Terrorismus zu vereinigen. Bei einem
heutigen Sonderparteitag seiner Sozialdemokratischen Partei (SDP)
bezeichnete Lagumdzija den gestrigen Angriff in Sarajevo als einen
"Schuss in die Werte", für welche seine Partei stehe.
Eine Polizeisprecherin in Sarajevo bestätigte unterdessen, dass
der Attentäter, Mevludin Jasarevic, von dem es zunächst hieß, dass er
beim Anschlag ums Leben gekommen sei, nur mit einer leichten Wunde am
Oberschenkel davon gekommen ist. Bei dem Angriff wurden zwei Wächter
der US-Botschaft verwundet, einer von ihnen schwer. Der Attentäter
ist der serbischen Polizei von früher bekannt. Als kürzlich die
US-Botschafterin in Serbien Novi Pazar besucht hatte, wurde der
Attentäter festgenommen, nachdem bei ihm ein Messer sichergestellt
worden war, berichtete Medien in Belgrad. Jasarevic, bei dem am
Freitagabend auch zwei Handgranaten sichergestellt wurden, war 2005
wegen eines Raubüberfalles in Wien festgenommen und nach dreijähriger
Haftstrafe nach Serbien abgeschoben worden.
Angebliche Kontakte nach Österreich
Der 23-jährige Mann, der am Freitagnachmittag
einen Anschlag auf die US-Botschaft in Sarajevo verübt hat, soll
seine ersten Kontakte zu radikalen Islamisten in Österreich geknüpft
haben. Das erklärte eine im serbischen Novi Pazar lebende Tante des
Attentäters gegenüber der bosnischen Tageszeitung "Dnevni avaz" am
Samstag. Ihr Neffe, dessen Eltern geschieden seien, sei bei ihr
aufgewachsen, bevor er mit der Mutter nach Österreich gegangen sei.
Sie bestätigte die Medienberichte, dass der junge Mann wegen
eines Raubüberfalls 2005 in Wien zu einer dreijährigen Haftstrafe
verurteilt worden war. Danach war er nach Serbien abgeschoben worden.
Vor zwei Jahren hatte der Attentäter nach Angaben der Tante
geheiratet und war nach Bosnien umgezogen. Er hat einen zweijährigen
Sohn. Die Tante, die ihn zuletzt vor zwei Monaten gesehen haben will,
als er zu Besuch in Novi Pazar war, konnte seinen bosnischen Wohnort
der Tageszeitung gegenüber nicht angeben.
Unter Berufung auf ein Polizei-Dossier über den Attentäter
berichtete der bosnische TV-Sender RTF, dass der 23-jährige Mann seit
dem Vorjahr an mehreren Treffen radikaler Islamisten in der Ortschaft
Cande bei Brcko teilgenommen habe. Den Begegnungen sollten demnach
weitere dreizehn Personen beigewohnt haben. Viele von ihnen kamen aus
dem Sandschak, der Region Südwestserbiens, wo die meisten in Serbien
ansässigen Muslime leben, je einer aus Österreich, Deutschland und
der Schweiz. Bei den letzten drei ging es dem Namen nach um Bosniaken
(Muslime).
Der Attentäter selbst hat laut der Tageszeitung der bosnischen
Polizei gegenüber erklärt, dass er im Februar in der Ortschaft Gornja
Maoca bei Brcko, der bekanntesten Siedlung radikaler Islamisten in
Bosnien, gelebt habe. Danach sei er nach Novi Pazar zurückgekehrt, um
den Islam zu verbreiten, soll er erklärt haben.
In Belgrad sind unterdessen die Sicherheitsmaßnahmen um die
westlichen Botschaften, allen voran die US-Vertretung, erhöht worden.
Bosnien-Beauftragter Inzko geschockt
Der internationale Bosnien-Beauftragte, der
österreichische Diplomat Valentin Inzko, zeigte sich über den
Anschlag auf die US-Botschaft in Sarajevo geschockt. Vom Büro des
Bosnien-Beauftragten würden die Bemühungen der Ermittler, alle
Details des Anschlages aufzuklären, unterstützt, damit die volle
Wahrheit über die Täter und den eventuellen Hauptorganisator an den
Tag komme, wurde Inzko auf dem Internetportal der Tageszeitung
"Nezavisne novine" am Samstag zitiert. (APA)