Was Minister mit ihrem Geld machen

Lukas Kapeller, 11. November 2011, 13:52
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    foto: standard/cremer

    Ökonom Haber: "Vieles, was im Rechnungsabschluss Ermessensausgabe heißt, ist politisch nicht im Ermessen der Minister. Die wirklich gestaltbaren Spielräume werden kleiner."

Dass Österreichs Minister oft wenig gestalten können, liegt nicht nur am rot-schwarzen Patt, sondern auch am knappen Budget - Oder: Warum Politiker selbst nach gewonnenen Wahlen oft keine Wahl haben

Wien - Wie viel Spielraum hat ein Minister überhaupt? Oder flapsiger gefragt: Wie viel Politik macht ein österreichisches Regierungsmitglied im Jahre 2011 eigentlich noch? Folgt man der Budgetrede Maria Fekters, der wir die originäre Erkenntnis verdanken, dass das Budget die "in Zahlen gegossene Politik ist", muss man dafür eigentlich bloß herausfinden, wie viel Geld ein Minister zur Verfügung hat. Leider ist das etwas kompliziert.

Der Rechnungshof veröffentlicht zwar jedes Jahr den sogenannten Bundesrechnungsabschluss - ein Zeugnis penibler Prüfungsarbeit, das so viele hundert Seiten füllt, dass es in zwei Bänden herausgegeben werden muss. Dennoch: "Man kriegt die realen Werte nicht so einfach", sagt Gottfried Haber, Volkswirtschaftsprofessor an der Uni Klagenfurt. "Im Bundesrechnungsabschluss findet man Pflicht- und Ermessensausgaben, aber die sind nicht wirklich Manövriermasse. 'Ermessensausgabe' heißt nicht, dass diese Ausgabe politisch freiwillig getätigt wird."

Fixe Personalkosten

Der tatsächliche politische Gestaltungsspielraum ist quer durch alle Ressorts gering. Besonders gilt das für personalintensive Ministerien wie Unterricht, Inneres oder Justiz. "Die Starrheit des Bundeshaushaltes ist sehr hoch", bestätigt auch Gerhard Steger, Chef der Budgetsektion im Finanzministerium. "Das heißt, ein sehr hoher Anteil der Ausgaben ist entweder gesetzlich vorgegeben oder zwar formal eine Ermessensausgabe, aber trotzdem nicht gestaltbar."

Nimmt man etwa das Innenministerium, so musste die damalige Ressortchefin Fekter im Jahre 2010 von 2,3 Milliarden Euro Budget gleich einmal 1,3 Milliarden für die Personalkosten der Sicherheitsexekutive berappen. Ähnlich geht es Unterrichtsministerin Claudia Schmied mit den Lehrern. Hinzu kommen Gebäudemieten oder Förderungen für Skikurse und Sprachwochen etc. "Natürlich kann man zum Beispiel Förderungen streichen, aber nur mit erheblichem Aufwand und mit entsprechenden Konflikten", sagt Steger. "Anderes kann ich aber nicht streichen: Zinsen kann ich nicht schuldig bleiben. Das heißt, es gibt schon noch einmal einen Unterschied zwischen Zinszahlungen und Förderungen."

Spielräume müssen mühsam erkämpft werden

Volkswirt Haber, der an seinem Institut bereits die Ausgaben einzelner Abteilungen in Ministerien unter die Lupe nahm, vermutet, dass der politische Spielraum der meisten Minister im einstelligen Prozentbereich liegt. Eine Einschätzung, die sich mit Stegers Erfahrungen deckt. Der Sektionschef nennt als Beispiel den Bundesvoranschlag 2012 in Höhe von 73,6 Milliarden Euro. "Davon sind knapp sieben Milliarden gestaltbare Ermessensausgaben. Das sind knapp zehn Prozent, dies ist aber eine Einschätzung des Finanzministeriums, nicht abgestimmt mit den Fachressorts."

Steger, dem als Spitzenbeamten des Finanzministeriums naturgemäß am liebsten wäre, die Fachminister würden ihre Spielräume zum Sparen nützen, schildert die Situation aber noch dramatischer: "Die Bemessungsgrundlage für mögliche Einsparungen sind knapp zehn Prozent, nicht der Spielraum. 'Gestaltbar' heißt nicht, dass ich diese Ausgaben auf null fahren kann. Da kann ich realistischerweise nur einen Teil abzwacken."

Abgerdnete als Kosten-Wächter

Und was geschieht, wenn ein Minister einmal wider Erwarten einen Überschuss in seinem Ressort hat? Oder unerwartete Zusatzkosten? Kann der Bürger überhaupt erfahren, was damit passiert? Steger sieht in diesem Falle genügend Transparenz gegeben. "Wenn Ministerien im Bereich der überplanmäßigen Ausgaben - jene, die über das hinausgehen, was im Budget veranschlagt ist - etwas ausgeben, dann wird das vierteljährlich ans Parlament berichtet."

Diese Quartalsberichte erhalten alle Abgeordneten im Budgetausschuss, dürfen aber nicht direkt an die Öffentlichkeit gelangen. derStandard.at fragte darum nach, aus welchem Grunde die Original-Berichte des Finanzministeriums für Medien nicht zugänglich gemacht werden. Der juristische Grund, antwortete die Parlamentskorrespondenz, liege darin, dass die Quartalsberichte des Finanzministeriums nicht Teil der Gesetzgebung sind und daher auch nicht im Plenum debattiert werden. Vielmehr seien die Berichte Teil der Vollziehung. Die Abgeordneten im Budgetausschuss erhalten die Berichte aus dem Finanzministerium also nicht, um darüber zu verhandeln, sondern für die sogenannte begleitende Budgetkontrolle. Der Abgeordnete wache hier gleichsam über die Exekutive und sei Vertreter und Anwalt des Bürgers, heißt es aus der Parlamentskorrespondenz. Diese versichert außerdem, dass der Nationalrat beim Budget um größtmögliche Transparenz bemüht sei. Denn: Die schwer durchschaubaren Zahlenfriedhöfe aus dem Finanzministerium werden sehr wohl als Zusammenfassung mit relevanten Zahlen auf der Homepage zugänglich gemacht.

Dort erfährt der Bürger etwa, dass Finanzministerin Fekter von April bis Juni 2011 überplanmäßige Ausgaben von 163,7 Millionen Euro genehmigte - gedeckt durch Einsparungen, Mehreinnahmen und Rücklagen. Im Bericht der Parlamentskorrespondenz heißt es etwa wörtlich: "Die bedeutendsten Ausgabenüberschreitungen resultierten aus der Arbeitsmarktförderung (33,6 Millionen), dem Krisenmanagement, der Familiengerichtshilfe, dem elektronisch überwachten Hausarrest (22,5 Millionen) und der Filmförderung (18,5 Millionen)." Mit dem "Hausarrest" ist die elektronische Fußfessel für Häftlinge gemeint, der Kostenpunkt "Krisenmanagement" resultiert zum Beispiel aus zusätzlichen, krisenbedingten Flügen österreichischer Minister nach Brüssel.

Wer gestalten will, greift in Rücklagen-Topf

"Vieles wird finanziert durch Umschichten zwischen bestehenden Ausgabenpositionen, es gibt aber auch Fälle, wo ein Minister in seinen Rücklagen-Topf greift", erklärt Steger. Minister dürfen außertourlich Geld ausgeben, solange sie saldoneutral bleiben. Das birgt den Vorteil, auf wirtschaftliche Entwicklungen oder neue Gesetzeslagen flexibel reagieren zu können. An einer Stelle wird gespart, an anderer investiert.

Steger gefiele freilich eine andere Option besser: "Wenn man einspart, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man hat Geld für anderes übrig, oder man macht weniger Defizit und kommt vielleicht irgendwann einmal in den Budgetüberschuss. Von dem träume ich, seit ich diesen Job mache." Steger leitet die Budgetsektion im Finanzministerium seit 14 Jahren. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 11.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 108
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Uttar (49)
00
15.11.2011, 14:11

Bitte die Fekter langsam wieder vom Titelblatt nehmen, dieser Schreck ist wirklich nicht allzu oft auszuhalten

Marlon62
01
15.11.2011, 11:21
Was Minister mit ihrem Geld machen,

ist mir wurscht, was sie mit Steuergeldern machen, ist interessant.

sonne-licht
 
00
15.11.2011, 09:35
schuldigkeit

auch im journalismus zu suchen,
der nur noch boulevardmäßig berichtet und bei recherchen zu schnell aufgibt, weil sich mit boulevardberichterstattung ohne hinter/abgründe aufzudecken von der wirtschaft bzw. politik mit werbeetats belohnt wird.

wieviel geld fließt wohl? wenn gewisse berichte nicht erscheinen über die wahrheit der situation mancher politiker bzw. wirtschaftstreibender.

wo sind die medienvertreter, die sich hinter das arme volk stellen und nicht nur ihre eigenen wirtschaftlichkeit schützen bzw. sich verkaufen?

sonne-licht
 
00
15.11.2011, 09:31
lügengeschichten der mehreinnahmen/rücklagen

staatsschulden explodieren, sodaß die regierung eine höhere verzinsung riskiert und die banken mehr verdienen.

anscheinend setzt bei jedem menschen, sobald er sie ein steuergeldamt absitzt das "hirn" aus für einen nachhaltige allgemeintaugliche lösung!

solidarische haftung heißt auch bei sich im amt zu sparen bzw. wirtschaftliche kompetenz zu zeigen.

was diese menschen auf den uni's lernten, sagt viel über die charakterliche/moralische bildung in österreich aus!

beste beispiel wels da werden marode projekte gekauft, das nur so kracht um die freunderl bei stange zu halten! die freunderl stehlen sich mit dem steuergeld davon, sie haben ja ihre schäfchen wieder im trockenen/verantwortung?

offenlegung aller steuergeldausgaben!?

paradiselost
02
12.11.2011, 10:59
"...Minister mit ihrem Geld..."

leise anmerkung: es ist niemals "ihr" geld - es ist und bleibt immer unser aller geld - das nicht nur der steuerzahler, sondern das der buerger. minister sind ministranten - leut', die einen auftrag haben, diese, unsere gemeinsame kasse im sinne der buerger zu verwalten.

die auftraggeber sollten auch nicht nur jeweils 4 jahre zuschauen, sondern sich moeglichst oft direkt mit auftraegen an ihre minister wenden - via ihre abgeordneten im parlament bzw. via volksbegehren.

gerade jetzt braucht es offensichtlich haeufiger diese impulse von unten, um eine lahmarschige, selbstzufriedene und satte politkaste in gang zu treten.

CL
02
12.11.2011, 10:50

Herunterrasseln lassen, bis alle die Lektion voll gelernt haben!!!

Silvio Lackner
01
12.11.2011, 08:43
Deutlicher als sie es in ihrer ^^^^ Art gesagt hat,

kann man nicht mehr zum Ausdruck bringen, dass man seine Macht weiterhin dafür verwendet, dass das Großkapital über die Inszenierung der Krise Steuergeld anzapft, weil die Märkte nix mehr hergeben. Ich lese seither keinen Kommentar mehr von/über diese(r) Frau.

Allgemeiner kranker User
08
12.11.2011, 08:30
Da fehlt der Artikel "Warum die Wahlberechtigten trotz Wahlen eigentlich keine Wahl haben"

Aber: "Wessen Brot ich ess', dessen Lied ich sing" gilt auch für den Standard.

Abonnement des Verwaltungskuchens
00
12.11.2011, 08:19

don't panic

da holen wir alle die Ikea-Werkzeugschlüsseln und bauen einmal nach Plan. Weil nix, is eh scho

Ich weiß von nix
20
12.11.2011, 08:16
Man nehme die Mitgliedsbeiträge von Ö

an die EU. Das alleine sind schon Kosten! Danke an alle die 95 Ja gestimmt haben -.-

Allgemeiner kranker User
01
12.11.2011, 08:31

Na schaun Sie, Sie wissen ja doch was. "Das alleine sind schon Kosten!".

Ausgezeichnet!

Abonnement des Verwaltungskuchens
00
12.11.2011, 08:22

ja, aber sie müssen schon einsehen, dass wird auf Bauern und Landschaftserhaltung und große Gebäude in Brüssel aufgewendet.

Otto Ottinger
 
01
12.11.2011, 01:26
Es ist nicht ihr Geld! Es ist mein Geld und sie haben es mir gegen meinen Willen weggenommen!

gut organisierte Verbrecher sind das!

quo-vadis
00
12.11.2011, 09:20
organisiertes verbrechen

auf höchstem niveau und noch dazu legalisiert ... was die oberministranten des staates dürfen oder nicht und trotzdem können haben zB grasser und strasser und co. eindrucksvoll praktiziert ... Schon vergessen?

Nummer6371
00
11.11.2011, 21:40

"Die bedeutendsten Ausgabenüberschreitungen resultierten aus der Arbeitsmarktförderung (33,6 Millionen), dem Krisenmanagement, der Familiengerichtshilfe, dem elektronisch überwachten Hausarrest (22,5 Millionen) und der Filmförderung (18,5 Millionen)."

Ist es möglich die beiden fehlenden Ausgaben anzugeben, und wenn es nur eine stark unterschätzte Zahl wird? Lieber zu gunsten der Betroffenen, hauptsache man kann sich da mal in etwa ein Bild dazu machen.

maus 14
21
11.11.2011, 21:29

wir,die arbeiter, erwitschaften gewinne
was mach(t)en
alle daraus?
lotto spielen?
wer spielte mit unserem hart verdientem geld
wer ?

Cui bono?
04
11.11.2011, 19:47
Mehr Kompetenzen für den Rechnungshof

Politiker jonglieren unkontrolliert mit Steuermilliarden der Bevölkerung herum.

Es braucht ein vollkommen unabhängiges Organ, welches das Volksvermögen vor missbräuchlicher Verwendung schützt.

Macht braucht Kontrolle

sonne-licht
 
00
15.11.2011, 09:54
und befugnisse

misstände auch zu ahnden.

unser rechtssystem ist schlicht weg ein witz!

schützt die reichen, schädigt/entmündigt die armen!

michikklas
00
12.11.2011, 08:15

Was glaubst wozu es in einer Demokratie ein Parlament gibt?

Abonnement des Verwaltungskuchens
01
12.11.2011, 08:24

damit diese, in parlamentarische Anfragen mit der Opposition geistig "Ping-Pong" spielen können ?

Der bessere Wisser
02
11.11.2011, 19:42
Die griechische Tragödie

hat angefangen auch in Österreich zu spielen. Die Zinsen für Österreich sind heute um fast 0,5% gestiegen. Es wird Zeit, ein Sparpaket vorzulegen und die Länder und Gemeinden das Schuldenmachen zu verbieten.
Sonst sehen wir uns alle in Griechenland oder Italien.

Der Schakal
00
11.11.2011, 18:57
Ich gehe mal davon aus...

...das Minister IHR Geld veranlagen. Insbesondere aufgrund von Insiderinformationen und somit einen Straftatbestand erfüllen.

mfg

Kleinhirn
02
11.11.2011, 18:24

Komisch, Fekter zahlt 22,5 mio für "elektronisch überwachten Hausarrest (22,5 Millionen) "

http://derstandard.at/131918251... forumstart

Karl sagt die Einführung hat 200.000E, und die 40.000 Hafttage haben 180.000E gekostet. Daduch sollten eigentlich extreme Kosteneinsparungen entstehen. Trotzdem muss man jetzt 22,5 Mio nachschießen für Fußfesseln.
Tolles Geschäft.

PointNoef
 
11
11.11.2011, 18:31
Wer hat

Deiner Rechung nach € 4,500.000 kassiert?????

22.5 Mio minus 18 Mio ergibt eine Differenz von 4,4 Mio €

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