Kopf des Tages

Schlagfertig, aber nicht allwissend: Sprachassistentin Siri

28. Oktober 2011, 17:52

Aber nicht mehr lange - denn Siri weiß, was Menschen brauchen: Antworten.

Wir tun es schon lange - und gern: herumschimpfen. Meist nicht mit, sondern über andere. Denn die könnten ja zurückgoschen. Garantiert friktionsfrei funktioniert das Keifen mit den unbeseelten Dingen des Alltags. Wie etwa dem Auto oder dem Computer: "Du Blechtrottel, was machst du schon wieder für einen Sch...". Wohltuend frustableitend - und doch bleibt das schale Gefühl, dass wir den von uns erfundenen Maschinen schlichtweg egal sind. Aber nicht mehr lange - denn Siri weiß, was Menschen brauchen: Antworten.

"Das tut mir leid. Ich fürchte, ich kann das nicht beantworten."

Der Traum vom Dialog mit der Maschine wird vom Menschen schon lange geträumt. Die Sprachassistentin namens Siri auf Apples neuem iPhone 4S macht vor, wohin die Reise geht. Sie gibt uns mit samtweicher Stimme Antworten, die wir hören wollen, weil wir ab und zu (Selbst-)Bestätigung brauchen. "Glaubst du an Gott?" - "Das tut mir leid. Ich fürchte, ich kann das nicht beantworten." Dabei wird sie nie verletzend. "Heirate mich" - "Wir kennen uns doch kaum", haucht sie zurück.

Google und Co.

Die noch von Steve Jobs beeinflusste digitale Sprachsteuerung am iPhone ist weder einzigartig noch neu und schon gar nicht fehlerfrei. Viele andere Sprachsoftware-Werkzeuge sind längst alltagstauglich: Googles Voice Search etwa nimmt Sprachanfragen entgegen und spuckt aussagekräftige Antworten aus. Auch in anderen Bereichen übernehmen digitale Maschinen die Arbeit. Bekannt (und reichlich nervend) sind Hot-line-Sprachassistenten. In Autos hören Navis oder Freisprechanlagen auf Befehle, wenn die Hände am Steuer sind. Auf Zuruf gehen Lichter an, ohne dass ein Schalter betätigt werden muss.

Steuerungsform

Doch Siri könnte dieser Steuerungsform zum Durchbruch verhelfen. Denn sie vermittelt dem Nutzer das Gefühl einer persönlichen Beziehung - etwas, wonach letztlich alle Menschen suchen. Und sie zeigt Humor, was ihr schon zum Titel "Tamagotchi 2.0 für Businessleute" verhalf. "Erzähl mir einen Witz." - "Kann ich nicht. Ich vergesse immer die Pointe."

"Wos war mei Leistung?"

Doch bei aller Suche nach einem verständnisvollen Gegenüber, der auf die Aussage "Ich bin sauer" hilfreich wie ein Therapeut fragt: "Was meinst du damit?": Die Welt erklären wird uns auch Siri nicht. Denn ihr Wissen kommt letztlich nur von einem von Menschenhand gespeisten Server. Kaum erhellende Antworten wird sie daher auch nicht auf Fragen geben können wie: "Wos war mei Leistung?" (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 29. Oktober 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
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roy Lueftner
00
2.11.2011, 10:10

Ich fühl mich nach diesem Artikel wie nach einer Predigt in der Kirche. Oder so.

rolin
05
29.10.2011, 10:57
Kate Austen
32
29.10.2011, 09:27
das ist der Untschied zwischen einer Erfindung und einer Innovation

und daß das Potential von SIRI wiedermal S.Jobs und kein Androide bei Samsung erkannt und gepusht hat ist auch wenig verwunderlich.

undalleswirdgut
33
29.10.2011, 12:15
... schon einmal 2001 space ... gesehen?

war kubric genial? Steve konnte Dinge massentauglich machen, oft nicht weil sie besser waren, sondern weil er einen Kundenkreis aufgebaut hat, der seinen Produkten oft sehr unkritisch gegenübergestanden istund er ihnen auch das Gefühlder Einzigartigkeit geben konnte ... dadurch ist/war es für apple oft leichter das Brandungswasser zu überwinden. Würde siri auf einem WP7 phone vorgestellt, wäre es zu einem nett und das wars abqualifiziert ... bei android hätte man es z.T. zerrissen, weil alles über die ZENTRALE läuft ... so gesehen gut so

Freebird
31
29.10.2011, 13:21

Ist ja schon gut. Sie sind nominiert für den Schönredner des Jahres. Und die Aussichten auf Erfolg stehen nicht schlecht.

horli
53
29.10.2011, 10:02
Volksverdummung

Ja es ist schon seit langem klar das Steve Jobs Potential für Voksverdummung genial erkennt und umsetzt.

Elef
08
29.10.2011, 10:38

Ich finde auch, dass Technik wieder exklusiver und nicht jedem zugänglich sein sollte. Stellen's Ihnen vor, jetzt kann meine Oma schon ohne mich, den PC Auskenner in der Familie, eine CD brennen und Internet surfen. das hätt's unter MS DOS nicht geben. Wo führt das nur hin, wenn jeder damit umgehen kann??

horli
42
29.10.2011, 10:55
Einfach tief

Einfache Bedienung und tiefe intellektuelle, pädagogische Möglichkeiten sind kein Widerspruch.
Aber das bedingt Freiheit und Offenheit.
Also das Gegenteil von Appels Konzept.

rolin
22
29.10.2011, 11:17

Apple's Konzept hat auch Vorteile und eine Zielgruppe.

Und im Gegensatz zu den dir propagierten Gefaengnissen muss sich niemand ein Device von Apple kaufen. Das ist alles freiwillig!

Also was soll die Aufregung?

horli
31
29.10.2011, 11:59
Welche Gefängnisse propagiere ich?

rolin
22
29.10.2011, 10:20

Jobs hat ganz im Gegenteil Viele dazu inspiriert ihren kreativen und Intellektuellen Traeumen zu folgen und ihre Ideen zu verwirklichen…

horli
52
29.10.2011, 10:24
Narrengefängnis

"Steve Jobs, der Pionier, der Computer zu einem coolen Gefängnis gemacht hat, um Narren von ihrer Freiheit zu trennen."

RMS, 2011

rolin
12
29.10.2011, 10:36
Ja, das ist einer der Sprueche, die Leute ohne Ahnung loslassen.

iOS Devices muessen vielleicht “gejailbreaked” werden und der App Store wird kuratiert.

Aber mit meinem Computer (Mac) kann ich machen was ich will und habe alle Freiheiten. Von einem Gefaengnis sprechen da nur Leute, die nie mit einem Mac gearbeitet haben…

Und der Stallman. Den finden mittlerweile schon viele aus den eigenen Reihen unertraeglich und zu radikal!

horli
43
29.10.2011, 10:52
Gefängnishersteller

Ein Hersteller der sich eigenmächtige Eingriffe und Rechte in mein gekauftes und bezahltes Gerät erlaubt und Umgehungen dieses Freiheitsentzuges sanktioniert, ist ein Hersteller von Gefängnissen. Perfekte Zensur und Überwachungsgeräte, vom Anwender nicht kontrollierbar.
Aber ist eh egal, Hauptsache einfach, cool und bunt. Ich habe eh nichts zu verbergen und Übervater Onkel Steve weiss schon was gut ist für uns iSheeps.

Freebird
11
29.10.2011, 13:24

Du hast einfach gehörig einen an der Waffel, das kann man nicht mehr anders ausdrücken.

horli
12
29.10.2011, 13:46
danke!

Danke für diese reiflich überlegte, fundierte und mit unwiderlegbaren Fakten hinterlegte Analyse.
Die trefflichen Argumente ihrer Abhandlung sind bestechend, logisch, konsistent, nachvollziehbar und einleuchtend. Bravo!

Freebird
01
29.10.2011, 14:40

Ich mach das nicht gerne, und klar, es sind keine Argumente, aber einfach notwendig. Irgendwer muss ja diesen Amoklauf mal stoppen.

horli
13
29.10.2011, 15:00
Du bist ein Held!

AppleFanboy2.0
02
29.10.2011, 12:55
Es

Heisst immer noch sheep und nicht sheeps.

Eusebius Stinkmorchel
12
29.10.2011, 11:05
DU ARMER

Du tust mir wirklich leid. Ein echtes iSheep. Aber nur eine kurze Frage. Warum lässt du uns mit deinem Gesülzte nicht in Ruhe? Kauf dir einfach kein iPhone und halt den Mund, so einfach ist das...

hellfast
00
30.10.2011, 09:33

ist halt nicht so einfach, wenn man die welt retten muss...

ANNOnymus
11
28.10.2011, 22:43

Also ich finde KI´s auch witzig
Du bist dumm !
KI: wie bitte ?
Ich sagte das du dumm bist
KI: das tut mir aber leid.

mir fällt jetzt nur nicht der name der ki ein.

hotzenplotz1001
00
28.10.2011, 20:43
Netter launiger Artikel, gut zu lesen!

qwertyhnbvcxz
11
28.10.2011, 20:00
wolfram alpha

dahinter ist ja nichts anderes als wolfram alpha oder?
ganz praktisch find ich folgendes, wenn das per sprache geht und auf deutsch find ich das cool:

time to sunburn skin type III
all visible satellites (damit ich weiß wann ich den kopf einziehen muss)
current time in new york
international space station position now
2 dice (für siedler spieler)
600 gbp in eur
standard deviation 4, 9, 12, 65
perchlorate ion molar entropy
gravitational acceleration london
lightspeed london vienna (theoretisch minimale netzwerk latenz)

wolfram alpha gibts auch für android

anbax
31
28.10.2011, 21:39
diese app gibt es auch fuers iphone,

ist aber nicht im erntferntesten mit siri vergleichbar, da es ueberhaupt nicht ins betriebssystem integriert ist.

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