Aber nicht mehr lange - denn Siri weiß, was Menschen brauchen: Antworten.
Wir tun es schon lange - und gern: herumschimpfen. Meist nicht mit, sondern über andere. Denn die könnten ja zurückgoschen. Garantiert friktionsfrei funktioniert das Keifen mit den unbeseelten Dingen des Alltags. Wie etwa dem Auto oder dem Computer: "Du Blechtrottel, was machst du schon wieder für einen Sch...". Wohltuend frustableitend - und doch bleibt das schale Gefühl, dass wir den von uns erfundenen Maschinen schlichtweg egal sind. Aber nicht mehr lange - denn Siri weiß, was Menschen brauchen: Antworten.
"Das tut mir leid. Ich fürchte, ich kann das nicht beantworten."
Der Traum vom Dialog mit der Maschine wird vom Menschen schon lange geträumt. Die Sprachassistentin namens Siri auf Apples neuem iPhone 4S macht vor, wohin die Reise geht. Sie gibt uns mit samtweicher Stimme Antworten, die wir hören wollen, weil wir ab und zu (Selbst-)Bestätigung brauchen. "Glaubst du an Gott?" - "Das tut mir leid. Ich fürchte, ich kann das nicht beantworten." Dabei wird sie nie verletzend. "Heirate mich" - "Wir kennen uns doch kaum", haucht sie zurück.
Google und Co.
Die noch von Steve Jobs beeinflusste digitale Sprachsteuerung am iPhone ist weder einzigartig noch neu und schon gar nicht fehlerfrei. Viele andere Sprachsoftware-Werkzeuge sind längst alltagstauglich: Googles Voice Search etwa nimmt Sprachanfragen entgegen und spuckt aussagekräftige Antworten aus. Auch in anderen Bereichen übernehmen digitale Maschinen die Arbeit. Bekannt (und reichlich nervend) sind Hot-line-Sprachassistenten. In Autos hören Navis oder Freisprechanlagen auf Befehle, wenn die Hände am Steuer sind. Auf Zuruf gehen Lichter an, ohne dass ein Schalter betätigt werden muss.
Steuerungsform
Doch Siri könnte dieser Steuerungsform zum Durchbruch verhelfen. Denn sie vermittelt dem Nutzer das Gefühl einer persönlichen Beziehung - etwas, wonach letztlich alle Menschen suchen. Und sie zeigt Humor, was ihr schon zum Titel "Tamagotchi 2.0 für Businessleute" verhalf. "Erzähl mir einen Witz." - "Kann ich nicht. Ich vergesse immer die Pointe."
"Wos war mei Leistung?"
Doch bei aller Suche nach einem verständnisvollen Gegenüber, der auf die Aussage "Ich bin sauer" hilfreich wie ein Therapeut fragt: "Was meinst du damit?": Die Welt erklären wird uns auch Siri nicht. Denn ihr Wissen kommt letztlich nur von einem von Menschenhand gespeisten Server. Kaum erhellende Antworten wird sie daher auch nicht auf Fragen geben können wie: "Wos war mei Leistung?" (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 29. Oktober 2011)