Es darf die AUA nicht wundern, wenn die Passagiere lieber zum günstigsten Tarif mit moderneren Fliegern der Konkurrenz nach Europa jetten
Jetzt hat die AUA also endlich wieder ein Argument, warum nicht sie,
sondern andere Schuld an der eigenen Misere haben. Diesmal sind es nicht
politische Unruhen, ein Vulkanausbruch, die Atomkatastrophe in
Japan oder die schlechte Konjunktur. Jetzt trifft es Emirates: Weil die
Golf-Airline unverändert nach Wien fliegen darf und damit der AUA
Passagiere abspenstig mache, rentiere sich die Langstrecke nach Indien
nicht mehr und wird reduziert beziehungsweise eingestellt. Dass die seit
Jahren schwer defizitäre Airline auf diesen Routen kaum nennenswerte
Gewinne erzielte, darf angenommen werden. Zur wirtschaftlichen Genesung
wird die AUA wohl noch mehr machen müssen, als Strecken zu streichen.
Nebenbei: Wenn alle drei Airlines aus dem Lufthansa-Verbund - AUA, Swiss
und Mutter - fast zeitgleich und im internen Preiskampf von Mumbai nach
Wien, Zürich und München fliegen, darf es nicht verwundern, dass die
Passagiere lieber zum günstigsten Tarif mit moderneren Fliegern der
Konkurrenz nach Europa jetten.
Unverständlich sind in diesem Zusammenhang die Drohungen von
Lufthansa-Chef Christoph Franz gen Österreich. Immerhin bekam die
Lufthansa vom Steuerzahler für die AUA seinerzeit 500 Millionen Euro.
Nicht zu vergessen, die indirekte Förderung des Wiener Flughafens, der
für Transitpassagiere zahlt, angeblich einen zweistelligen
Millionenbetrag - seit Jahren. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 29./30.10.2011)