Pentagon-Sprecher: Flugkörper sind unbewaffnet - Medienbericht über Luftangriffe gegen Islamisten-Miliz Al-Shabaab von äthiopischem Boden aus
Washington - Die US-Regierung hat nach einem
entsprechenden Bericht der "Washington Post" den Einsatz von Drohnen
über Somalia bestätigt. Pentagon-Sprecher John Kirby sagte der
Nachrichtenagentur AFP jedoch am Freitag (Ortszeit), die von
Äthiopien aus startenden unbemannten Flugkörper seien unbewaffnet.
"Diese unbemannten Flugkörper werden nur zur Überwachung eingesetzt
und nicht zu Kampfeinsätzen", sagte Kirby.
Die Washington Post hatte hingegen gemeldet, die unbemannten Flugzeuge des Typs "Reaper" hätten Einsätze gegen die radikal-islamische Miliz Al-Shabaab ausgeführt,
die als Verbündeter der Al-Kaida gilt.
Wie es weiter hieß, befindet sich der Drohnenstützpunkt auf dem
entlegenen Zivilflughafen Arba Minch. Die USA hätten Millionen Dollar
investiert, um ihn auszubauen. Die Flugzeuge könnten mit
Hellfire-Raketen und satellitengelenkten Bomben ausgerüstet werden.
Wie die Zeitung erläutert, vermeiden die USA seit dem
"Black-Hawk-Down"-Debakel von 1993 die Entsendung von Truppen nach
Somalia. Damals waren in der Hauptstadt Mogadischu im Zuge einer
Intervention im Bürgerkrieg, an der auch eine UNO-Mission beteiligt
war, zwei US-Militärhubschrauber abgeschossen und 18 Amerikaner
getötet worden. Als Konsequenz daraus stütze sich die US-Regierung
auf Drohnenangriffe, Mitarbeiter des Geheimdienstes CIA in Mogadischu
und kleinere Einsätze von Spezialeinheiten. Die USA hätten darüber
hinaus ihre finanzielle Unterstützung und Ausbildungshilfen für
afrikanische Friedenstruppen ausgeweitet, die gegen Al-Shabaab
kämpften.
"Union islamischer Gerichte"
Al-Shabaab wurde 1998 von Sheikh Hassan Dahir Aweys als
Kampfeinheit innerhalb der sogenannten "Union islamischer Gerichte"
gegründet. Diese hatte durch rigorose Anwendung der Scharia für etwas
Ordnung gesorgt, nachdem sie eine von den USA unterstützte
Warlord-Allianz geschlagen hatte. Verschiedene Warlords hatten seit
dem Sturz des Diktators General Mohammed Siad Barre 1991 Chaos und
Anarchie verbreitet. Ein von Aweys verstoßener Gefolgsmann, Sheikh
Sharif Sheikh Ahmed, vom Westen nunmehr als "moderater" Islamist
eingestuft, ist derzeit Präsident der international anerkannten
somalischen Übergangsregierung. Eine äthiopische Militärintervention
in Somalia 2006-09 führte zum Erstarken der Al-Shabaab, die es sich
auf die Fahnen heftete, den Erbfeind in einem "Heiligen Krieg" aus
dem Land zu vertreiben.
Al-Shabaab ("Die Jugend") kontrolliert große Teile Süd- und
Zentral-Somalias und weitet nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen
ihren Einflussbereich über Somalia hinaus aus. So habe die Miliz in
Kenia Netzwerke zur Anwerbung neuer Mitglieder, zum Einsammeln von
Geldern und zum Training aufgebaut, geht aus einem unveröffentlichten
UNO-Bericht hervor. Seit Mitte Oktober operieren auch vor dem
Hintergrund der Entführung mehrerer Europäerinnen kenianische Truppen
gegen Al-Shabaab in Somalia. Al-Shabaab hat Kenia mit Krieg gedroht.
2010 hatte sich Al-Shabaab zu dem Doppelanschlag in Uganda während
der TV-Übertragung des Endspiels der Fußball-WM in Südafrika bekannt.
Bei den Anschlägen am 11. Juli in Kampala auf einen Sportclub und ein
äthiopisches Restaurant waren 76 Menschen getötet und Dutzende
verletzt worden. Die Miliz sprach von "Vergeltung" für Ugandas
militärische Unterstützung der somalischen Übergangsregierung.
US-Präsident Barack Obama erklärte jüngst, rund 100 US-Soldaten zur
Unterstützung des dortigen Militärs nach Uganda zu schicken -
allerdings gegen die Widerstandsarmee des Herrn (Lord's Resistance
Army/LRA). (APA)