Sanader bekennt sich vor Gericht "nicht schuldig"

3. November 2011, 13:26
2 Postings

Prozess gegen den kroatischen Expremier eröffnet - Korruptionsermittlungen auch gegen die Regierungspartei HDZ

 Der kroatische Ex-Premier Ivo Sanader hat sich am Donnerstag im Prozess wegen Korruption und Kriegsgewinnlertum gegen ihn am Landesgericht Zagreb „nicht schuldig" bekannt und den Vorwurf, ein Kriegsprofiteur zu sein, zurückgewiesen. „Ich weise die Konstruktionen der USKOK (Korruptionsstaatsanwaltschaft, Anm.) angewidert zurück", so Sanader zum Prozessauftakt.

Der Ex-Premier soll laut Beweisen der Anklage für einen Kredit der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank an das kroatische Außenministerium 1994 und 1995 eine Provision kassiert haben, die fünf Prozent der Kreditsumme über 140 Millionen Schilling entsprach. Dafür soll er der Hypo eine bevorzugte Stellung auf dem kroatischen Markt zugesagt haben. Kroatien, das sich damals im Krieg befand, benötigte das Geld, um den Aufbau von Vertretungen im Ausland zu finanzieren.

Der Empfänger der fünf Prozent (sieben Millionen Schilling) war jedoch nicht der Ex-Premier, sondern ein gewisser Eugen Laxa, ein in Argentinien lebender Kroate. Die Staatsanwaltschaft will nun beweisen, dass der Name und die Unterschrift Laxas missbräuchlich verwendet wurden und Sanader die Hypo-Provision in bar erhalten habe. Sanader habe die schwierige Lage Kroatiens in den Jahren 1994 und 1995 ausgenützt, um sich persönlich zu bereichern, so die Anklage.

Sanader, der nach den Ausführungen seines Anwaltes Cedo Prodanovic das Wort ergriff, sagte:"Ich bin kein Kriegsprofiteur." Er erinnerte daran, dass ihn die österreichische Staatsanwaltschaft in der Affäre Hypo als Zeugen befragt hatte. In Österreich gebe es keine Anklage oder Verdacht auf Bestechung. Genau diese Zeugenaussage werde nun in Kroatien gegen ihn als Beschuldigten verwendet, sagte Sanader.

Sanaders Anwaltsteam, angeführt von Prodanovic, will beweisen, dass der Ex-Premier sich erst gegen Ende der Kreditverhandlungen mit der Hypo eingeschaltet hatte und Ex-Außenminister Mate Granic der Hauptverhandler war, dass die Person Eugen Laxa existiere und dass ihm - beziehungsweise der Person hinter Laxa - und nicht Sanader eine Provision ausgezahlt worden sei.
Nach einer kurzen Unterbrechung wurde der Prozess um 11.45 Uhr unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Nächster Verhandlungstag ist der morgige Freitag, der 4. November. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sanader am Donnerstag vor Gericht.

Share if you care.