Kein "Brückenschlag" in Tiroler Bergen

28. Oktober 2011, 17:28
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Durch Fusionen sollen Skigebiete rentabel werden - Das Ruhegebiet Kalkkögel verbietet Skitourismus vom Stubaital bis in die Axamer Lizum

Innsbruck - "Politisch ist ein Zusammenschluss der Skigebiete Schlick und Axamer Lizum derzeit leider nicht erwünscht", sagt der Obmann des Tourismusverbandes Innsbruck, Karl Gostner. Nichtsdestotrotz werde am Plan, ein großes Skigebiet vom Stubaital über die Kalkkögel bis in die Lizum zu errichten, festgehalten. Nur so könne die Region wirtschaftlich überleben. Dazu müsste es allerdings zu einer gesetzlichen Änderung kommen.

Kein Lift im Schutzgebiet

Und diese haben sowohl Landeshauptmann Günther Platter (VP) als auch Umweltlandesrat Hannes Gschwentner (SP) abgelehnt. Die Kalkkögel gelten seit 1983 als verordnetes Ruhegebiet. Für den Österreichischen Alpenverein (ÖAV) gilt jeder Euro, der in die Planung eines Zusammenschlusses von Schlick und Lizum gesteckt wird, schlicht als Geldverschwendung. Und ein Liftbau sei ohnehin Rechtsbruch. Mit einer "Arge Brückenschlag" vereinen sich trotzdem alle Befürworter der Skigebietsfusionierung: Betreibergesellschaften, Planungs- und Tourismusverbände würden in der Arge "an einem Strang ziehen" und die Fusionierung - trotz politischen Widerstandes - "nicht aus den Augen verlieren". "Mit Argumenten und Lobbyismus bleiben wir dran am großen Ganzen", erklärt Gostner.

Bis zum skitechnischen Zusammenschluss vom Stubaital bis in die Lizum planen die Fusionsfreunde kleinere Zusammenschlüsse. Geht es nach Gostner, könnten Skifahrer in der Wintersaison 2012/13 schon von der Mutterer Alm starten und dann den "Hoadl" in der Axamer Lizum hinunterkurven. Zurzeit liegt aber auch dieses Projekt auf Eis. Ein Streit zwischen der Gemeinde Mutters und ihrer Agrargemeinschaft über die Nutzungsrechte des Gebietes liegt bei Gericht. Theoretisch kann sich sogar Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer - ohne ein konkretes Projekt zu kennen - diese Verbindung vorstellen. Über die Bürgermeisterinitiative ärgert er sich dennoch: "Was braucht es denn noch als ein politisches Nein."

Unterdessen hat der ÖSV-Präsident und Betreiber des Patscherkofel, Peter Schröcksnadel, seine "Vision" präsentiert. Der Glungezer soll vom Patscherkofel mit Skiern erreichbar sein. Das Schutzgebiet am Zirmweg sei von einer Fusion nicht betroffen. Und finanziert werde der Zusammenschluss nur mit 50 Millionen von privaten Investoren. Aber ohne diesen Zusammenschluss sei sein Skigebiet am Patscherkofel niemals wirtschaftlich zu führen. (Verena Langegger/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.10.2011)

  • Vom Birgitz Köpfl geht es derzeit schon runter in die Axamer Lizum. Das 
Stubaital bleibt für sich. Die Kalkkögel dazwischen sind nämlich seit 
fast 30 Jahren per Gesetz Ruhegebiet.
    foto: der standard/axamer lizum

    Vom Birgitz Köpfl geht es derzeit schon runter in die Axamer Lizum. Das Stubaital bleibt für sich. Die Kalkkögel dazwischen sind nämlich seit fast 30 Jahren per Gesetz Ruhegebiet.

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